Spielwarenmesse Iglus für die Warmwetterzone


In Nürnberg geht die Spielwarenmesse zuende. Mehrere tausend Unternehmen zeigten ihre Ideen für neue Spielzeuge. stern.de hat sich umgeschaut und nicht nur Neues, sondern auch Skurriles entdeckt.
Von Thomas Krause, Nürnberg

In Halle 7A findet eine Panzerschlacht statt. Ein Panzer in Tarnfarben und einer mit Wüsten-Lackierung umkreisen einander in kurzer Distanz und lassen es krachen. Mal sind einzelne Schüsse zu hören, mal Dauerfeuer aus Maschinengewehren. Die Umstehenden grinsen und scheinen fast genauso viel Spaß zu haben wie die beiden groß gewachsenen Asiaten in Nadelstreifenanzügen, die mit Fernsteuerungen in den Händen die Miniatur-Panzerschlacht steuern.

Überall in den Hallen des Nürnberger Messegeländes spielen sich solche Szenen ab. Männer in Anzügen und Frauen in Kostümen probieren ferngesteuerte Hubschrauber und andere Spielgeräte aus, für die sie eigentlich zu alt sein dürften. Besonders Modelleisenbahnen und Autorennstrecken erfreuen sich größter Beliebtheit. Insgesamt 2767 Firmen aus 60 Ländern stellen hier ihre Produkte aus. Nach Deutschland ist China mit 298 Ausstellern am stärksten vertreten. 80.300 Fachbesucher aus 120 Nationen haben sich in Nürnberg über Neuheiten informiert und Geschäftskontakte geknüpft. Der internationale Anteil der Besucher stieg damit erstmals auf über 50 Prozent. Und es waren nicht nur die klassischen Spielzeuge, die ihre Interessenten auf der Spielwarenmesse fanden.

Bunte Hantelbänke für Dreijährige

So stehen in Halle 8 stehen Hantelbänke, Stepper und Laufbänder in Reih und Glied. Die Fitnessgeräte sind blau, gelb oder rot lackiert und deutlich kleiner als die, die sich bisher in den Fitnessstudios der Republik wieder finden: Denn die koreanische Herstellerfirma Kidswell hat die Fitness der Drei- bis Achtjährigen im Blick. "Damit die Kinder nicht den Spaß am Training verlieren, haben wir unsere Geräte mit einem kleinen Computerspiel kombiniert", sagt Vivian Yoon und deutete auf einen vor dem Stepper aufgebauten Monitor. So springt mit jedem Schritt der trainierenden Kleinen auf dem Monitor ein Delfin aus einem virtuellen Meer. Diese Motivationshilfe scheint nicht nur für Kinder geeignet, sie funktioniert auch bei einem fast zwei Meter großen Kollege Yoons. Er präsentiert den Stepper am liebsten. Dass der Monitor dabei nur knapp oberhalb seiner Knie steht, scheint ihn dabei nicht zu stören.

Wenige Meter weiter kurvt Rens Thobokholt zwischen den Messebesuchern über den Gang. Der junge Niederländer mit den dunkelblonden Locken und dem rose farbenen Hemd trägt zwei durchsichtige Rollen mit blitzenden Lichtern an jedem Schuh. Er fährt auf "Pliws", einer Entwicklung der Firma Q-Int aus Utrecht: Inlineskate- Rollen sitzen seitlich an einer Mittelplatte, die mit Gurten an der Ferse befestigt werden können. "Sie sind handlich und können überall mit hingenommen werden. Außerdem lernt man es schneller als Inlineskates fahren", sagt Thobokholt. Einen Nachteil haben die kleinen Flitzer jedoch: "Lange Strecken lassen sich schlecht mit ihnen bewältigen. Dafür hat man auf kurzen sehr viel Spaß."

Iglu-Bau leicht gemacht

Den verspricht auch Peter Zaugg mit einer Entwicklung, die zunächst wie ein schlichter, quadratischer Eimer mit zwei Griffen anmutet. Doch dann fallen die zarten Rundungen der "Q-Iglu" genannten Plastikform auf. "Die hat ein Architekt entwickelt", sagt der Schweizer mit gezwirbeltem Bart. Die Idee hinter dem roten Plastikeimer offenbart sich erst auf dem zweiten Blick: Füllt man ihn mit Schnee und stülpt ihn dann um, erhält man einen Baustein für einen Iglu. Für diejenigen, die sich das nicht auf Anhieb vorstellen können, hat Zaugg in einer Ecke seines Messestandes mehrere Q-Iglus aufeinander gestapelt. Tatsächlich ergeben sie fast ein Viertel der traditionellen Eskimo-Behausung. "Schon in einer halben Stunde können Kinder mit dieser Hilfe ein fertiges Schneehaus bauen. Vorausgesetzt, es liegt nicht so wenig Schnee, wie in diesem Winter bisher", sagt Zaugg lächelnd.

Ob Schnee liegt oder nicht, interessiert die Firma aus Halle 11 herzlich wenig. Sie arbeitet nur mit künstlichem Schnee, der in einem durchsichtigen, aufblasbaren Gummiball einen Weihnachtsmann umwirbelt. Der sitzt auf einem Globus und winkt den Messebesuchern zu. Es ist ein kleiner Gruß der chinesischen Herstellerfirma. Denn noch vor der nächsten Messe wird man diese Dekoration wohl wiedersehen. Irgendwo auf dieser Welt.


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