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Alltag in der Krise "Wenn ich erkranke, dann schwer bis tödlich": Wie eine Corona-Risikopatientin ihr Tattoo-Studio leitet

Sehen Sie im Video: "Unser neues Normal" – wie die Coronakrise den Alltag einer Tätowiererin verändert.




Wenn ich an Corona erkranken sollte – schwer bis tödlich. Es ist so, dass ich meinen Job jetzt ein halbes Jahr nicht ausüben darf. Ich bin Lilly Seidel und bin Tätowiererin bei "Heart over Head".
Mein Alltag durch Corona hat sich wahnsinnig verändert. Allein wegen der Hygienestandards. Wir hatten vorher schon Hygienestandards, aber jetzt achten wir da extrem drauf. Es gibt eine Hygieneschleuse vorne. Bevor jemand reinkommt, wird erstmal alles desinfiziert: Hände, das Handy. Und erst dann dürfen die Leute hier reinkommen mit Mund-und-Nasenschutz. Dann ist es leider auch so, dass wir statt mit einer vollen Besetzung nur noch zu zweit arbeiten, so dass wir die Anzahl der Menschen in dem Raum so gering wie möglich halten. Damit geht ein bisschen dieses Zuhause-Gefühl, das wir hier bei "Heart over Head" vermitteln wollen, verloren. Wir sind sehr eng mit unseren Kunden. Und dieses Intime ist jetzt eher so ein Abfertigen, so eine richtige Dienstleistung. Sie kommen hier rein, sie werden tätowiert und raus. Bei uns ganz ganz wichtig ist diese Wohnzimmer-Atmosphäre und die ist momentan absolut verloren gegangen. Die Leute dürfen sich nicht mehr setzen, sie müssen draußen warten. Wir machen das aber aus Eigeninitiative. Es ist nicht so, dass uns Auflagen von der Regierung vorgeschrieben werden – außer dem Mund-und-Nasenschutz – dass wir so extrem agieren. Das macht auch jedes Tattoostudio für sich, wie es das für richtig hält. Weil unsere vorherigen Hygienestandards schon sehr hoch waren und wir sehr gut geschult sind.
Persönlich hat mich Corona nochmal doppelt getroffen. Ich gehöre zur Risikogruppe, da ich MS habe und ein Medikament in mir habe, welches ich jedes halbe Jahr bekomme. Und das ist nicht kompatibel mit Corona. Wenn ich an Corona erkranken sollte – schwer bis tödlich. Und aus dem Grund hat mich mein Neurologe tatsächlich ein halbes Jahr, bis dieses Medikament aus meinem Körper raus ist und wir dann das Medikament einmal umstellen können – dann gehöre ich nicht mehr zur Risikogruppe… Und es ist so, dass ich meinen Job jetzt ein halbes Jahr nicht ausüben darf.
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Lilly Seidel ist Tätowiererin und Inhaberin eines Studios in Hamburg. Die Coronakrise hat nicht nur Auswirkungen auf ihr Geschäft, denn sie leidet an MS und gehört zur Gruppe der Risikopatienten. Dennoch bringt die Krise auch gute Veränderungen für sie.

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