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Experten-Studie: Sonnenfinsternis wird zum Härtetest für Energiewende

Am Freitagvormittag kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Über Deutschland werden bis zu 82 Prozent der Sonnenfläche bedeckt sein - es könnte ein echter Stresstest für die Energiewende werden.

Im Jahr 2006 konnte man in der Türkei eine totale Sonnenfinsternis beobachten

Im Jahr 2006 konnte man in der Türkei eine totale Sonnenfinsternis beobachten

Experten sehen die Teil-Sonnenfinsternis am Freitag als wichtigen Test für künftige Herausforderungen der Energiewende. "Wenn das heutige, vergleichsweise inflexible Stromsystem die Sonnenfinsternis meistert, dann wird das Stromsystem des Jahres 2030 mit vergleichbaren Situationen spielend umgehen", erklärte der Direktor des Instituts Agora Energiewende, Patrick Graichen, am Dienstag in Berlin; denn im Rahmen der Energiewende müsse das Stromsystem ohnehin deutlich flexibler werden.

Hintergrund ist, dass bei wolkenlosem Himmel durch die partielle Sonnenfinsternis nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik am Freitagvormittag in Deutschland zunächst ein kurzfristiger Leistungsabfall bei Solarenergie erfolgen wird. Kurz danach gibt es wegen des dann höheren Sonnenstandes einen noch steilerer Anstieg. Die Schwankungsbreite wird dabei jeweils innerhalb einer Stunde auf um die 15 Gigawatt geschätzt.

Bei starker Bewölkung bleiben Folgen gering

Sollte der Himmel allerdings bewölkt sein, bleibt der Einfluss der Verfinsterung auf die Stromnetze gering. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach rechnet für Freitag im Süden und Osten Deutschlands mit überwiegend recht sonnigem Wetter, wie ein Meteorologe am Dienstag sagte. Im Westen und Nordwesten dagegen wird der Himmel demnach bewölkt sein.

Laut Agora Energiewende würden sich Netzschwankungen durch die Sonnenfinsternis bewältigen lassen, weil sich die Betreiber bereits frühzeitig mit Reserven zum Ausbalancieren eingedeckt haben. Viele flexible Erzeugungsanlagen müssen dann die Ausschläge beim Solarstrom ausgleichen. Dies sei genau die Situation, die künftig, wenn der Strombedarf zur Hälfte oder darüber hinaus durch erneuerbare Energien abgedeckt wird, der Regelfall sein werde, teilte das Institut mit.

Es geht um das "Flexibilitätsproblem"

"Im Grunde zeigt die Sonnenfinsternis, welche Aufgaben wir bei der Energiewende noch bewältigen müssen", erklärte auch die Geschäftsführerin des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), Barbara Minderjahn in Berlin. In beiden Fällen gehe es nicht um Kapazitätsengpässe, "sondern um ein Flexibilitätsproblem". Ein eigener Kapazitätsmarkt, wie ihn Stromkonzerne fordern, sei daher mit Blick auf die Energiewende keine Lösung.

Verteilnetzbetreiber sollten aber beispielsweise Zugriff auf die Erzeugung aus kleineren PV-Anlagen bekommen - im Fall der Sonnenfinsternis, um diese bereits vorbeugend vom Netz nehmen zu können, forderte der VIK. Positiv beurteilte der Verband das frühzeitige vorbeugende Handeln der beteiligten Unternehmen vor dem astronomischen Ereignis.

Die partielle Sonnenfinsternis, bei der am Himmel über Deutschland bis zu 82 Prozent der Sonnenfläche durch den Mond abgedeckt werden, dauert am Freitag von etwa 9.30 bis 12.00 Uhr.

tis/AFP / AFP