HOME

Siemens-Kurssprung: Börse belohnt Pierer-Rücktritt

Die Börse feiert den Rücktritt von Siemens-Aufsichtstatschef von Pierer: Die Aktie stieg am Vormittag um 3,75 Prozent. Auch Aktionärsschützer begrüßten den Rücktritt - nicht ohne darauf hinzuweisen, dass von Pierer früher hätte gehen sollen.

Die Börse hat mit einem deutlichen Kursanstieg auf den Rücktritt von Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer reagiert. Das Siemens-Papier war mit einem Plus von 3,75 Prozent Freitag Vormittag der mit Abstand größte Gewinner im Dax. Aktionärsschützer bezeichneten die Ankündigung von Pierers, sein Amt am 25. April zur Verfügung zu stellen, als konsequent. Allerdings hätte der Manager schon früher erkennen können, dass er als ehemaliger Vorstandschef des Konzerns an der Aufklärung der Affären nicht mitarbeiten könne, meinte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Er war in wichtigen Fragen nicht mehr handlungsfähig, insofern ist der Rücktritt nur konsequent", sagte Kurz. "Pierer zieht Konsequenzen, bevor das Ansehen seiner Person und Siemens weiter beschädigt werden."

Die geplante Berufung des ThyssenKrupp-Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme an die Spitze des Siemens-Kontrollgremiums nannte Kurz folgerichtig. Cromme sei als Chef des Prüfungsausschusses praktisch ein "natürlicher Nachfolger". Mit dem Rücktritt wolle Pierer das Unternehmen Siemens "wieder aus den Schlagzeilen und in ruhigeres Fahrwasser bringen", erklärte Pierer in der Nacht zum Freitag in einer Pressemitteilung. Mit einer persönlichen Verantwortung in den Affären habe das nichts zu tun.

Rücktritt im Interesse der Mitarbeiter

Alleiniger Anlass und Beweggrund für seine Entscheidung sei das Interesse von Siemens und seiner mehr als 400.000 Mitarbeiter. "Eine persönliche Verantwortlichkeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen war nicht Grundlage meiner Entscheidung", betonte der 66-Jährige.

Vorstandschef Klaus Kleinfeld äußerte Respekt und Dankbarkeit. Das System schwarzer Kassen und die Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB, wegen denen Staatsanwälte ermitteln und mehrerer hohe Siemens-Manager verhaftet wurden, fiel in Pierers Zeit als Siemens-Chef von 1992 bis 2005. Obwohl er als Aufsichtsratschef eine umfangreiche externe Aufklärung einleitete, war in den vergangenen Wochen öffentlich und intern sein Rückzug als Chefkontrolleur gefordert worden.

IG Metall sieht Mitverantwortung

Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer nannte Pierers Rücktritt überfällig. "Ich bin sehr froh, dass Herr von Pierer hier persönlich die Konsequenz gezogen hat", sagte er dem Hessischen Rundfunk. Es gehe um moralische Verantwortung. Pierers Beteuerungen, er habe von den Schmiergeldern nichts gewusst, "glaubt vielleicht jemand, der sich bei Siemens nicht auskennt - ich glaube es nicht", sagte der Gewerkschafter.

Kleinfeld sagte, er verbinde mit Pierer "immer Rechtschaffenheit und Vorbildlichkeit". Siemens sei ihm zu tiefstem Dank verpflichtet. Cromme sprach Pierer höchste Anerkennung dafür aus, "dass er die Interessen des Unternehmens, seiner Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter über seine persönlichen stellt". Er habe dazu beigetragen, Siemens zu einem weltweit führenden Technologiekonzern zu machen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte als stellvertretender Siemens-Aufsichtsratschef, er bedaure Pierers Rücktritt.

AP/Reuters / AP / Reuters