HOME

Teure Energiewende: Ökostromumlage steigt auf Rekordniveau

Jetzt ist es amtlich: Die EEG-Umlage klettert im kommenden Jahr auf 5,277 Cent pro Kilowattstunde. Die Verbraucher müssen sich auf deutlich höhere Strompreise einstellen.

Die Verbraucher müssen im kommenden Jahr mit satten Strompreiserhöhungen rechnen. Die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien steigt um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde, wie die vier für die Verwaltung der Förderzahlungen zuständigen Übertragungsnetzbetreiber am Montag bestätigten.

Dies würde für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeuten, dass allein diese Zusatzkosten beim Strompreis von 125 auf knapp 185 Euro steigen - ohne Mehrwertsteuer. Ein Grund ist der Boom bei der Solarenergie. Zusammen mit höheren Netzentgelten und weiteren durch die Energiewende bedingten Kosten drohen Strompreiserhöhungen um bis zu zehn Prozent, schätzen Versorger.

Der Essener Energiekonzern RWE hat allerdings bereits verkündet, die höhere EEG-Umlage im nächsten Jahr vorerst nicht auf den Strompreis aufschlagen zu wollen. "RWE Vertrieb hält ihren Strompreis in der Grundversorgung bis in das Jahr 2013 stabil", sagte ein RWE-Sprecher auf Nachfrage. Die angekündigte Erhöhung werde der Konzern nicht an die Kunden weitergeben. "Das binden wir uns ans Bein", sagte ein Sprecher. Bei einer geschätzten Mehrbelastung durch die Umlage von 60 bis 70 Euro im Jahr für den Durchschnittshaushalt und rund 1,5 Millionen RWE-Stromkunden ergibt sich ein Betrag von rund 100 Millionen Euro, den der Konzern übernimmt. Ob der Strompreis das ganze Jahr 2013 hindurch stabil bleibt, wollte der Sprecher nicht sagen.

Kosten der Energiewende ufern aus

Amprion, Tennet, 50Hertz Transmission und Transnet BW, die vier Betreiber von Höchstspannungsleitungen in Deutschland, berechnen den erzeugten Ökostrom und sind daher auch für die Zahlung der Vergütungen an Betreiber von Solaranlagen, Windrädern und Biogasanlagen verantwortlich. Diese erhalten auf 20 Jahre garantierte Vergütungen für jede Kilowattstunde Strom. Die Fördersätze werden regelmäßig gesenkt, in einigen Jahren soll die Förderung auslaufen.

Die Zahl gilt als Politikum, weil sie schon nach dem vorzeitigen Durchsickern seit Mitte vergangener Woche eine Debatte ausgelöst hat, ob ein Ausufern der Kosten bei der Energiewende droht. Dabei dient nur ein Teil der Umlage der Förderung von Ökostrom. Besonders umstritten ist, dass in die Umlage der Verbraucher auch immer mehr Rabatte für Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch eingepreist werden.

Den Übertragungsnetzbetreibern zufolge müssen 2013 20,36 Milliarden Euro auf die Stromkunden umgelegt werden. Darin sei ein Nachholbetrag von knapp 2,6 Millarden Euro enthalten, da den Betreibern von Ökostromanlagen in den ersten neun Monaten dieses Jahres knapp 2,6 Milliarden Euro Förderung mehr gezahlt worden seien als im Vorjahr prognostiziert. 2012 waren unter anderem weit mehr Solaranlagen neu ans Netz gegangen als erwartet.

Strompreise sorgen für Streit

Bei den erneuerbaren Energien schlägt der stetig wachsende Ausbau mit einem Plus von 0,35 Cent je Kilowattstunde (kWh) für Photovoltaik zu Buche, 0,3 Cent mehr sind es für die Windkraftförderung und knapp 0,25 Cent je kWh für die Biomasse-Förderung.

Als Maßnahme gegen zu starke Strompreiserhöhungen dringt die FDP auf ein Absenken der Stromsteuer, Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lehnt dies ab. Er will das Stromsparen stärken und eine Reform bei der Förderung erneuerbarer Energien, etwa eine Deckelung des Windkraft-Ausbaus. Doch vor der Bundestagswahl in einem Jahr ist kaum damit zu rechnen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte 2011 versprochen, dass die Ökostrom-Umlage nicht über ihr heutiges Niveau steigen soll - nun legt sie aber um fast 50 Prozent zu.

Altmaier sieht eine Mitschuld für die hohen Förderkosten bei SPD und Grünen. "Der Grundfehler wurde bereits 2000 von Rot-Grün gemacht", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Damals wurde nicht überlegt, wie sich die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Griff halten lassen. Die Quittung gibt es jetzt." Die SPD verweist hingegen darauf, dass sich seit 2009 unter Schwarz-Gelb die Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien fast vervierfacht habe.

mlr/DPA/AFP / DPA