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Pelzmafia quält Hunde und Katzen: So schummelten sich Tierschützer in die Pelzfarm

Mit falschen Identitäten haben sich Aktivisten Zutritt zu einer chinesischen Pelzfarm verschafft. Ein großes Risiko, da kritische Berichte gefährlich sind - und die Polizei keine Hilfe gewesen wäre.

Von Katharina Grimm

Undercover-Recherche bei der chinesischen Pelz-Mafia: Das Team der Tierschützer war drei Wochen unterwegs. Die Zustände auf den Pelz-Farmen haben sie schockiert.

Undercover-Recherche bei der chinesischen Pelz-Mafia: Das Team der Tierschützer war drei Wochen unterwegs. Die Zustände auf den Pelz-Farmen haben sie schockiert.

Eine ganz neue Identität musste her: Zunächst eine aufwendige Firmen-Webseite, natürlich hochklassige Visitenkarten mit falschen Namen und gut sitzende Business-Anzüge. Der gesamte Auftritt sollte sagen: Hallo, wir kommen aus dem Westen, wir haben viel Geld und wollen mit euch Geschäfte machen. "Wir brauchten vor allem eine gute Dosis Schauspieltalent, um das durchziehen zu können", sagt Jose Valle, Leiter des Rechercheteams von Animal Equality, einer Tierschutzorganisation, die sich gegen Pelze in der Modeindustrie einsetzt. Getarnt als westliche Händler aus der Bekleidungsbranche waren er und sein Team nach China gereist, um Kontakte zur Pelzindustrie aufzunehmen. Doch statt lukrativer Verträge sammelten sie Material über die Zustände auf den Pelzfarmen. "Investigative Recherchen sind in China unheimlich gefährlich", sagt Valle. Doch das Risiko hat sich gelohnt.

Mit Fotos und Filmaufnahmen im Gepäck ist das Team inzwischen nicht mehr in China. Über das genaue Vorgehen will Valle nichts sagen, um sein Team zu schützen. Die perfekte Tarnung war allerdings nur der erste Schritt, sie mussten Kontakt zu den Farmen herstellen. "Wir haben kleinere Farmen besucht, die zwischen 300 und 600 Tiere in Käfigen hielten. Die ganz großen Ställe halten über 6000 Pelztiere", sagt Valle. Um sich überhaupt Zugang zu den Farmen zu verschaffen, mussten sie Umwege über Kontakte vor Ort nehmen, die ihnen wiederum chinesische Händler vorgestellt haben. Die nahmen sie dann mit zu den Pelzzüchtern.

Bloß nicht der Polizei trauen

Was sie dort sahen, war grauenhaft. Trotz großer Hitze hatten die Tiere kaum Trinkwasser. In enge Käfige gesperrt, waren viele von ihnen apathisch. Die Farm-Betreiber zeigten ihnen stolz und bereitwillig alles, schließlich erhofften sie sich neue Geschäftspartner. "Wir wussten, was sie mit den Tieren machen und wir waren darauf vorbereitet. Trotzdem hat uns die Grausamkeit vollkommen umgehauen. Wir filmten, wie die Tiere getötet und gehäutet wurden und waren geschockt", sagt Valles.

Der Einsatz des Teams war hochgefährlich, denn in China geht man hart gegen diese Form der Spionage vor. "Die Gefahr aufzufliegen, angegriffen oder inhaftiert zu werden, weil wir Fotos und Videoaufnahmen gemacht haben, war allgegenwärtig", sagt Valle. Die sprachliche Barriere war ein weiteres Hindernis, um das Vertrauen der Farmer zu gewinnen. Nur wenn sie die Züchter von ihrer Identität überzeugen würden, wären sie zunächst sicher. "Es gibt einige Fälle, in denen Journalisten in China eingeschüchtert worden sind, ihre Recherche nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen oder die gleich eingesperrt worden sind", sagt Valle.

Bevor sie nach China flogen, trafen sie sich mit Experten, die bereits in Fernost unerkannt recherchiert hatten. Der beste Rat, den sie bekamen: "Bloß nicht der Polizei vertrauen! Selbst wenn wir aufgeflogen wären, hätte die Polizei die Pelzfarmer unterstützt – und wären gegen uns vorgegangen", sagt Valle.

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