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Thüringen Bizarrer Streit in der Provinz - warum in Gotha die Busse doppelt fahren

Busse Gotha
In Gotha haben Linienbus-Passagiere die Qual der Wahl: Viele Strecken werden gleich von zwei Bussen gleichzeitig befahren.
© Arifoto UG/DPA
Meist ärgert man sich, wenn der Bus nicht kommt - nicht so in Gotha. Weil der Streit ums Geld mit einem privaten Fuhrunternehmer aus dem Ruder gelaufen ist, fahren hier die Linienbusse gleich doppelt. Eine Einigung scheint in weiter Ferne.

Es klingt wie ein Schildbürgerstreich. Seit Wochen haben die Gothaer an den Haltestellen die Qual der Wahl. Sie können sich aussuchen, in welchen Bus sie steigen. Neben den Bussen für die Regionale Verkehrsgemeinschaft Gotha (RVG) fährt auch ein privater Unternehmer - und zwar genau dieselben Strecken zur selben Zeit. So rollt nun schon seit Jahresbeginn auf 13 der insgesamt 41 RVG-Linien ein Bus hinter dem anderen; eine Posse, über die die Gothaer ungläubig den Kopf schütteln. Es geht aber auch um sehr viel Geld.

Bis Ende vergangenen Jahres befuhr Wolfgang Steinbrück noch als privater Subunternehmer für die RVG Linien im regionalen Nahverkehr. Doch dann kam es wegen der Vergütung zum Zerwürfnis. Steinbrück habe mehr Geld gefordert, die RVG könne nicht unbegrenzt nachschießen und habe daher entsprechende Zahlungen abgelehnt, erklärt RVG-Geschäftsführer Uwe Szpöt. Also kündigte die RVG die Verträge mit Steinbrück und heuerte für die Linien andere Unternehmer an. "Ich habe einen Vertrag mit dem Landkreis und muss daher die Linien bedienen", rechtfertigt Szpöt diesen Schritt.

"Meine Verträge laufen bis 2019"

"Es geht um das Maß der Subventionierung im öffentlichen Nahverkehr", meint auch der Sprecher des Gothaer Landratsamtes, Adrian Weber. Der Landkreis ist Mehrheitsgesellschafter der RVG. Doch Busunternehmer Steinbrück pocht auf seine Verträge. "Die Kündigung ist nicht rechtskräftig, meine Verträge laufen bis 2019", sagt Steinbrück, der zugleich Vorsitzender des Mitteldeutschen Omnibusverbandes ist. "Ich fahre also weiter."

Also sehen die Fahrgäste an der Haltestelle vorerst weiter doppelt. Aber wer bezahlt die Busse eigentlich? "Der Busunternehmer Steinbrück fährt auf eigene Rechnung", stellt Landratsamt-Pressesprecher Weber klar. Die RVG zahlt für die von ihr beauftragten Unternehmen. Wie hoch die Fahrgeldeinnahmen sind, die der RVG durch den doppelten Busverkehr entgehen, darüber schweigt RVG-Geschäftsführer Szpöt mit Verweis auf "geschäftsinterne Vorgänge". Steinbrück sagt, er verwaltet die eingenommenen Fahrgelder treuhänderisch.

"Das ist Steuerverschwendung vom allerfeinsten"

Ein Ende des Streits ist derzeit nicht absehbar. "Das ist Steuerverschwendung vom allerfeinsten", schimpft Steinbrück. Pressesprecher Weber ist überzeugt: "Eine Lösung wird vor Gericht gefunden werden." Denn inzwischen beschäftigt die Sache gleich in mehreren Verfahren die Gerichtsbarkeit. Dabei geht es unter anderem um die Herausgabe von Kassentechnik in den Steinbrück-Bussen und um einen Millionenbetrag, den Steinbrück von der RVG für die Jahre 2014 und 2015 verlangt. 

Annett Gehler, DPA

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