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Software-Riese: Microsoft streicht erstmals Jobs

Der Gewinn bricht weg, die Stellen auch: Weil die Wirtschaftskrise dem weltgrößten Softwarekonzern schwer zusetzt, streicht Microsoft bis zu 5000 Arbeitsplätze weltweit. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Unternehmens, dass konzernweit Mitarbeiter gehen müssen. Auch beim Chiphersteller Intel sieht die Lage nicht viel besser aus.

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft streicht angesichts der Wirtschaftskrise erstmals in seiner Geschichte weltweit bis zu 5000 Arbeitsplätze. Das sind etwa fünf Prozent aller Stellen. Der schwächelnde Computermarkt bescherte dem Windows- Hersteller im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch von elf Prozent auf 4,17 Milliarden Dollar.

Wegen der unsicheren Aussichten kassierte Microsoft zudem seine Gewinnprognose ein und will vorerst keinen detaillierten Ausblick mehr wagen. Gewinn und Umsatz würden aber in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres (30.6.) so gut wie sicher niedriger ausfallen als ein Jahr zuvor, warnte Finanzchef Chris Liddell am Donnerstag in einer Mitteilung des Konzerns.

Der Software-Riese gilt wegen seiner fast überall eingesetzten Programme als Gradmesser für die gesamte IT-Branche und weit darüber hinaus. "Die Wirtschaft und die IT-Ausgaben schwächten sich im Laufe des Quartals noch stärker ab als von uns erwartet", sagte Liddell.

Die Zahlen fielen schlechter aus als von Analysten zuvor geschätzt. Die Microsoft-Aktie verlor zum Handelsstart in New York rund sieben Prozent auf etwa 18 Dollar. Microsoft hatte seine Zahlen ursprünglich erst nach US-Börsenschluss in der Nacht zum Freitag bekanntgeben wollen. Microsoft-Chef Steve Ballmer räumte ein, der Konzern sei nicht immun gegen die Konjunkturtalfahrt. Microsoft werde aber aus der Krise als noch stärkerer Branchenführer hervorgehen.

Die ersten 1400 Stellen sollten noch am Donnerstag wegfallen. Die restlichen Jobs würden im Laufe der nächsten eineinhalb Jahre in nahezu allen Bereichen gestrichen. Zuletzt beschäftigte Microsoft mehr als 90.000 Mitarbeiter. Bisher hatte das 1975 gegründete Unternehmen nur im Rahmen von Übernahmen oder in einzelnen Einheiten Stellen in kleinerem Umfang gestrichen. Microsoft kündigte zudem weitere Kosteneinsparungen auf breiter Front an. Insgesamt will das Unternehmen so rund 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr sparen.

In dem Ende Dezember abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal wuchs der Konzernumsatz lediglich um zwei Prozent auf 16,63 Milliarden Dollar. Im Kernbereich mit dem Betriebssystem Windows sanken die Erlöse als Folge des schwachen PC-Marktes um acht Prozent. Durch gute Verkäufe von Softwarelizenzen für Unternehmen stiegen die Umsätze dagegen im Server-Bereich. Die Erlöse der Entertainment- Sparte mit der Spielekonsole Xbox legten leicht zu.

Auch beim weltgrößten Chiphersteller Intel sieht die Lage nicht viel besser aus. Das Unternehmen streicht nach einem Gewinneinbruch weltweit 5000 bis 6000 Stellen. Angesichts der Schwäche des Computermarktes will das Unternehmen die Produktion in insgesamt fünf Fabriken stoppen. Vergangene Woche hatte Intel einen deutlichen Umsatzrückgang und einen Gewinneinbruch um 90 Prozent vermeldet.

Neben drei Fertigungsanlagen in Malaysia und auf den Philippinen soll die Produktion von 200-Millimeter-Wafern in Hillsboro (Oregon) sowie die Herstellung am Firmenstandort Santa Clara eingestellt werden, teilte das Unternehmen am Mittwoch (Ortszeit) mit. Von der Schließung werden voraussichtlich bis zu 6000 Mitarbeiter betroffen sein, nicht alle von ihnen würden jedoch das Unternehmen verlassen, hieß es.

Intel werde im laufenden Quartal um die Profitabilität kämpfen müssen, teilte Unternehmens-Chef Paul Otellini der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge den Mitarbeitern mit. Die Umstrukturierung solle bis Ende 2009 abgeschlossen werden. Die Schließungen der Fabriken werden den Umstieg auf neue, effizientere Herstellungsverfahren nicht beeinträchtigen, sagte Otellini. Trotz der spürbaren Auswirkungen angesichts der konjunkturellen Situation setzt der Konzern weiter auf die Forschung und Entwicklung neuer Technologien und Fertigungs-Verfahren.

Der Chip-Riese hat die Konjunkturtalfahrt zum Jahresende voll zu spüren bekommen. Der Gewinn brach im Schlussquartal auch belastet von Abschreibungen für Investitionen in den Wimax-Spezialisten Clearwire um 90 Prozent auf 234 Millionen Dollar ein. Der Umsatz fiel um fast ein Viertel auf 8,2 Milliarden Dollar. Intel gilt als wichtiger Indikator für die gesamte Technologiebranche. Der US-Konkurrent AMD legt seine neuesten Zahlen an diesem Donnerstagabend vor.

DPA / DPA