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Swiss-Übernahme: Freude über und unter den Wolken

Nicht nur betuchte Vielflieger freuen sich über den geplanten Kauf von Swiss durch die Lufthansa. Die beiden Gesellschaften profitieren genauso davon wie die Stadt Zürich. Dennoch gibt es skeptische Stimmen.

Mit dem Kauf der angeschlagenen Schweizer Fluggesellschaft Swiss will sich die Deutsche Lufthansa für den immer härter werdenden Konkurrenzkampf rüsten. Gemeinsam könnten sie sich von den Billigfliegern abheben und auf Qualität und Service vor allem für zahlungskräftige Geschäftsreisende setzen. Doch die Übernahme ist nicht ohne Risiko: Die Swiss muss noch kräftig saniert werden - und nach einer Übernahme durch die Deutschen könnten harte Einschnitte noch schwerer durchzusetzen sein als bisher.

"Viel zu viele Airlines in Europa"

"Es macht Sinn, Zubringerdienste zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen", sagt der Luftfahrt-Experte und Generalsekretär des deutschen Airline-Verbandes Barig, Martin Gaebges. "Wir haben im relativ kleinen Europa historisch bedingt eigentlich viel zu viele Airlines." Mehrere Studien sagen seit langem vorher, dass das Zeitalter der National-Fluggesellschaften angesichts des globalen Wettbewerbs bald zu Ende gehen wird.

Mit der Übernahme der Swiss durch die Lufthansa würde es zur zweiten Großfusion in der europäischen Luftfahrt kommen. Im vergangenen Jahr hatten sich bereits Air France und KLM zur größten europäischen Fluggesellschaft zusammengeschlossen. Und weitere Fusionen sind wahrscheinlich.

Für die Lufthansa hat ein Zusammenschluss mit der Swiss viele Vorteile: Sie kann neue und sehr zahlungskräftige Kundschaft für ihr weltweites Netz gewinnen. Mit Zürich könnte zugleich ein drittes Drehkreuz für den Süden Europas entstehen. Und das Unternehmen braucht nicht mehr zu fürchten, dass in Zürich und damit in der Nähe des Münchner Drehkreuzes eine große Konkurrenz-Gesellschaft Fuß fasst.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. "Wir halten den Zeitpunkt der Übernahme für verfrüht, weil Swiss erst im Januar 2005 damit begonnen hat, die Restrukturierung der Airline umzusetzen", sagt Luftfahrt-Analyst Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank. Auch seien die Gefahren von Streiks nach einer Übernahme durch die finanziell deutlich besser ausgestattete Lufthansa gestiegen. Noch vor der Bekanntgabe der Übernahmepläne hatte eine der Piloten-Gewerkschaften mit Arbeitskämpfen gedroht, um einen Personalabbau zu verhindern. Weinreich bevorzugt ein Modell, wonach die jetzigen Großaktionäre an der Sanierung beteiligt bleiben und die Lufthansa erst dann einen Kaufpreis für die Swiss zahlt.

Mehr einheitliche Verbindungen

Für die Kundschaft bedeutet ein Zusammenschluss von Lufthansa und Swiss vor allem eine Ausweitung des Angebots. Durch Zubringerflüge nach München und Zürich könnten von beiden Standorten aus künftig mehr Verbindungen einheitlich angeboten werden. Langstreckenflüge nach Asien oder in amerikanische Großstädte können leichter in den Flugplan aufgenommen werden, wenn beide Gesellschaften ihre Angebote bündeln.

Erfahrungen in Kooperationen hat die Lufthansa schon lange. Als Mitbegründerin der Star Alliance setzt sie bereits seit Jahren auf ein Bündnissystem, das den Gesellschaften geringere Kosten bringt und den Kunden ein einheitliches, weltumspannendes Flugnetz bietet. Und im Gegensatz zu vielen Konkurrenten setzt die Lufthansa bereits heute mit Frankfurt und München auf zwei Drehkreuze - zumal es am Heimatflughafen Frankfurt/Main derzeit kaum noch Kapazität für eine Expansion gibt.

Rochus Görgen/DPA / DPA