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Starker Euro: Der Airbus wird chinesisch

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will künftig zumindest einen kleinen Teil des A350 in China fertigen lassen. Welche Folgen das und der schwache Dollar für die Beschäftigten in Europa haben, ist noch unklar. Konzern-Chef Gallois sieht einen zusätzlichen Sparbedarf in Milliardenhöhe.

Der starke Euro zwingt den Flugzughersteller Airbus zu Produktionsverlagerungen in Länder außerhalb Europas. Am Montag unterzeichnete EADS eine Absichtserklärung mit der chinesischen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), wonach fünf Prozent des Zukunftsjets A350 in China gefertigt werden sollen.

Ob die Vereinbarung auch Auswirkungen auf die Beschäftigten bei Airbus in Europa hat, ist unklar: Konzern-Chef Louis Gallois kündigte lediglich an, "Teile unseres Produktions- und Zuliefererbereichs in die Dollar-Zone"zu verlagern", sollte der Dollar weiterhin so schwach bleiben. Stellenstreichungen seien "nicht immer die Lösung. Wir sind ja voll ausgelastet und müssen zusehen, dass wir unsere Flugzeuge ausliefern", sagte Gallois weiter.

Um massive Problem bei der Produktion des A350 und des A380 auszugleichen, hatte das Unternehmen bereits entschieden, im Rahmen des Sparprogramms Power8 10.000 Stellen in Europa zu streichen und mehrere Werke zu verkaufen.

Der Konzern ist zwar noch bis 2009 weit gehend gegen Wechselkurschwankungen abgesichert, der Vorstands-Chef warnte aber bereits mehrfach in den vergangenen Tagen vor einer existenzgefährenden Krise für das Unternehmen. "Das wird unsere europäische Technologie-Basis treffen und auch unsere Zulieferer", sagte Gallois. "Das gefährdet ernsthaft europäische High-Tech-Branchen. Aber wir haben möglicherweise keine andere Wahl."

Beim derzeitigen Kurs von bis zu 1,50 Dollar müssten "mathematisch gesehen mehr als 1,5 Milliarden" zusätzlich zu den im Power-8-Programm vorgesehenen Kürzungen eingespart werden, sagte Gallois. Deswegen werde das Kostensenkungsprogramm verstärkt.

Gewerkschaft warnt vor Aktionismus

In den USA ist das Unternehmen bereits aktiv: "Wir produzieren dort bereits Helikopter, und wenn wir einen Auftrag für Tanker-Flugzeuge bekommen, werden wir ein Werk in Alabama errichten, das könnte sich fortsetzen", zitierte "Die Welt" Gallois.

Die Zusammenarbeit mit China betrifft den Angaben zufolge sowohl Entwicklung als auch den Bau des A350. Auch eine mögliche Zusammenarbeit für Zukunftsprogramme soll mit der NDRC vorbereitet werden. Mit dem chinesischen Luftfahrtunternehmen AVIC II einigte sich EADS darüberhinaus auf einen Rahmenvertrag für den Bau eines gemeinsamen Werkes in der Stadt Harbin, in dem ab 2009 Kunststoff für den A350 hergestellt werden soll.

Die IG Metall warnte die Konzernführung vor übertriebenem Aktionismus: "Besonders dramatisch entwickelt sich aktuell die vom EADS-Management herbeigeredete Dollarkrise, die aus Sicht der Arbeitnehmervertretung die Reaktionen in der EADS-Spitze unkalkulierbar machen", teilte die Gewerkschaft in Berlin mit.

Reuters/AP / AP / Reuters