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Stromkosten: 15-Milliarden-Geschenk für die Wirtschaft

Der Strompreis explodiert, die Haushalte stöhnen, und die Industrie lässt sich von den Energiewendekosten befreien: Die Zahl solcher Anträge ist drastisch gestiegen - auf Kosten der Verbraucher.

Von Rolf-Herbert Peters

Frohes neues Jahr für die deutsche Wirtschaft: Während Verbraucher unter immer höheren Strompreisen ächzen, kann sich das verarbeitende Gewerbe im kommenden Jahr über Entlastungen in Höhe von rund 15 Milliarden Euro freuen. Das sind etwa zwei Milliarden Euro mehr als 2012 und so viel wie noch nie, wie Berechnungen des Bundesumweltministeriums zeigen. Private Verbraucher müssen dagegen allein für Steuern und Abgaben auf ihre Stromrechnungen 30 Milliarden Euro aufbringen – auch das laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ein Rekordwert.

Im Oktober wurde die EEG-Umlage - also der Beitrag für den Ausbau Erneuerbarer Energien - für nächstes Jahr von 3,6 auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Seitdem hat die Zahl der Unternehmen, die eine Befreiung von staatlichen Belastungen bei den Energiekosten beantragen, drastisch zugenommen. Nach Berechnungen der Bundesregierung hätten Privatverbraucher im laufenden Jahr 2,5 Milliarden Euro weniger für Strom zahlen müssen, wenn nicht so viele Industriebetriebe von der EEG-Umlage befreit wären.

Verbraucherschützer kritisieren, dass sich die Industrie zu wenig an den Kosten der Energiewende beteiligt. Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, sagt: "Der Bund weitet die Geschenke an die Industrie in einem Maße aus, das angesichts der gesunkenen Strombörsenpreise völlig überzogen ist. Der private Energiekunde dagegen zahlt immer mehr. Es drängt sich der Verdacht auf, dass insbesondere der Bundeswirtschaftsminister vor den Wahlen Stimmung gegen die Energiewende macht - auf Kosten der Verbraucher."

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