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Gamescom 2009: Die geschrumpfte Playstation soll es richten

Das erste Messehighlight gab es schon vor dem Start der Gamescom. Sony hat die Playstation 3 verkleinert und den Preis dafür gesenkt. Aber reicht das, um den Rückstand auf Microsoft und Nintendo aufzuholen?

von Gerd Blank, Köln

Deutschland im Allgemeinen und Köln im Besonderen stehen zurzeit voll im Zeichen von Computerspielen. Noch bis zum 23. August findet in den Messehallen direkt am Rhein die Gamescom statt. Es ist die größte und wichtigste Computerspielmesse Europas. Bis vor einem Jahr war Leipzig der Ort, an dem sich im Sommer Spieler aus aller Welt trafen. Doch Leipzig ist dem Bundesverband der Spielindustrie nicht mehr en Vogue genug. Unter neuem Namen - schließlich wollte die Messe Leipzig nicht die Bezeichnung "Games Convention" verlieren - ist nun Köln Schauplatz für die digitale Leistungsschau.

Noch bevor sich die Hallen für die normalen Besucher öffnen und einen Tag vor dem offiziellen Fachbesuchertag, präsentierte Sony Computer Entertainment in einer großen Abendveranstaltung die neuen Highlights der Saison. Im Vorwege gab es viele Spekulationen. Was würden die Japaner mitbringen? Eine neue mobile Spielkonsole, die Playstation Portable Go, gab es bereits Anfang des Jahres bei der E3 in Los Angeles zu sehen. Das E-Werk in Köln war gefüllt mit Gästen aus aller Welt. Sony hatte für die große Ankündigung eine große Halle gemietet. An der Wand in riesigen Lettern "Come & Play", überall das seit Jahren bekannte Playstation-Logo. Spannung liegt bei dieser bis ins Detail perfekt geplanten Veranstaltung in der Luft. Die einhellige Meinung: Sony wird nicht zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung der Gamescom einfach nur ein wenig neue Software vorstellen. Die Spekulationen geisterten bereits seit Wochen durchs Internet und reichten von einer PS3 Slim bis zu einer deutlichen Preissenkung der Spielkonsole.

Bevor die Menge einschläft, kommt Hirai auf die Bühne

Doch als Andrew House, Chef von Sony Computer Entertainment Europa die Bühne betritt und anfängt, über neue Spiele, Services und Farben zu sprechen, schwindet die Hoffung auf spektakuläre Nachrichten. Immer wieder erwähnt er, wie toll die E3 ist und dass man sich schon jetzt auf die in einem Monat beginnende Tokyo Games Show freuen darf. Und Köln? Sollte der Frühstart von Sony, zwei Tage vor der Eröffnung der europäischen Leitmesse, wirklich nur Farb- und Spielvariationen bieten? Kurz bevor die Menge einschläft, kommt Kazuo Hirai auf die Bühne. Hirai ist der Chef von Sony Computer Entertainment. Ihm obliegt es, wirkliche Neuheiten anzukündigen. Und tatsächlich zaubert er die PS3 Slim aus dem Hut. Die geschrumpfte Version der Playstation 3 soll alle Features der großen Schwester besitzen. Sie ist über 60 Prozent kleiner, hat 120 Gigabyte Speicher an Bord, verbraucht deutlich weniger Strom und ist in der ersten Septemberwoche für 299 Euro erhältlich. Sony hat auf die Kritiker gehört und den Preis und die Größe der Playstation reduziert.

Dass Sony sich Deutschland für die Präsentation der Miniatur-Playstation ausgesucht hat, ist kein Wunder. In keinem anderen europäischen Land werden mehr Spiele verkauft als zwischen Flensburg und den Alpen. Und je mehr Konsolen an den Mann - oder noch besser: die Frau - gebracht werden, desto mehr Games wandern über die Ladentheke.

Und doch: Es wurde Zeit, dass sich Sony um das Sorgenkind kümmerte, denn im Kampf um den Platz unterm Fernseher hat der ehemalige Klassenprimus deutlich an Boden verloren. Konkurrent Nintendo hat es geschafft, mit der Wii die Playstation als "DIE Konsole" vom Thron zu stoßen - und das, obwohl die Leistungsdaten der Wii eigentlich nicht sehr spektakulär sind. Nintendos Spielgerät punktet bei den Käufern mit einem so einfachen wie genialen Bedienkonzept: Die meisten Spiele werden mit einem speziellen Controller, der so genannten Wiimote, durch Bewegung gesteuert. Das Konzept ist äußerst erfolgreich: Nintendo verkauft weltweit mehr Konsolen, als Microsoft und Sony zusammen. Nicht einmal der Preis für die Wii musste bislang reduziert werden. In der Regel ist eine Preissenkung ein Erfolgsrezept, um mehr Geräte zu verkaufen. Microsoft nutzt dieses probate Mittel, verscherbelt derzeit die Xbox 360 - und hat damit Erfolg. Die Xbox 360 ist momentan die günstigste stationäre Spielkonsole der aktuellen Generation, zudem mit dem größten Sortiment an Spielen.

