HOME

Studie zu steigender Lebenserwartung: Rente mit 72 wird kommen

Derzeit streiten Politiker noch heftig um die Rente mit 67. Für die Forscher des Max-Planck-Institut für demografische Entwicklung ist das aber ein Streit um des Kaisers Bart. Denn nach ihrer Einschätzung wird der Ruhestand in Zukunft ohnehin erst mit 72 beginnen.

Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Entwicklung in Rostock rechnen bis Mitte des Jahrhunderts mit einem weiteren drastischen Anstieg des Renteneintrittsalters. Der Institutsdirektor James Vaupel sagte der "Welt am Sonntag", voraussichtlich müssten die Deutschen dann bis zu ihrem 72. Lebensjahr arbeiten.

Die Ausweitung der Lebensarbeitszeit sei nötig, um die Folgen der weiter steigenden Lebenserwartung für die Rentenkassen auszugleichen. Vaupel reagierte damit auf Pläne der EU-Kommission, das Renteneintrittsalter dynamisch an die Entwicklung der Lebenserwartung anzupassen.

Längeres Leben, spätere Erkrankung

"Die Menschen müssen schlicht einen vernünftigen Teil ihrer Lebensarbeitszeit arbeiten", sagte Vaupel. Derzeit seien die Europäer etwa die Hälfte ihres Lebens erwerbstätig. Dabei solle es auch bleiben. Der Wissenschaftler äußerte die Erwartung, dass die Menschen im Jahr 2050 durchschnittlich zehn Jahre länger leben werden als heute. "Etwas von dieser geschenkten Zeit werden wir auf die Arbeit verwenden müssen."

Gesundheitliche Probleme im Alter, mit denen Kritiker der Anhebung des argumentieren, lässt Vaupel nicht gelten. "Die gesunde Lebenserwartung steigt ebenso schnell an: Wenn Menschen zehn Jahre länger leben, werden sie zehn Jahre später krank", sagte er der "WamS". Allerdings schlug er vor, Arbeitnehmer sollten künftig "mehr Lebensjahre, aber weniger Wochenstunden" arbeiten. So hätten sie in jüngeren Jahren mehr Zeit für die Familie, "belasten aber im Alter nicht die Pensionskassen".

dho/AFP / AFP
Themen in diesem Artikel