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Stop der Zafira-Produktion Autoexperte sieht schwarz für Bochumer Opel-Werk


Harsche Kritik am deutschen Autobauer: Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer hat Opel schwere Pannen vorgeworfen. Das Ruhrpott-Werk hätte gerettet werden können, nun sei es für einen Umbau zu spät.

Nach der Bekanntgabe des Produktionsstopps für Opel in Bochum 2016 hat der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer dem Opel-Mutterkonzern GM schwere strategische Fehler vorgeworfen. Statt Bochum Ende 2016 zu schließen, hätte GM das englische Opel-Werk in Ellesmere Port kurzfristig dichtmachen sollen. In England wäre eine kurzfristige Schließung rechtlich möglich gewesen, sagte Dudenhöffer. Für die deutschen Werke gilt eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2014. Mit Ellesmere Port hätte GM wie Konkurrent Ford schon 2013/2014 spürbar Überkapazitäten abbauen können, sagte Dudenhöffer.

Ellesmere Port hatte Mitte 2012 den Zuschlag für die Astra-Produktion und damit eine dauerhafte Sicherung bekommen, nachdem die Mitarbeiter dort einer Lohnsenkung zugestimmt hatten. "Damit hat GM 5 Euro gewonnen, aber 500 Euro verloren", sagte Dudenhöffer.

Ständige Diskussionen sollen Marke beschädigt haben

Als zweiten Fehler von GM nennt der Experte die bevorstehende Schließung von Bochum so lange zu verheimlichen. "Das war schon über ein halbes Jahr bekannt, Opel hat sich nur nicht getraut, es zu sagen", kritisierte Dudenhöffer. Durch die ständigen Diskussionen seien Kunden und Mitarbeiter verunsichert und die Marke beschädigt worden.

Opel hatte am Montag angekündigt, ab 2016 keine Autos in Bochum mehr bauen zu wollen. Das Logistikzentrum und die Komponentenfertigungen will das Unternehmen jedoch erhalten, und so möglichst viele Arbeitsplätze sichern. In dem 50 Jahre alten Werk könnten dennoch bis zu 3000 Stellen wegfallen. Über ein Aus für den Standort im Ruhrgebiet wird schon seit längerem spekuliert. Opel schreibt seit vielen Jahren rote Zahlen. Als Hauptgründe nennt das Unternehmen eine sinkende Nachfrage auf dem gesamten europäischen Automobilmarkt.

Dudenhöffer: "Bochum soll sich nicht an Hoffnungen klammern"

Die Pläne, Bochum als Teilewerk für den Opel-Konzern mit deutlich reduzierter Belegschaft weiterzuführen, hält Dudenhöffer für unrealistisch. "Ich glaube nicht an die Zukunft als Komponentenwerk." Der Standort Bochum liege etwas abseits und auch die Komponentenfertigung der anderen Werke sei keineswegs ausgelastet. Bochum solle sich nicht noch mal an "irgendwelche Hoffnungen klammern", sagte Dudenhöffer.

Die Stadt habe eine hervorragende Universität und einen modernen Gesundheitssektor. Ziel müsse es jetzt sein, rund um die Universität mittlere Unternehmen anzusiedeln. Dazu seien auch das Land und die Stadt gefordert. "Bochum kann sich weiterentwickeln - ohne Opel."

lin/DPA DPA

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