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Genderstreit um Nussmischung "Student*innenfutter" bei Edeka: "Der Hass überrascht mich"

Student*innenfutter
Nüsse und Rosinen mit Sternchen: das "Student*innenfutter" der Firma Fairfood Freiburg
© Hersteller
Ein Edeka in Bayern hat "Student*innenfutter" ins Sortiment aufgenommen – und aufgeregte Reaktionen im Netz geerntet. Hier erklärt einer der Produkterfinder, wie es zu der Idee für die gegenderte Rosinen-Nuss-Mischung kam.

Die Verwendung des Gendersternchens wird von manch einem (und manch einer) schon per se als Affront betrachtet. Wenn dann auch noch eine ehrwürdige Institution wie das Studentenfutter betroffen ist, kennen einige Sternchengegner kein Halten mehr. So scheint es jedenfalls, wenn man die Beiträge liest, die ein Produkt namens "Student*innenfutter" in den vergangenen Tagen in den sozialen Netzwerken ausgelöst hat.

Auf Facebook und Twitter hatte Edeka Wollny aus Friedberg bei Augsburg Ende vergangener Woche ein Bild des gegenderten Snack-Klassikers gepostet, den es ab sofort bei ihm im Laden zu kaufen gebe. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Neben Hunderten Lach- und Herzchenemojis machten sich in den Kommentaren auch zahlreiche wütende Nutzer Luft. "Zum Fremdschämen!" oder "Beschriftet das in echtem Deutsch oder wir kaufen das nicht mehr" und noch unfreundlichere Kommentare sind da zu lesen. 

Edeka-Marktleiter Michael Wollny hat an der Kontroverse sichtlich Spaß, wie an seinen launigen Antworten auf die teils witzigen, teils aufgebrachten Kommentare zu erkennen ist. Die Frage, was neben Nüssen eigentlich noch drin sei in dem Glas, beantwortet er mit: Sultaninen und Salz - "biologisch gewonnen aus den Tränen alter weißer Männer, die sich vom Genderstern unterdrückt fühlen."  

Das sagt der Hersteller

Aber wer hat sich das mit dem "Student*innenfutter" eigentlich ausgedacht? Hersteller ist die kleine Firma Fairfood Freiburg, die sich auf fair gehandelte, nachhaltige Nuss-Snacks mit Bio-Siegel spezialisiert hat und diese im Pfandglas verkauft.

Dort ist man überrascht von der verbalen Heftigkeit einiger Reaktionen. "Der Hass überrascht mich schon. Ich finde es schade, dass die Diskussion so heftig und sogar mit Gewaltandrohungen geführt wird", sagt Fairfood-Mitgründer Mark Schwippert zum stern. "Wir wollten mit dem Produktnamen zum Nachdenken über Geschlechtergerechtigkeit anregen und haben das auch mit einem Augenzwinkern gemacht." 

Dass nicht jeder und jede mit Gendersprache etwas anfangen kann, ist Schwippert klar. In seiner Firma mit überwiegend jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Gendern aber längst zum Alltag. Statt einen Kundenservice gibt es dort einen Kund*innenservice. Die Produkte tragen mal männliche Namen wie "Sir Salty", mal weibliche wie "Wilde Rosmarie". Auch scharf gewürzte Cashews mit der Bezeichnung "Pfefferheld*in" sind im Sortiment enthalten. 

"Warum nicht mal Nüsse gendern?"

Das "Student*innenfutter" haben die Freiburger bereits im Frühjahr auf den Markt gebracht. Verkauft wird es vor allem in Bio- und Unverpackt-Läden, in einigen Edekas in der Region sowie im eigenen Onlineshop. Ärger über die eigenwillige Bezeichnung habe es bislang nicht gegeben, sagt Schwippert. Seitdem die Debatte auf Facebook hochgekocht sei, gebe es nun vereinzelte böse Mails oder auch mal eine Ein-Sterne-Bewertung im Netz.

Für die öffentliche Diskussion um Gendersprache wünscht sich der 33-Jährige vor allem mehr Gelassenheit. Er verlange ja keineswegs, dass nun alle Studentenfutter umbenannt werden müssen. "Aber wenn eine Firma viele Kundinnen hat, warum dann nicht mal Nüsse gendern?"


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