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Teures Urteil für Telekom: T-Online-Aktionäre bekommen 200 Millionen Euro

Bei der Rückholung der Internet-Tochter T-Online zum Mutterkonzern wurden die Aktionäre laut Gericht zu billig abgespeist. Jetzt bekommen sie einen Nachschlag. Trotzdem trinken die Anleger nach dem Urteil nur Sekt statt Champagner.

Die Deutsche Telekom muss einem Gerichtsurteil zufolge den Aktionären ihrer Ex-Tochter T-Online insgesamt rund 200 Millionen Euro überweisen. Am Mittwoch entschied das Oberlandesgericht Frankfurt, dass den einstigen T-Online-Gesellschaftern wegen der Verschmelzung mit der Telekom eine Zuzahlung von 1,15 Euro je Aktie in bar plus Zinsen zustehe. Damit wurde die zuvor vom Landgericht Frankfurt errechnete Summe bestätigt.

Die Telekom hatte die Darmstädter Online-Tochter im Jahr 2000 an die Börse gebracht und sechs Jahre später die beim Konzern verbliebene Aktien-Mehrheit dazu benutzt, die T-Online AG gegen den Willen vieler Kleinaktionäre zurückzuholen.

Sekt ja, Champagner nein

Die Aktionäre von T-Online erhielten dafür Telekom-Aktien. Jedoch war das Umtauschverhältnis umstritten, die Besitzer der Papiere der Online-Tochter sahen sich benachteiligt. Gegen die später vom Frankfurter Landgericht ermittelte Nachzahlung hatten beide Seiten Einspruch eingelegt. Die Telekom hatte die Zahlung überhaupt angezweifelt, während die einstigen Anteilseigner von T-Online den Betrag als zu gering ansahen.

Das Urteil wurde auf Seiten der T-Online-Aktionäre mit verhaltener Freude aufgenommen. "Leider besteht nur Anlass, Sekt statt Champagner zu trinken, da wir mit einer höheren Nachzahlung gerechnet haben", erklärte der Anlegeranwalt Peter Dreier in Düsseldorf. Er hatte mit 5,25 Euro pro Aktie fast den fünffachen Satz als Nachzahlung verlangt. T-Online-Aktionäre der ersten Stunde haben trotz der Nachzahlung hohe Verluste gemacht, da der Erstausgabepreis bei 27 Euro gelegen hatte.

Nun will die Telekom auf weitere Rechtsmittel verzichten. "Selbstverständlich akzeptieren wir den rechtskräftigen Beschluss", sagte eine Sprecherin. Auf den Geschäftsausblick für dieses Jahr werde die Zahlung keinen Einfluss haben.

fw/DPA/Reuters / DPA / Reuters