Games Convention Pong voyage!


Im Schatten der Messeneuheiten führt eine Ausstellung auf der Games Convention in die Frühzeit des Videospiels. "pong.mythos" zeigt alte Geräte - und wie aus dem alten Bildschirm-Tennis "Pong" Kunst zum Anfassen wird.
Von Ralf Sander, Leipzig

Eine Zeitreise erfordert auf der Games Convention nur wenige Schritte, vorausgesetzt man befindet sich gerade in Halle 4. Dort, wo Computer- und Videospiel-Schwergewichte wie Microsoft, THQ, Take 2 und Vivendi mit lautem Getöse das Neueste vom Neuen vorstellen, wird es in einer Ecke ganz alt und ganz still. Die wunderbare Ausstellung "pong.mythos" widmet sich einem der ältesten und wichtigsten Videospiele überhaupt: "Pong", dem simplen, schwarz-weißen digitalen Tennis.

Zwei hin- und herbewegbare weiße Striche als Schläger, dazu ein fliegender Punkt als Ball - fertig war das Konzept für den ersten großen Hit der Videospielgeschichte. Der Erfolg des Spielautomaten von Atari gilt als Startschuss für die Entstehung einer ganzen Industrie für Unterhaltungshard- und -software, die in ihrer ganzen Macht auf der GC gerade zu beobachten ist.

Die Entstehung von "Pong" selbst ist eine spannende Geschichte, die Ralph Baer, der deutschstämmige Erfinder der Videospielkonsole, vor kurzem im stern geschildert hat. Auf der Ausstellung sind sowohl der Prototyp wie auch das Verkaufsmodell der ersten Konsole "Odyssey" zu bewundern. Auf der alten Kiste ist "Pong" sogar spielbar. Nicht mehr in Betrieb ist hingegen der Original-Spielautomat von Atari, der in Kneipen und Spielhallen für den kommerziellen Siegeszug von "Pong" sorgte. Beide Geräte kamen 1972 auf den Markt.

Spielende Kunst

Aufgrund seiner historischen Bedeutung und seiner ästhetischen und spielerischen Schlichtheit wurde "Pong" schnell zum Material für Kunst - und ist es noch. "Die Künstler benutzen das digitale Urspiel als Material- und Bedeutungsvorrat, um ihren Ideen Gestalt und Inhalt zu verleihen", schreibt der Kurator der Ausstellung und Leiter des Computerspiele Museum in Berlin, Andreas Lange, in seiner Einführung. Was dabei herauskommen kann, zeigt "mythos.pong" in beeindruckender Weise. Und auch der Spieltrieb kommt nicht zu kurz. Einige der Installationen sind funktionierende "Pong"-Spiele, obwohl sich die verwendeten Materialien zum Teil weit vom Original entfernt haben. Häufig muss der Mensch mit seinem Körper eingreifen, sei es durch die sensorerfasste Position seiner Füße oder die Muskelkraft seiner Beine - weil die Schläger durch Treten eines Fahrrades gesteuert werden. Eine Konstruktion lässt sich durchs Handy beeinflussen. Und für die ganz Harten wartet eine Version, in der jeder Fehler mit Schmerzen bestraft wird. Wer es nicht mehr aushält, hat verloren. (Mehr Beispiele in der Fotostrecke.)

Auch wenn das alte "Pong" neben seinen Urenkeln wirkt wie eine Ölfunzel neben einem Scheinwerfer, ist "pong.mythos" ein absolutes Highlight der Games Convention.

"pong.mythos" ist als Wanderausstellung konzipiert. Orte und Termine auf www.pong-mythos.net.


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