HOME

Telekommunikation: Telekom drohen Millionenzahlungen

Nachdem die Bundesnetzagentur festgelegt hat, wieviel die Telekom für ihrer Teilnehmerdaten von privaten Auskunfstdiensten verlangen darf, fordern diese nun zu viel gezahltes Geld zurück. In vorderster Front dabei: Konkurrent Telegate.

Der Deutschen Telekom drohen nach einer Entscheidung der Regulierungsbehörde Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe an Konkurrenten im Auskunftsdienst. Der langjährige Rivale Telegate habe zusätzlich zu bereits laufenden Klagen gegen die Telekom wegen angeblich überhöhter Gebühren für Auskunftsdaten eine weitere Schadenersatzklage über 86 Millionen Euro eingereicht, berichtete das Nachrichtenmagazin "Spiegel". Telegate geht seit langem juristisch gegen die Telekom vor. Allein für den Zeitraum zwischen 1996 und 2004 verlangte das Unternehmen eine Rückzahlung von mehr als 70 Millionen Euro. Telegate hatte mit Verona Pooth als Werbeträgerin rund 30 Prozent des Auskunftmarktes erobert.

Telekom kündigt rechtliche Schritte an

Die Deutsche Telekom hat rechtliche Schritte gegen die Bundesnetzagentur angekündigt. Das Unternehmen wendet sich damit gegen die vor gut einer Woche verhängte drastische Beschneidung ihrer Einnahmen für die Überlassung von Teilnehmerdaten an Auskunftsdienste. Die Entscheidung der Regulierungsbehörde sei inhaltlich falsch und in keinster Weise nachzuvollziehen, sagte Frank Domagala, der Sprecher der Telekom-Festnetzsparte T-Com und fügte hinzu: "Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Tagen rechtliche Schritte eingeleitet werden."

Die Bundesnetzagentur hatte Mitte August festgelegt, dass die Telekom für die Überlassung ihrer Teilnehmerdaten an private Telefonauskunftsdienste insgesamt nur 770.000 Euro pro Jahr kassieren darf. Bis dahin hatte die Telekom dafür 49 Millionen Euro verlangt. Für Telegate ergibt sich nach Angaben des Unternehmens aus der Entscheidung künftig eine Kostenersparnis von rund 2 Millionen Euro pro Jahr. Die Entscheidung der Bundesnetzagentur war nach einer entsprechenden Vorgabe des Europäischen Gerichtshofs ergangen, der festgelegt hatte, dass die Telekom nur die Kosten der Bereitstellung in Rechnung stellen könne, nicht aber die zum Aufbau und zur Pflege der Datenbanken. Denn diese Daten müssten von der Telekom ohnehin erhoben und gepflegt werden.

Bericht über viele Kundenbeschwerden

Durch die bisherige Gebührenpolitik der Telekom sei die Entwicklung der Firma nachhaltig behindert worden, heiße es in der neuen Klage von telegate, berichtete der "Spiegel". Ex-Firmenchef Klaus Harisch, der Telegate 1996 gründete, mache in einer weiteren Klage sogar einen Schaden von 320 Millionen Euro geltend. Um telegate trotz der überhöhten Gebühren am Leben zu halten, sei er gezwungen gewesen, große Anteile der Firma unter Wert zu verkaufen. T-Com-Sprecher Domagala sagte, er möchte "die unbegründeten Forderungen von Telegate nicht kommentieren". Bei Telegate war zunächst niemand für eine Bestätigung erreichbar.

Die Kundenzufriedenheit mit der Deutschen Telekom lässt unterdessen laut "Spiegel" noch zu wünschen übrig. Nach jüngsten Erhebungen dazu im Konzern gingen allein bei der Festnetztochter T-Com Woche für Woche rund 50.000 Kundenbeschwerden ein, berichtete das Blatt. Auf ein Jahr hochgerechnet entspreche das fast 2,6 Millionen Beschwerden oder mehr als sieben Prozent der insgesamt rund 35 Millionen T-Com-Kunden. Die Telekom bestreite die Zahl nicht, sondern erkläre sie mit einer bewusste gewählten Breite der Auswahlkriterien, berichtete das Blatt. Registriert würden beispielsweise auch jene Anrufer, die sich über Telefonapparate beklagten, die überhaupt nicht bei der Telekom gekauft worden seien. Diesen Schritt habe man sehr bewusst gemacht, um die Ergebnisse auszuwerten und die Kundenzufriedenheit in Zukunft deutlich steigern zu können.

DPA / DPA