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Kosmetik: Wella wechselt den Besitzer

Der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble (P&G) will für insgesamt 6,5 Milliarden Euro den Darmstädter Haarpflege- und Kosmetikkonzern Wella kaufen.

In einem ersten Schritt erwarb P&G von den Wella-Familienaktionären für 92,25 Euro je Papier oder insgesamt rund 3,2 Milliarden Euro knapp 78 Prozent der Stammaktien beziehungsweise 50,7 Prozent am Grundkapital, wie beide Firmen am Dienstag mitteilten. Zugleich legte P&G den außenstehenden Aktionären ein Übernahmeangebot für ihre Anteile vor.

Schon länger Spekulationen

Über den Einstieg von P&G wurde seit langem spekuliert, der Mehrheitserwerb zu diesem Zeitpunkt kam aber überraschend. Auch das Wella-Management wurde offensichtlich überrumpelt: Der Vorstand sei "soeben" von den Familienaktionären unterrichtet worden, hieß es in der Pflichtveröffentlichung. Später bezeichnete der Vorstand die Transaktion als nicht notwendig.

Aktienkurs legte 20 Prozent zu

Der Aktienkurs der Wella-Stämme schoss zur Handelsbeginn 20 Prozent auf 90,15 Euro in die Höhe und näherte sich damit dem von P&G gebotenen 92,25 Euro. Die Vorzüge, für die P&G 61,50 Euro in bar oder aber eigene Aktien bietet, tendierten 1,6 Prozent fester auf 62,30 Euro. Die Aktien von P&G notierten im Frankfurter Handel nahezu unverändert. "Procter & Gamble zahlt einen enormen Preis für Wella. Das ist gut für die Wella-Aktionäre", kommentierte ein Frankfurter Händler.

Auch Henkel profitierte

Gewinner der Kaufofferte waren mit einem Aufschlag von zehn Prozent auch die Aktien der Henkel KGaA, die jüngst knapp 6,7 Prozent am Grundkapital der Wella AG erworben hatte und ihr Paket nun mit einem satten Gewinn an P&G verkaufen kann. Auch der Düsseldorfer Waschmittel- und Konsumgüterkonzern hatte ein Auge auf Wella geworfen. Die Preisvorstellungen von Henkel dürften aber unter der Offerte von P&G gelegen haben. P&G sticht auch den Erzrivalen Unilever sowie die französische L'Oreal aus, die in Europa als Nummer Eins auf dem Haarpflegemarkt vor Wella gilt.

Einstieg von Beiersdorf vom Tisch

In Industriekreisen hieß es, dass der in der Branche ebenso zuletzt diskutierte Einstieg von P&G bei Beiersdorf mit der Übernahme von Wella nun vom Tisch sein dürfte. Die Beiersdorf-Aktie verlor gegen den festen Markttrend rund 2,5 Prozent auf 98,95 Euro. "Für Beiersdorf ist das Ganze schlecht, da Beiersdorf auch als Übernahmeziel für P&G gehandelt wurde. Mit der Wella-Übernahme ist Beiersdorf jetzt aber aus dem Rennen", sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank.

Insgesamt kostet es P&G 6,5 Mrd. Euro

Die Offerte für die Stamm- und Vorzugsaktien der Wella AG beläuft sich nach Angaben von P&G auf insgesamt 5,4 Milliarden Euro. Hinzu kämen Nettoverbindlichkeiten der Darmstädter in Höhe von 1,1 Milliarden Euro, womit die Übernahme einen Wert von 6,5 Milliarden Euro habe, hieß es. P&G verspreche sich Synergieeffekte von mindestens 300 Millionen Euro nach den ersten drei Jahren.

Gute Produktergänzung

Von Pampers-Windeln bis Punica-Fruchtsäfte bietet P&G eine ganze Palette bekannter Konsumgüterartikel an. Wella hat sich neben dem Verkauf von Haar- und Körperpflegeprodukten gleichen Markennamens auf die professionelle Belieferung von Friseuren spezialisiert. "Wella ist ein führendes Kosmetik- und Haarpflege-Unternehmen mit starken Markennamen, exzellentem Management und Organisation und einer großen Erfahrung im Schönheitsgeschäft", sagte P&G-Chairman A.G. Lafley.

Wella bisher Nummer Zwei

Knapp 78 Prozent der stimmberechtigten Wella-Stammaktien lagen bisher in den Händen der Nachfahren von Firmen-Gründer Franz Ströher. Bisher war unklar, ob die vier Familien, auf die sich das Paket im wesentlichen konzentriert, verkaufen wollen. Der 1880 gegründete Wella-Konzern gilt mit einem Jahresumsatz von rund 3,4 Milliarden Euro als Nummer Zwei in Europa. P&G setzt jährlich mehr als 40 Milliarden Dollar um.

Vorstand war enttäuscht

Der Vorstand der Wella äußerte sich über den Einstieg des US-Konzerns indes nicht unbedingt positiv. "Aus der Sicht des Unternehmens ist die bekannt gegebene Transaktion kein notwendiger Schritt", hieß es in einer separaten Mittelung kurz nach Bekanntgabe des Anteilserwerbs durch P&G. Wella habe klar definierte Wachstumsziele bis 2005 und sei weiter überzeugt, die zu Grunde liegende Strategie wie bisher aus eigenen Kräften umsetzen und sich eigenständig weiterentwickeln zu können. "Der Vorstand der Wella AG respektiert die Entscheidung der Aktionäre der Gründerfamilie, weist aber darauf hin, dass die Frage eines Verkaufs außerhalb seines Einflussbereichs liegt", hieß es. Der Vertragsabschluss bedeute nicht, dass P&G bereits die Stimmrechtsmehrheit an Wella erworben habe. Der Erwerb sei erst dann gültig, wenn die kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen. "Bis dahin wird es keine wesentlichen Änderungen im Geschäftsbetrieb der Wella AG geben."