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TOURISMUS: Eurowings wird Billig-Flieger

Die deutsche Fluggesellschaft Eurowings will ins Geschäft der Billig-Flüge einsteigen. Über eine Beteiligung startet so nun auch die Lufthansa mit Schnäppchenfliegern.

Im deutschen Markt der Billigflieger werden die Karten neu gemischt. Neben der irischen Ryanair buhlen mittlerweile auch die Deutsche BA und Germania mit Niedrigpreisen um Passagiere. Am Horizont taucht derweil mächtige Konkurrenz auf. Der Touristikriese TUI will ein Stück vom Kuchen. Und auch Branchenprimus Lufthansa, an dem sich die Kontrahenten gern reiben, steht über seine Beteiligung Eurowings wohl vor einem indirekten Schritt in den Markt der Minipreise. Passagiere können auf billigere Tickets hoffen. Denn Fliegen ist zuletzt trotz aller Werbegags teurer geworden.

Ein Viertel der Buchungen übers Internet

Dabei hat sich das Gerangel am Himmel binnen Monaten verschärft. Auf einigen innerdeutschen Routen unterbieten sich die Konkurrenten inzwischen mit Niedrigkonditionen. Die Deutsche BA, Nummer zwei der hiesigen Linienflieger, präsentiert als Ergebnis stolz ein Passagier- Plus von 13,7 Prozent, seit das Konzept im April auf Billigpreise umgestellt wurde. Statt zuvor drei Prozent laufe nun ein Viertel der Buchungen Kosten sparend über Internet.

Lufthansa setzt auf Qualität

Die Manöver im Markt beobachten alle Wettbewerber mit Argusaugen. Auch die Tarifplaner der Lufthansa konterten mit neuen Preisen. In Gesellschaft mit den Schnäppchenfliegern sieht sich Konzernchef Jürgen Weber aber lange nicht. »Wir setzen auf Qualität«, lautet die Abgrenzungslinie - und das kostet mehr. Das schlichte Punkt-zu-Punkt- Produkt der Billigflieger sei ein anderes als das der etablierten Airlines mit verzweigtem Streckennetz und Bordservice. Die Attacken der Konkurrenz drängten Weber aber bisher leicht in die Defensive.

Flotte nicht ausgelastet

Da könnten der Lufthansa die Pläne ihrer 24,9-Prozent-Beteiligung Eurowings für einen Start ins Billiggeschäft gerade recht kommen - ließe sich so doch an Zuwächsen in diesem Markt mitverdienen, ohne die sorgsam gehütete eigene Marke zu beschädigen. Welchen Kurs Eurowings-Chef Friedrich-Wilhelm Weitholz genau steuern wird, ist noch nicht beschlossen. Weil wegen der Reiseflaute fünf Charter- Airbus A 319 nicht ausgelastet sind, liebäugelt er aber offen mit der Niedrigpreisoption für die Ferienfliegersparte. Der Rest der Flotte von 47 Jets soll - auch im Fall der Fälle - weiter im Regionalflug- Markt bleiben. Bis August soll die Entscheidung fallen.

Aus dem dicht besiedelten Einzugsgebiet Nordrhein-Westfalen heraus könnten Billigflieger in europäische Metropolen und ans Mittelmeer starten, deutet Weitholz an. Dass die Maschinen zunächst von Köln/ Bonn abheben könnten, sei Spekulation. »Wir sprechen mit mehreren Flughäfen.« Eurowings habe auch eine »starke Affinität« zum Heimat-Standort Dortmund. Um weiteren Preisspielraum zu gewinnen, könnten Tickets per Internet verkauft werden, lautet ein Szenario. Vorstellbar wäre auch, dass für die Billigaktivitäten einmal ein neuer Markenname eingeführt wird.

Lufthansa begrüßt Umstellung

Wenn die Überlegungen noch zum Winterflugplan und damit Anfang November Wirklichkeit werden sollen, müssten die ersten Schritte bald folgen. Die wird der Eurowings-Vorstand nicht ohne den Segen des Aufsichtsrats tun, in dem Lufthansa-Vize Wolfgang Mayrhuber sitzt. Der Minderheitsgesellschafter hat schon mitgeteilt, dass er jede Veränderung bei Eurowings begrüße, die zu mehr Produktivität und Wirtschaftlichkeit führe. Lufthansa hat eine Option für weitere 24,1 Prozent der Eurowings-Anteile.

Flugpreise stärker gestiegen

Der schleppenden Nachfrage in Deutschland könnten neue Niedrig- Tarife aufhelfen. Denn die Flugpreise sind stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung, wie das Statistische Bundesamt errechnete. So lagen sie im Juni im Vergleich zum Mai 2002 um 11,3 Prozent höher. Gegenüber Juni 2001 waren Tickets sogar 15,3 Prozent teurer, während die Gesamtinflationsrate bei 0,8 Prozent lag. Die Flugpreise werden jeweils am 15. des Monats gemessen. Dass nach den Anschlägen in den USA Kapazitäten gekappt wurden, habe die Preise getrieben, sagt Andreas Knorr, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Bremen. Außerdem hätten Sicherheitszuschläge und höhere Flugsicherungsgebühren zu Buche geschlagen.

Sascha Meyer und Thomas Strünkelnberg