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Smart: "Der Viersitzer hatte keine Zukunft"

DaimlerChrysler wird seinen erfolglosen viersitzigen Smart forfour nicht weiter bauen. Mit der Entscheidung ist ein Abbau von Arbeitsplätzen verbunden.

DaimlerChrysler will sich von seinem Smart-Viersitzers forfour trennen und damit die Milliardenverluste bei der Kleinwagensparte stoppen. Rund 300 Stellen am Standort Böblingen sollen dem Strategiewechsel zum Opfer fallen. Der Stuttgarter Autobauer kündigte im Gegenzug an, den Zweisitzer Smart fortwo vollständig in die Mercedes-Organisation zu integrieren. Das Modell soll fester Bestandteil des Produktportfolios von DaimlerChrysler werden.

Die Kosten für den Schritt bezifferte der Autokonzern auf rund eine Milliarde Euro. Mit den Maßnahmen komme das Unternehmen dem Ziel einen großen Schritt näher, die defizitäre Kleinwagenmarke 2007 erstmals in die schwarzen Zahlen zu bringen. Vorstand und Aufsichtsrat müssen den Plänen noch zustimmen. Das Auto wird gemeinsam mit Mitsubishi in den Niederlanden gebaut.

Ab in die USA

Der Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer nannte die Entscheidung von Konzernchef Dieter Zetsche zwar überraschend, aber konsequent. "Der Viersitzer hatte keine Zukunft", sagte er der DPA. Die Integration in die Mercedes Car Group sei richtig, denn sie passe von der Kosten- wie auch der Händlerseite. "Dadurch wird auch vieles vereinfacht", meinte der Wissenschaftler von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Die Einführung des neuen Zweisitzer-Modells in den USA sei nun unabdingbar, sonst komme smart nicht auf die notwendigen Stückzahlen. Nach bisherigen Plänen soll das Auto 2007 auf den US- Markt kommen.

DaimlerChrysler hatte im Frühjahr 2005 smart ein 1,1 Milliarden Euro teures Sanierungsprogramm verordnet, um die hohen Verluste auszugleichen. Jede dritte Stelle wurde abgebaut, wichtige Funktionen wie der Vertrieb stärker in die Mercedes-Gruppe integriert. Erst im Februar hatte Smart den angekündigten Abbau von 600 der 1350 Stellen als nahezu vollzogen gemeldet. Nach den neuen Stellenstreichungen würde es noch 450 Stellen bei der 1998 eingeführten Marke geben.

Starker Rückgang des Absatzes

2005 verkaufte smart weltweit 143.000 Fahrzeuge. Im Februar war der Absatz der Kleinwagenmarke um 25,9 Prozent auf 7700 Fahrzeuge zurückgegangen. Kurz vor der Hauptversammlung von DaimlerChrysler am 12. April in Berlin hatte es bereits harte Kritik an der smart-Sanierung gegeben. Ein Aktionär hatte juristisch durchgesetzt, dass zwei Anträge auf Sonderprüfungen der Smart-Geschäfte auf die Tagesordnung der Hauptversammlung genommen werden und darüber abgestimmt wird.

In den vergangenen Monaten waren immer wieder Interessenten für die Kleinwagenmarke ins Spiel gebracht worden. Der Stuttgarter Autokonzern hatte Berater von Goldman-Sachs beauftragt, Angebote dafür zu prüfen. Die Produktion des Smart-Roadsters war mangels Nachfrage bereits im Vorjahr gestoppt worden.

DPA / DPA