Man muss die Familie an die Bildschirme locken

Bis vor kurzer Zeit galt das Microsoft-Gerät als ideale Plattform für Hardcore-Gamer, also Spieler, die den Controller als Waffe oder Lenkrad nutzen, um stunden- oder rundenlang Gegner zu jagen. Doch auch der größte IT-Konzern der Welt hat gelernt, dass die einfache Formel gute Grafik gleich hohe Verkäufe nicht mehr genügt. Um gegen die Konkurrenz zu bestehen, genügen keine hohen Leistungsdaten. Man muss die Familie an die Bildschirme locken. So hat Microsoft Xbox Live, das ausgeklügelte Online-System mit integriertem Filmshop, etabliert, und hat mit einem neuen Betriebssystem auch putzige Avatare eingeführt - also virtuelle Abbilder der Spieler. Die Xbox will nun auch mit Niedlichkeit punkten. Auch auf die Zukunft der Xbox 360 gibt es einen Ausblick: Mit "Projekt Natal", einer leistungsstarken Kamera, soll auch bei der Microsoft-Konsole eine Handbewegung genügen, um Spiele zu steuern oder in virtuellen Shops einzukaufen.

Und Sony? Vielleicht liegt der bisherige Misserfolg der Playstation 3 am großen Erfolg des Vorgängers. Sony ging wie selbstverständlich von einem Kassenschlager aus. Schließlich spendierte man der Konsole leistungsstarke Hardware. Mit der eingebauten Festplatte und dem integrierten Blu-Ray-Laufwerk sollte die Playstation 3 als das Multimedia-Zentrum im Wohnzimmer etabliert werden. Allerdings war der Einführungspreis für viele Spieler eine zu große Hürde, sie griffen lieber zur deutlich günstigeren Wii. Und trotz des hohen Preises verkaufte Sony die Konsole lange Zeit unter den Herstellungskosten Mit jeder verkauften PS 3 verlor Sony Geld. Kunden konnten nicht von den vielen Vorteilen des Highend-Geräts überzeugt werden. Sie griffen sogar lieber zur Playstation 2, schließlich lässt sich auch damit wunderbar "Singstar" spielen. Gerade gab Amazon Deutschland bekannt, sechs Millionen Geräte verkauft zu haben. Weltweit wechselten fast 139 Millionen Geräte den Besitzer. Eine Zahl, von der die Playstation 3 in Deutschland noch weit entfernt ist, sie wurde seit der Markteinführung weltweit 24 Millionen Mal verkauft.

Playstation 3 bleibt die teuerste Konsole

Spieleproduzenten wie Activision forderten seit Monaten, dass Sony den Preis der Playstation 3 senken soll. Denn wenn für diese Spieleplattform interessante Games entwickelt werden sollen, braucht man eine weite Verbreitung. Ob die Senkung auf 299 Euro genügen wird, muss sich noch zeigen. Auch mit diesem Preis bleibt die Playstation 3 die teuerste Konsole der aktuellen Generation. Und: Die Presseveranstaltungen von Microsoft und Nintendo kommen noch, auch dort wird offen über Preissenkungen spekuliert.

Die Chancen, dass sich die PS3 nun tatsächlich als Medien-Zentrale im Wohnzimmer durchsetzt, stehen dennoch nicht so schlecht. Die Verkäufe von Spielfilmen auf Blu-Ray-Disc entwickeln sich besser als der Ausbau von Breitbandleitungen, über die man HD-Filme auch übers Web beziehen könnte. Zwar bietet Microsoft über Xbox Live Filme zum Download an, allerdings ist die Auswahl noch begrenzt und ersetzt nicht den Gang in die Videothek. Und auch hier hat Sony nachgebessert und bietet ab November ebenfalls Filme zum Download an. Und auch die angekündigten Exklusiv-Titel wie "Heavy Rain" oder "God of War 3" könnten sich als verkaufsfördernd entpuppen, also einen Effekt haben, wie "Halo" bei der Xbox 360.

Mit der neuen Version der Playstation 3 sind die Konsolenkarten fürs erste neu gemischt. Aber viel Zeit bleibt Sony nicht, um sich über neue Erfolge zu freuen, denn spätestens im kommenden Jahr wird auch Nintendo wieder eine neue Konsole ins Rennen schicken.

Wirkliche Neuigkeiten kommen wohl erst im kommenden Jahr: Dann wird beispielsweise Microsoft die Ganzkörpersteuerung mit dem Projektnamen Natal auf den Markt bringen. Die Fachwelt wartet gespannt: "Die Steuerung nur durch Gesten ist eine große Innovation", ist Prof. Jörg Müller-Lietzkow von der Uni Paderborn überzeugt. 2010 dürfte auch die Krise halbwegs überstanden sein - die Chancen stehen gut, dass dann auch die Spielebranche ihren Schnupfen überwunden hat.