Telekom-Personalausgliederung "Einigung völlig ausgeschlossen"


Die Gewerkschaft Verdi hat der Telekom in der Auseinandersetzung über die geplante Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in neue Service-Unternehmen mit einem Erzwingungsstreik gedroht.

Der Konflikt zwischen der Deutschen Telekom und der Gewerkschaft Verdi um die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für rund die Hälfte der Mitarbeiter der Festnetzsparte spitzt sich zu: Verdi hat der Telekom in der Auseinandersetzung über die geplante Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in neue Service-Unternehmen mit einem Erzwingungsstreik gedroht. Verdi-Fachbereichsleiter Lothar Schröder nannte dies am Dienstag in Bonn als eine der Möglichkeiten, über die die Große Tarifkommission am Nachmittag in Göttingen befinden könnte. Die vierte Runde der Tarifverhandlungen war in der Nacht zu Dienstag kurz nach Mitternacht ergebnislos abgebrochen worden. Ein neuer Gesprächstermin steht nach Angaben Schröders noch nicht fest. Der Gewerkschafter bezeichnete die bisherigen Vorschläge der Telekom als "Zumutung und Dreistigkeit".

12 Prozent weniger Lohn

Sie würden durch Arbeitszeitverlängerung, Gehaltskürzung und weitere Elemente zu Ungunsten der Beschäftigten eine "Umverteilung" von um die 40 Prozent bedeuten. Zudem bringe Wochenarbeitszeitverlängerung letztlich einen Abbau von Arbeitsplätzen. Schröder unterstrich die Bereitschaft der Gewerkschaft, unter anderem über einen "Arbeitszeit-Kredit" zu Gunsten der Telekom und über die künftige Variabilisierung von Einkommensbestandteilen zu verhandeln. Die Telekom weigere sich aber bisher, über den Schutz der vorhandenen Beschäftigten zu sprechen und drohe sogar mit einer Auslagerung der Service- und Callcenter-Beschäftigten in neue Subunternehmen ohne Tarifvertrag. Auf der Grundlage des bisher Vorgelegten sei eine "Einigung völlig ausgeschlossen", sagte Schröder.

Den Beschäftigten sollten gravierende Einbußen zugemutet werden, während den Telekom-Aktionären zugleich eine Rekorddividende gezahlt werde. Die Große Tarifkommission könne deshalb dem Bundesvorstand empfehlen, die Urabstimmung für einen Streik bei der Telekom einzuleiten. Ob er dies der Tarifkommission vorschlagen werde, wollte Schröder allerdings nicht sagen.

Das Telekom-Management schlug am Dienstag vor, die Gehälter der bis zu 50.000 Mitarbeiter, die in konzerneigene Töchter ausgegliedert werden sollen, schrittweise um zwölf Prozent zu senken. Zudem sollen die Beschäftigten mindestens 38 statt bislang 34 Stunden arbeiten. Im Gegenzug will das Unternehmen ihre Jobs zwei Jahre länger garantieren. Verdi lehnte die Vorschläge als völlig unzureichend ab. Mehr als 10.000 Beschäftigte machten ihrem Unmut in Warnstreiks Luft.

"Das ist eine katastrophale Zumutung für die Beschäftigten"

Arbeitnehmervertreter forderten größere Sicherheiten für die Beschäftigten. "Bei dem jetzigen Denkmodell ist eine Einigung völlig ausgeschlossen", sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder. Inhaltlich seien sich die Parteien auch in der vierten Verhandlungsrunde nicht näher gekommen. "Das ist eine katastrophale Zumutung für die Beschäftigten", kritisierte Schröder, der auch im Aufsichtsrat des Bonner Konzerns sitzt. "Bei einer derartigen Dimension des Umbaus ist ein Kündigungsschutz nur bis 2010 nicht ausreichend."

Nach Vorstellungen des Telekom-Managements sollen die betroffenen Service-Mitarbeiter in drei konzerneigene so genannte T-Service Gesellschaften ausgelagert werden. Die Gehälter sollen schrittweise über 30 Monate um insgesamt zwölf Prozent sinken. Berufsanfängern will die Telekom künftig 20.000 Euro jährlich statt bislang bis zu 34.000 Euro zahlen. Dafür sollen neue Arbeitsplätze in "signifikanter Höhe" entstehen. Den Kündigungsschutz für die betroffenen Mitarbeiter will der Konzern bis 2010 verlängern. Bis Ende 2010 ist die Telekom zudem bereit, auf einen Verkauf der T-Service-Gesellschaften zu verzichten.

AP/Reuters AP Reuters

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