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SCHULDENBERG: Vivendi macht sich Luft

Der französische Mischkonzern Vivendi Universal kann durch neue Kredite den geplanten Konsolidierungskurs fortsetzen. In den kommenden Jahren müssen Schulden von über 19 Milliarden Euro abgebaut werden.

Mit umfangreichen Anteilsverkäufen und neuen Krediten macht sich die hochverschuldete Vivendi Universal Luft für die notwendige Sanierung. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Paris bekannt gab, stellen die Gläubigerbanken eine neue mittelfristige Kreditlinie von drei Milliarden Euro zur Verfügung. In den kommenden Wochen will Vivendi weitere Beteiligungen abstoßen und damit bis zu 4,5 Milliarden Euro in die leere Kasse spülen. Der Verkauf des italienischen Bezahl-Fernsehsenders Telepiù an den australischen Medienmogul Rupert Murdoch steht offenbar kurz bevor.

Aktie schließt fester

Die neue Kreditlinie löst einen kurzfristigen Kredit über eine Milliarde Euro ab, den Vivendi im Juli erhalten hatte. Der Aktienkurs von Vivendi Universal stieg daraufhin an der Pariser Börse bis knapp unter 10 Prozent auf 14,45 Euro an, ehe er wieder etwas nachgab.

Einigung mit Murdoch

Nach Informationen der Zeitung »Le Monde« haben Vivendi und Murdochs Unternehmen News Corp eine Absichtserklärung über den Verkauf von Telepiù unterzeichnet. Der Kaufpreis soll zwischen 750 und 800 Millionen Euro liegen. Obwohl Vivendi auf einem höheren Erlös gehofft hatte, erleichtert der Verkauf Vivendi, denn Telepiù hatte das Ergebnis jährlich mit 350 Millionen Euro belastet.

News Corp erhält mit Telepiù nicht nur die italienischen Fußball- Übertragungsrechte für Saison 2003-2004, sondern auch die Kontrolle über Italiens Pay-TV Markt. Den zweiten italienischen Pay-TV Anbieter Stream besitzt News Corp bereits zur Hälfte.

Verlagssparte soll Milliarden bringen

Vivendi-Chef Jean-René Fourtou, der am 25. September eine Sanierungs-Strategie vorlegen will, sucht mit Hochdruck nach einem Weg, den Schuldenberg abzutragen. Ein gewichtiger Schritt ist dabei der geplante Verkauf der Verlagssparte Vivendi Universal, der Presseberichten zufolge 3,5 Milliarden Euro einbringen soll.

Neben den Verkäufen will Vivendi nach mehreren Medienberichten seinen Anteil am profitablen Mobilfunkunternehmen Cegetel auf mehr als 50 Prozent anheben, um dessen Finanzströme nutzen zu können. Fourtou hat in den vergangenen Wochen bereits mehrere Tochterunternehmen abgestoßen. Zum Abbau der 19 Milliarden Euro Schulden innerhalb der zwei nächsten Jahre soll der Vorstandschef Beteiligungen im Wert von insgesamt zehn Milliarden Euro verkaufen.