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Schwedischer Fernsehbericht Ikea soll DDR-Zwangsarbeiter beschäftigt haben


Hat Ikea in den 70er und 80er Jahren Möbel mit Hilfe von politischen DDR-Häftlingen bauen lassen? Eine schwedische Fernsehsendung will Belege liefern. Der Möbelkonzern verweist auf die eigenen Nachforschungen zu dem Thema.

Der Möbelkonzern Ikea gerät auch in Schweden wegen des Vorwurfs der Beschäftigung von DDR-Zwangsarbeitern unter Druck. Der Fernsehsender SVT kündigte für Mittwoch eine Dokumentation an, die sich mit der Produktion von Möbeln in DDR-Gefängnissen beschäftigt, in denen auch politische Häftlinge einsaßen. Die Stasi-Unterlagenbehörde (BStU) in Berlin erklärte, an Ikea Unterlagen aufgrund eines Forschungsantrages herausgegeben zu haben.

Nähere Angaben zur Beschäftigung politischer Häftlinge in der Möbelproduktion machte der Fernsehsender vorab nicht. Laut der Internetseite von SVT fand ein Reporter der Sendung "Uppdrag Granskning" Belege für die Zwangsarbeit in den 70er und 80er Jahren in Stasi-Unterlagen.

Eine Ikea-Vertreterin hatte der schwedischen Nachrichtenagentur TT am Samstag gesagt, das Unternehmen prüfe die Vorwürfe. "Wir haben Dokumente aus alten Stasi-Archiven angefordert und sprechen mit Leuten, die damals bei uns waren", sagte sie. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass Ikea Häftlinge als Arbeiter angefordert oder davon gewusst habe. Eine BStU-Sprecherin bestätigte am Montag in Berlin, "erste Unterlagen" aufgrund eines Forschungsantrages an Ikea herausgegeben zu haben. Demnach solle die "Zusammenarbeit mit DDR-Betrieben und die mögliche Ausnutzung von Häftlingen, wie es sich in den Stasi-Unterlagen darstellt", untersucht werden.

65 Produktionsstätten in der DDR

Der WDR hatte in seiner Sendung "Markencheck" bereits im vergangenen Sommer berichtet, dass Ikea schon in den 70er Jahren Möbel in der DDR produzieren ließ. Dies belegten Stasi-Unterlagen aus dem ehemaligen VEB Sitzmöbelwerk Waldheim, wo zu Beginn der 80er Jahre zahlreiche Strafgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Zitiert wurde auch ein als politischer Häftling anerkannter Mann, der Scharniere und Beschläge für Ikea herstellte.

Der WDR berichtete damals unter Berufung auf die Stasi-Unterlagen, es habe mindestens 65 Produktionsstätten in der DDR gegeben. Den Unterlagen eines Stasi-Spitzels zufolge habe Ikea-Gründer Ingvar Kamprad "eine offizielle Erklärung abgegeben, dass er von einer solchen Produktion keine Kenntnis hatte, die aber, wenn es sie gibt, nach Ansicht von Ikea durchaus im gesellschaftlichen Interesse läge".

Produktion in Myanmar und Weißrussland

Nach dem Ende der DDR wurde es Ikea laut WDR im Osten Deutschlands zu teuer. Wenige Jahre später habe das Unternehmen neue Produktionsmöglichkeiten in Nordkorea gesucht. Daraus sei nichts geworden, allerdings habe Ikea lange in Birma produziert, später dann in Weißrussland. Das 1943 in Schweden gegründete Familienunternehmen ist der weltgrößte Möbelhersteller und mit knapp 300 Filialen in fast 30 Ländern vertreten. Im vergangenen Jahr machte Ikea einen Umsatz von rund 25 Milliarden Euro. Das Unternehmen sorgt bisweilen für Negativ-Schlagzeilen. So räumte Ikea Frankreich kürzlich nach dem Vorwurf der Bespitzelung von Mitarbeitern und Kunden schwere Fehler ein und kündigte Konsequenzen in seiner Personalführung an.

Kamprad selbst hatte in den 1990er Jahren zugegeben, während des Zweiten Weltkriegs einer faschistischen Jugendbewegung in Schweden angehört zu haben. Obwohl er das als "größten Fehler" seines Lebens bezeichnete, äußerte er auch danach noch Sympathie für die schwedischen Faschisten. Berichte über massive Steuerhinterziehung wies Kamprad immer wieder zurück. Er soll das Unternehmen über eine Stiftung in Liechtenstein kontrollieren. Kamprad lebt seit 1976 in der Schweiz.

swd/AFP AFP

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