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Teure Energie: Energieriesen machen gigantische Gewinne

Die hohen Energiepreise treiben Verbraucher in der ganzen Welt zur Verzweiflung, sorgen aber für große Freude bei den Aktionären und den Chefs der Ölkonzerne.

Die Aktionäre der Energiemultis haben von den Rekordpreisen auf dem Ölmarkt profitiert wie nie zuvor und können satte Gewinne einstecken. Aber auch die Zulieferindustrie und die Staatshaushalte bekommen einen beträchtlichen Teil des Kuchens. "Klar ist, dass das letzte Quartal die besten Bedingungen geboten hat", sagt BP-Chef John Browne. Nachdem der Ölpreis seinen Höhepunkt überschritten und seit Anfang August rund 25 Prozent nachgegeben hat, werden die Konzerne die Ergebnisse des dritten Quartals wohl nicht wiederholen können.

Ölmultis machen Kasse

Die vier in Deutschland dominierenden internationalen Ölgesellschaften haben allesamt ihre Gewinne in den ersten neun Monaten des Jahres kräftig gesteigert. Die US-amerikanische ExxonMobil (Esso) kam auf den unvorstellbaren Betrag von mehr als 29 Milliarden Dollar Reingewinn, das sind 24 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. ExxonMobil verdiente somit Woche für Woche 750 Millionen Dollar oder mehr als 100 Millionen Dollar pro Tag. Die britische BP (Aral) erreichte einen Gewinn von 18,4 Milliarden Dollar (plus 23 Prozent), bei Shell waren es 19,4 Milliarden Dollar (plus zwölf Prozent) und auch das französische Unternehmen Total konnte 12,3 Milliarden Dollar (plus acht Prozent) Gewinn einstreichen.

Ein erheblicher Teil des Profite wandert in die Taschen der Aktionäre. Die Unternehmen haben Rückkauf-Programme für ihre eigenen Aktien gestartet, die den Wert der Anteile steigern. Außerdem haben die internationalen Konzerne ihre Dividenden erhöht. "Bei ExxonMobil steigt die Dividende seit 21 Jahren jedes Jahr an", sagt Karl-Heinz Schult-Bornemann von der deutschen Tochtergesellschaft. Die Anteile von Riesenkonzernen wie ExxonMobil, BP oder Shell sind breit gestreut; neben Privatinvestoren sind auch viele institutionelle Anleger wie Aktienfonds oder Versorgungs- und Pensionseinrichtungen an den Unternehmen beteiligt. So fließt ein Teil des Geldes, das Autofahrer und Heizölkäufer bezahlen, zurück an Verbraucher, die ihr Erspartes in Ölaktien oder Fonds angelegt haben.

Auch der Staat profitiert

Ein weiterer Profiteur der hohen Konzerngewinne ist der Staat, allerdings kaum der deutsche. Die Firmen müssen mit den höheren Gewinnen auch höhere Steuern zahlen. Bei BP kletterte zum Beispiel die Steuerlast in den ersten neun Monaten von 7,4 auf knapp 11 Milliarden Dollar, bei Shell von 12,6 auf 14,4 Milliarden Dollar. Und das sind nur Gewinnsteuern der Unternehmen, nicht aber Verbrauchssteuern der Konsumenten, die beim Kauf von Ölprodukten in den meisten Staaten der Welt anfallen.

Der Geldsegen hat die Konzerne aber auch animiert, mehr Geld für die Erschließung neuer Ölfelder auszugeben. Schon laufende Projekte wurden beschleunigt oder vergrößert, neue Projekte durchgerechnet. So will ExxonMobil von 2007 bis 2010 jedes rund Jahr 20 Milliarden Dollar investieren und damit etliche Milliarden mehr als in den Vorjahren. Die Konzerne entwickeln Öl- und Gasfelder in Kanada, dem Golf von Mexiko und Westafrika, am Schwarzen Meer und in Sibirien. Ein Teil der höheren Investitionen wird allein wegen drastischer Preiserhöhungen der Zulieferer notwendig; vom Bohrmeißel bis zur Arbeitskleidung ist alles teurer geworden, was zum Ölbohren benötigt wird.

Märkte orientieren sich

Mit ihren Investitionsentscheidungen haben die privaten Ölkonzerne aber auch dazu beigetragen, dass dem Ölpreis auf seinem Anstieg kurz vor der Marke von 80 Dollar für ein Fass die Luft ausging. "Die Märkte orientieren sich wieder mehr an Angebot und Nachfrage, den fundamentalen Daten", sagt Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv. "Öl war immer reichlich vorhanden." Er rechnet mit einem Ölpreis von rund 60 Dollar im nächsten Jahr.

Eckart Gienke/DPA / DPA