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Telekom-Fusion: "Triple Play", bitte warten

Zwar darf die Telekom nach langem Warten endlich mit ihrer Internet-Tochter T-Online verschmelzen. Bis aber die Vermarktung von Kombi-Produkten aus Telefonie, Internet und TV beginnen kann, wird es noch dauern.

Die Rückführung der Internet-Tochter T-Online hilft der Deutschen Telekom noch nicht sofort, die Kündigungswelle im Festnetz zu stoppen. Erst ab dem vierten Quartal werde es Produkte komplett aus einer Hand geben, sagte der zuständige Telekom-Vorstand Walter Raizner am Donnerstag in Bonn. Denn die Unternehmen haben noch keine entsprechenden Projekte in der Schublade. Zwar ist die Fusion nach langer Verzögerung jetzt wirksam, doch habe man aus juristischen Gründen vorher keine gemeinsamen Planungen vornehmen können.

Sehr später Start mit Internet-Telefonie

Der Telekom-Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke betonte noch einmal, dass es höchste Zeit gewesen sei für die Verschmelzung. In den mehr als anderthalb Jahren seit Beginn des Vorhabens habe der Konzern "gelitten" und nicht die nötige Schlagkraft entfalten können. Von der Fusion, die am Dienstag nach langem rechtlichem Tauziehen ins Handelsregister eingetragen wurde, erhofft sich die Telekom nun eine einfachere Vermarktung von Kombi-Produkten aus Telefonie, Internet und Fernsehen ("Triple Play") und eine bessere Kundenbetreuung etwa durch einheitliche Abrechnung und Ansprache.

Vordringliches Ziel ist es nach Rickes Worten, dem rasanten Schwund bei den normalen Telefonanschlüssen Einhalt zu gebieten und die Umsätze zu stabilisieren. Im ersten Quartal sind eine halbe Million Kunden zu anderen Unternehmen abgewandert, die DSL-Anschlüsse samt Internettelefonie anbieten. Das könne und werde das Unternehmen nicht hinnehmen. T-Online ist mit Voice over IP erst im vergangenen Jahr und damit nach Ansicht von Experten sehr spät gestartet.

Integrierte Produkte erst in drei Monaten

Gleichwohl wird es nun nach Raizners Worten noch drei bis vier Monate dauern, ehe der Rückführung in den Mutterkonzern "wirklich integrierte Produkte" entspringen. Erste "lose geschnürte" Bündelangebote aus sollen allerdings schon im Juni vermarktet werden. Trotz der weiteren Verzögerung hält die Telekom aber an dem Anspruch fest, bis Ende nächsten Jahres auf eine Million "Triple-Play"-Kunden zu kommen. Allerdings versah Ricke diese Beteuerung mit dem Zusatz, man werde "niemanden erschießen", wenn die Zahl nicht erreicht werde. Die Synergieziele der Verschmelzung bestätigte der Vorstandsvorsitzende ebenfalls: mindestens eine Milliarde Euro durch Umsatzwachstum und weitere 100 Millionen durch Kosteneinsparungen.

T-Online wird als Vertriebseinheit in der von Raizner gelenkten Telekom-Sparte "Breitband/Festnetz" aufgehen, die demnächst insgesamt "T-Com" heißen wird. Raizner wird außerdem T-Online führen, deren bisheriger Vorstandsvorsitzender Rainer Beaujean unmittelbar nach Freigabe der Fusion zurückgetreten war. Die Barmittel von vier Milliarden Euro, die T-Online bei dem Börsengang im April 2000 zugeflossen waren, werde die Telekom übernehmen, fügte Raizner hinzu. Das sei ein "ganz normaler Vorgang im Rahmen einer Verschmelzung". Zahlreiche Gegner der Fusion hatten kritisiert, dass T-Online die Liquidität in den vergangenen Jahren von dem Mutterhaus praktisch vorenthalten worden sei.

Stefan Paul Mechnig/ddp / DDP