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Existenzangst "Hey Merkel, ich bin blank": Tätowierer protestiert nackt gegen Lockdown


Tätowierer Matthias Probst aus Selm in Nordrhein-Westfalen steht kurz vor der Pleite. Aus Protest gegen die aus seiner Sicht ungerechten Lockdown-Maßnahmen hat er sich für Facebook ausgezogen.

Als Tätowierer fällt Matthias Probst unter jene Berufssparten, die die Corona-Krise hart getroffen hat. Sein Metier gehört zu den sogenannten "körpernahen Dienstleistungen", bei denen die Infektionsgefahr als besonders hoch eingeschätzt wird. Deshalb darf Probst in seinem Tattoo- und Piercing-Studio "Hautnah dabei" in Selm (NRW) schon seit vielen Monaten nicht mehr seiner Arbeit nachgehen.

Das bringt den Tätowierer an den Rand des Ruins, die Pleite rückt immer näher. In seiner Verzweiflung hat Probst zu einer ungewöhnlichen Protestmaßnahme gegriffen: Er hat sich ausgezogen. Auf Facebook postete er ein Nacktbild von sich – nur über seinem besten Stück prangt ein Zensurbalken. Die Botschaft an die Bundeskanzlerin: "Hey Merkel, ich bin blank!" Damit möchte er auf seine schwierige finanzielle Lage im Lockdown aufmerksam machen.

Friseure dürfen öffnen, Tätowierer nicht

Probst kritisiert in dem Post die Pandemie-Politik der Bundesregierung, unter anderem prangert er Fehler in Bezug auf die Corona-App, den Schutz der Alten- und Pflegeheime und die Öffnung der Schulen an. "Es werden Milliarden um Milliarden verplempert ohne Nachhaltigkeit", ärgert sich der 49-Jährige, der auch den Lockdown light im November für "verplempert" hielt. Der zu lasche Lockdown habe 30.000 Menschenleben gekostet.

"Wir brauchen keinen Lockdown, wir brauchen Systeme zum Arbeiten", fordert Probst von der Regierung. In seinem Studio gebe es ein Hygienekonzept mit Nachverfolgung. Warum er sein Studio im Gegensatz zu Friseuren, die ab dem 1. März wieder arbeiten dürfen, nicht öffnen kann, ist für den Tätowierer nicht nachvollziehbar. "Friseure haben pro Tag zwischen zehn und 20 Kunden. Ich habe pro Tag nur einen Kunden. Das Risiko ist also deutlich geringer", sagte er der "Bild".

"Für Gerichte wird es da nicht leicht" – Klagewelle gegen die Lockdown Regelungen

Rücklagen für das Alter sind beinahe aufgebraucht

Seit zehn Jahren betreibt Probst das Studio zusammen mit seiner Freundin. Nun macht er sich große finanzielle Sorgen. "80 Prozent meiner Rücklagen für die Rente sind aufgebraucht und bald geht es selbst an die Reserven für Notsituationen, wenn etwa mal Waschmaschine oder Auto kaputt geht. Ich werde dieses Jahr 50, da bleiben noch knapp 14 Jahre bis zur Rente. In dieser Zeit wieder ordentliche Rücklagen zu schaffen, funktioniert überhaupt nicht", sagte er dem "Lüner Anzeiger".

Auch die finanziellen Hilfen der Bundesregierung, die ohnehin nur schleppend anlaufen, helfen da kaum weiter. Probst versucht sich bis auf Weiteres mit einem Kredit über Wasser zu halten. Das Studio für immer zu schließen, komme für ihn nicht in Frage, versicherte er der "Bild"-Zeitung: "Wir werden den Laden nicht Pleite gehen lassen, er ist ja unser gemeinsames Baby! Aber wir brauchen endlich eine Perspektive. Der Lockdown kann nicht die einzige Antwort auf Corona sein."

Quellen: Matthias Probst auf Facebook / "Bild" / "Lüner Anzeiger"

epp

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