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Schmiergeldskandal: Siemens ließ Nokia im Dunkeln

Siemens steckt tief im Korruptionssumpf, hält es jedoch scheinbar nicht für nötig, seine Partner darüber zu informieren. Der Nokia-Konzern führte mit Siemens Fusionsverhandlungen - und ahnte nichts von der Schmiergeldaffäre.

Von Hans-Martin Tillack

Auf Siemens kommt neuer Ärger aus Finnland zu. Obwohl man in der Führung des Münchner Elektro-Multis von den Betrugsermittlungen der Schweizer und Liechtensteiner Staatsanwaltschaft wusste, informierte das Unternehmen nicht den finnischen Nokia-Konzern, bevor im Juni die Fusion zwischen der Com-Sparte von Siemens und dem Netzwerkbereich von Nokia verkündet wurde. Das ergaben Recherchen von stern.de und der finnischen Zeitung Kauppalehti.

Die Affäre um Korruption und schwarze Kassen bei Siemens hat damit definitiv auch den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld erreicht. Er führte die Verhandlungen, die zu dem Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks führen sollten.

"Eine Überraschung für uns"

Kauppalehti berichtet heute in großer Aufmachung auf der Titelseite über die ungewöhnliche Informationspolitik der Deutschen. Die Razzia bei Siemens im November "war eine Überraschung für uns", sagte Nokia-Chefsprecherin Arja Suominen gestern zu stern.de. Auf die Frage, ob Nokia nicht bevorzugt hätte, informiert zu werden, antwortete die Sprecherin: "Das ist eine Frage, die nur die Partner betrifft."

Ein Siemens-Sprecher bestritt gestern gegenüber stern.de nicht, dass Nokia von den Ermittlungen nicht informiert worden sei. Man habe seinerzeit aber nicht "die Hintergründe" der Ermittlungen in der Schweiz und in Liechtenstein und das Ausmaß der Probleme gekannt. Die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft ermittelt seit November 2004 in Sachen der Siemens-Festnetzsparte. Ein weiteres Verfahren der Schweizer Bundesanwaltschaft läuft seit Sommer 2005.

Erst vor einigen Tagen verkündeten Siemens und Nokia, dass die Fusion nicht wie geplant im Januar wirksam werden solle, sondern erst im Lauf des ersten Quartals des kommenden Jahres. Zunächst sollen weitere Prüfungen das Ausmaß der Unregelmäßigkeiten und Betrügereien bei Siemens klären. Nokia-Sprecherin Suominen bekräftigte gestern zugleich, dass der finnische Konzern die Fusion nicht grundsätzlich in Frage stelle. Der Siemens-Sprecher bezeichnete das Verhältnis zu Nokia als "vertrauensvoll".