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Schmiergeldskandal: Siemens erwartet eine Milliarde Euro Strafe

Teuer, aber bezahlbar: So stellt sich der Siemens-Konzern das Ende seines Schmiergeldskandals vor. Das Unternehmen rechnet mit Kosten von einer Milliarde Euro, um die Forderungen der US-Börsenaufsicht, des US-Justizministeriums und der deutschen Justiz zu bedienen. Analysten sind sich einig: Es hätte schlimmer kommen können.

Für den Schlussstrich unter den Siemens-Schmiergeldskandal rechnet der Konzern mit einer Strafzahlung von einer Milliarde Euro. Diese Summe sei für "den angestrebten Vergleich mit Behörden in Deutschland und in den USA im Jahresabschluss 2008" als Rückstellung verbucht worden, teilte Siemens am Mittwoch in München mit. Analysten hatten weit höhere Strafen der US-Börsenaufsicht SEC erwartet und reagierten erleichtert.

Siemens erklärte, die Rückstellung von einer Milliarde Euro "basiert auf der Einschätzung des Stands der Gespräche mit den Behörden in Deutschland und in den USA durch das Unternehmen". Ein Abschluss der Verhandlungen mit der SEC, dem US-Justizministerium und der Münchner Staatsanwaltschaft wird bald erwartet.

"Es hätte schlimmer kommen können"

Staatsanwälte und interne Ermittler haben bei Siemens dubiose Zahlungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro aufgedeckt. Die Gesamtkosten des Korruptionsskandals summieren sich mit der Rückstellung, Strafen, Beraterkosten und Steuernachzahlungen auf 2,9 Milliarden Euro. Das Münchner Landgericht hatte wegen schwarzer Kassen in der Kommunikationssparte bereits vor einem Jahr eine Geldbuße von 201 Millionen Euro gegen Siemens verhängt. Inzwischen wurden die Ermittlungen auf weitere Sparten ausgedehnt.

Analyst Michael Bahlmann vom Bankhaus M. M. Warburg sagte, eine Milliarde sei "zwar schrecklich viel Geld, aber es hätte schlimmer kommen können". Die Aussicht auf eine bevorstehende Einigung mit den US-Behörden nehme ein Damoklesschwert über dem Konzern weg. Wenn es bei dieser Summe bliebe, "ist das eine erleichternde Nachricht".

Auch Roland Pitz von der HypoVereinsbank sagte, das Thema Korruption wäre damit für Siemens weitgehend erledigt. Außerdem seien Bußgelder von bis zu drei Milliarden Euro im Gespräch gewesen.

Quartalsverlust von zwei Milliarden Euro erwartet

Die Rückstellung dürfte Siemens im vierten Quartal allerdings noch tiefer in die roten Zahlen reißen - ein Minus von knapp zwei Milliarden Euro erwartet Bahlmann unterm Strich. Siemens hatte angekündigt, Sonderlasten für den Konzernumbau und Stellenabbau in Höhe von drei Milliarden Euro im Schlussquartal zu verbuchen. Allein die Trennung von der defizitären Telefonssparte SEN kostet Siemens eine Milliarde Euro.

In den ersten drei Quartalen hatte Siemens 8,3 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Davon stammen 5,4 Milliarden aus dem Verkauf des Autozulieferers VDO an Continental. Die Jahresbilanz will Siemens am kommenden Donnerstag vorlegen. Wegen der jahrelangen Korruption hat die neue Siemens-Führung unter Vorstandschef Peter Löscher und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme Schadenersatzklagen gegen den langjährigen Siemens-Chef Heinrich von Pierer und weitere Ex-Vorstände angekündigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 300 Beschuldigte. Drei Manager wurden bereits verurteilt, Ende November wird der Richterspruch im Prozess gegen Ex-Vorstand Johannes Feldmayer erwartet.

AP/Reuters / AP / Reuters