HOME

STARBUCKS COFFEE: »Guter Kaffee, großartiges Gefühl«

Starbucks eröffnet dieses Wochenende in Berlin die ersten beiden deutschen Filialen, in fünf Jahren sollen es 200 sein. Grund genug für ein Interview Starbucks-Gründer Howard Schultz.

stern.de: Warum sind die Leute so verrückt nach Starbucks?

Howard Schultz : Starbucks hat in seinen Läden ein Gefühl der Gemeinschaft geschaffen, das in Asien, Europa und Amerika gleichermaßen funktioniert. Es spricht die Leute überall auf der Welt an - auch wenn wir eine amerikanische Firma sind. Unsere Cafes sind ein dritter Ort zwischen Arbeit und Zuhause. Ich bin zuversichtlich, dass auch in Deutschland die Leute die einzigartige Erfahrung, zu Starbucks zu gehen, anerkennen werden. Falls es ein Geheimnis des Erfolges gibt, dann dieses: Wir müssen nicht nur ein gutes Produkt anbieten, sondern auch ein großartiges Gefühl.

Und das lässt sich auf allen Kontinenten und in allen Kulturen gleich herstellen?

Wir hatten Erfolg in jedem Land, in das wir gegangen sind. 1987 hatten wir elf Geschäfte, jetzt sind es 5.400 Geschäfte. Wir eröffnen zur Zeit zwischen drei und vier neue Geschäfte jeden Tag. Und wir glauben fest daran, dass dies noch immer erst die Anfänge des Wachstums unserer Firma sind. Starbucks ist in Amerika eine Ikone unter den Marken. Jetzt reist diese Marke um die Welt.

Was nicht alle freut. Gerade viele Europäer fürchten, dass mächtigen Marken wie Starbucks ihr Leben immer mehr dominieren. Und das die Amerikaner am Ende nicht nur Politik, Wirtschaft und Popkultur dominieren, sondern uns auch noch ihre Art des Kaffeegenusses aufdrängen.Treibt dieser gigantische Erfolg die traditionelle Cafés in den Ruin?

Überhaupt nicht. Unsere Erfahrung ist, dass der Markteintritt von Starbucks den Markt insgesamt vergrößert. Es ist genug Platz da zur Koexistenz. Was wir machen, ist etwas ganz anders als das, was bislang in Deutschland angeboten wird.

Trotzdem haben Sie viele Feinde. Sie sind einer der Lieblingsgegner der Globalisierungskritiker.

Jeder, der eine große Marke aufbaut, wird erleben, dass eine lautstarke Minderheit ihn angreift. Und im Gegensatz etwa zu einer Büchse Coca-Cola ist Starbucks immer mit einem konkreten Ort verbunden. Das macht uns zu einem leichten Ziel.

Ist Ihr Engagement für soziale Projekte etwa in den kaffeeproduzierenden Ländern der Dritten Welt eine Reaktion auf die Proteste?

Nein. Wir sind seit über 30 Jahren im Geschäft. Wenn Sie eine große Firma aufbauen wollen, können sie nicht nur nach Profit streben. Die Kaffeeindustrie hat Starbucks den ersten Humanitarian Award verliehen für alles, was Starbucks in 30 Jahren für den fairen Handel getan hat und für den Naturschutz. Das zeigt, auf welche Werte unser Unternehmen sich stützt. Erfolg ist immer dann am besten, wenn er geteilt wird. Für dauerhaften Erfolg braucht man ein fragiles Gleichgewicht. Es ist nicht leicht zu erreichen, aber man muß es versuchen. Man muß Gewinn machen - aber gleichzeitig sein Gewissen zeigen und mit dem Herzen führen.

Interview: Stefan Schmitz