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Sparkurs: Henkel streicht 1000 Stellen

Trotz des Rekordgewinns im vergangenen Jahr will der Henkel-Konzern in Deutschland tausend Stellen einsparen, notfalls auch über betriebsbedingte Kündigungen. Zudem arbeitet der Konsumgüterhersteller offenbar an Plänen für einen weiteren Konzernumbau.

Der mit hohen Rohstoffpreisen und hartem Wettbewerb kämpfende Konsumgüterkonzern Henkel will bis 2011 in Deutschland etwa tausend Stellen abbauen. "Betriebsbedingte Kündigungen können wir nicht ausschließen", sagte ein Sprecher. Zudem erwäge der Vorstand die Zusammenlegung der Waschmittel- und Kosmetiksparte, um die Schlagkraft zu erhöhen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

"Um die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens zu sichern, sind wir gezwungen, uns heute anzupassen", erklärte der neue Henkel-Chef Kasper Rorsted. Der Stellenabbau in der Bundesrepublik ist Teil eines im Februar vorgelegten Programms, mit dem der Hersteller von "Pritt" und "Persil" trotz eines Rekordgewinns im Jahr 2007 seine Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern will. Weltweit sollen insgesamt rund 3000 der 53.000 Stellen im Konzern bis 2011 gestrichen werden. Diese Zahl gelte weiter.

Über die regionale Verteilung des Stellenabbaus hatte sich der Konzern bislang ausgeschwiegen. Wo die 2000 Stellen außerhalb Deutschlands wegfallen sollen, ließ Henkel weiter offen. Henkel will mit seinem Umbauprogramm ab 2011 rund 150 Millionen Euro im Jahr einsparen. Erste Früchte soll das Programm im kommenden Jahr tragen.

Kampf gegen steigende Rohstoffkosten

Ein Kernpunkt des Umbauprogramms in Deutschland ist die Verlagerung der Produktion von Flüssigwaschmitteln aus dem Standort Genthin in Sachsen-Anhalt. Die Fertigungs- und Transportkosten seien dort nicht mehr wettbewerbsfähig, teilte Henkel mit. Die Produktion solle künftig am Henkel-Stammsitz in Düsseldorf konzentriert werden. Dafür will Henkel in Düsseldorf rund 14 Millionen Euro investieren. Derzeit arbeiteten rund 240 Henkel-Mitarbeiter am Standort Genthin. Teile der Fertigung sollen dort an externe Unternehmen verkauft werden. 50 Mitarbeiter könnten so vor Ort weiterbeschäftigt werden. Henkel prüfe auch die Möglichkeit, Mitarbeiter aus Genthin an anderen Standorten in Deutschland einzusetzen.

Der Vorstand unter Rorsted erwägt Kreisen zufolge zudem einen weiteren Konzernumbau. Der Vorstand prüfe, die Waschmittel- und die Kosmetiksparten zusammenzulegen, hieß es. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen. Henkel kämpft bei Waschmitteln mit steigenden Rohstoffkosten, die nur schwer an den Handel weitergegeben werden können, da die großen Handelsketten selbst im erbitterten Preiskampf stehen. Umsatz und operatives Ergebnis der Waschmittel-Sparte waren im ersten Quartal zurückgegangen, das Geschäft mit Kosmetik und Körperpflege hatte dagegen stark zugelegt. Henkel hatte schon im Juni die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten neu geordnet.

Im Februar 2007 hatte der damalige Henkel-Chef Ulrich Lehner das Klebstoff- und Technologiegeschäft zu einer Sparte verschmolzen, um Märkte einheitlich bearbeiten zu können. Die Sparte hatte im ersten Quartal deutlich mehr verdient als noch vor Jahresfrist. Im gesamten Konzern war der operative Gewinn (Ebit) von Januar bis März wegen der steigenden Rohstoffpreise und des schwachen Dollar leicht auf 320 Millionen Euro zurückgegangen.

Reuters / Reuters