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Siemens-Schmiergeldaffäre: Skandal überschattet glänzende Bilanz

Mit einer glänzenden Bilanz könnte Siemens prahlen - wäre da nicht die Schmiergeldaffäre, die mit jetzt bekannt gewordenen Zahlungen in Milliardenhöhe neue Dimensionen erreicht hat. Der Konzern kündigt an, künftig auf Transparenz und "höchstes ethisches Niveau" zu achten.

Eine dramatische Ausweitung des Siemens-Schmiergeldskandals überschattet die sonst erfolgreiche Jahresbilanz des Münchner Elektrokonzerns. Die Höhe der inzwischen von Konzern-Ermittlern entdeckten dubiosen Zahlungen verdreifachte sich fast von 449 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro, wie Siemens mitteilte. Der neue Konzernchef Peter Löscher kündigte ein kompromissloses Vorgehen zur Aufklärung und Ahndung des Skandals an. Trotz der Belastungen durch die Affäre präsentierte Löscher eine überraschend positive Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Der Konzernumsatz stieg im vergangenen Jahr um neun Prozent auf über 72 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn nach Steuern kletterte sogar um 21 Prozent auf 4,038 Milliarden Euro. Ohne eine Steuervorauszahlung in Höhe von rund einer Milliarde Euro auf die noch nicht in der Bilanz enthaltenen 11 Milliarden Einnahmen aus dem VDO-Verkauf wäre der Gewinn noch deutlich höher ausgefallen. Der Schmiergeldskandal verursachte Siemens Kosten von weit über einer Milliarde Euro: Nachdem der Konzern bereits im Geschäftsjahr zuvor 417 Millionen Euro an Steuern nachzahlen musste, fielen wegen neu entdeckter zweifelhafter Buchungenen weitere rund 340 Millionen Euro Nachzahlung an. Im Oktober musste der Konzern zudem eine Geldbuße in Höhe von 201 Millionen Euro wegen schwarzer Kassen bezahlen. Außerdem fielen allein im abgelaufenen Geschäftsjahr 347 Millionen Euro Kosten für von Siemens in der Affäre beauftragte externe Ermittler und Berater an. Löscher kündigte an, das Vorgehen gegen unsaubere Methoden noch einmal zu verschärfen.

Künftig werde Siemens jedes Jahr bekanntgeben, wie viele Mitglieder wegen Verstößen gegen interne Richtlinien abgemahnt oder entlassen würden. Im vergangenen Jahr habe sich Siemens sich von über 150 Mitarbeitern getrennt, über 300 seien abgemahnt oder verwarnt worden. Bei 14 Prozent aller Fälle seien Korruption oder Verstöße gegen das Kartellrecht nachgewiesen worden, bei einem Viertel Untreue oder Betrug. Der Rest habe gegen interne Richtlinien verstoßen. Siemens wolle künftig Leistung "auf höchstem ethischen Niveau" bringen, betonte der neue Siemens-Chef. Dies müsse "eine tragende Säule unserer Führungskultur und integraler Bestandteil sämtlicher Geschäftsprozesse sein", sagte er und versprach für die Zukunft "keine Grauzone und keine Kompromisse". Nach Angaben des Konzerns wurden nach den bekannten 449 Millionen Euro dubioser Zahlungen in der Kommunikationssparte in anderen Sparten weitere 857 Millionen Euro entdeckt, die in den Jahren 2000 bis 2006 als zweifelhafte Zahlungen eingestuft wurden. Davon seien in Deutschland 599 Millionen, im Ausland 258 Millionen Euro angefallen. Finanzvorstand Joe Kaeser wollte auf Nachfrage nicht sagen, welche Sparten betroffen seien.

Löscher hebt Rendite-Ziele an

Für das laufende Geschäftsjahr kündigte Löscher an, die Rendite-Ziele für alle Siemens-Sparten im Schnitt um 1 bis 2 Prozentpunkte zu erhöhen. Im vierten Siemens-Geschäftsquartal von Juli bis September hätten alle Sparten ihre Renditeziele erreicht und die in Summe die höchsten Betriebsergebnisse der Konzerngeschichte erwirtschaftet. Die Börse reagierte mit einem Kursplus von zeitweise über 5 Prozent positiv auf Löschers erste Bilanz. Positiv dürfte sich dabei auch die Ankündigung von Siemens ausgewirkt haben, bis zu 10 Milliarden Euro aus dem Erlös des VDO-Verkaufs für einen Aktien-Rückkauf zu verwenden und damit den Wert der verbleibenden Anteile zu steigern.

DPA / DPA
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