Tourismus Mallorcas Touristensteuer steht auf der Kippe

Die Touristensteuer auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln steht ein Jahr nach der Einführung auf der Kippe. Die wichtige Reisebrache behauptet, dass sie die Urlauber abschreckt.

Das Schicksal der umstrittenen «ecotasa» (Ökosteuer), die seit dem 1. Mai 2002 von den Urlaubern auf den spanischen Mittelmeerinseln kassiert wird, entscheidet sich bei den Regionalwahlen am 25. Mai. Die konservative Volkspartei (PP) will die Abgabe abschaffen, wenn sie die Wahl auf den Balearen gewinnt und die rot-grüne Regionalregierung in Palma de Mallorca ablöst.

Gegen die Auswüchse des Massentourismus

Die Mehrparteien-Koalition von Sozialisten, Kommunisten, Regionalisten und Grünen hatte die Steuer zum 1. Mai vor einem Jahr mit dem Ziel eingeführt, den Auswüchsen des Massentourismus entgegenzuwirken. Die Urlauber auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera müssen je nach Kategorie der Unterkunft zwischen 0,26 und 2,05 Euro pro Tag zahlen. In den meisten Hotels beträgt der Satz 1,03 Euro pro Nacht und Person.

Viele Hoteliers zogen vor Gericht

Die Abgabe brachte den Balearen im vorigen Jahr 36,7 Millionen Euro ein. Die Regierung ließ mit dem Geld Parks und Wanderwege herrichten, Hotelruinen abreißen oder Sportanlagen bauen. Allerdings floss nur ein Drittel der verbuchten Einnahmen auch wirklich in die Staatskasse. Die meisten Hoteliers, die die Abgabe abführen müssen, hinterlegten lediglich Bürgschaften, denn sie zogen wegen der Steuer vor Gericht.

Taxe ist EU-konform

Der Einführung der Touristenabgabe war ein jahrelanger Streit vorausgegangen. Er ist bis heute nicht abgeflaut. Die EU-Kommission stellte fest, dass die Taxe gegen keine Bestimmungen der Europäischen Union verstößt. Dagegen ließ die spanische Zentralregierung des konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar die «ecotasa» vor dem Madrider Verfassungsgericht anfechten. Sie sieht in der Abgabe eine Doppelbesteuerung.

Hoteliers empfinden sie als 'Schande'

Die Reisebranche, der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig der Balearen, betrachtet die Taxe als einen Schandfleck für das Image der Inseln, der die Touristen abschrecke. Die Hoteliers sehen sich gleich doppelt benachteiligt. Erstens müssen sie die «Mallorca-Steuer» eintreiben. Zweitens werden nur ihre Gäste zur Kasse gebeten, nicht aber die Urlauber, die in privaten Wohnungen untergebracht sind.

Entscheidung fällt bei den Wahlen

Ob die Wahlen am 25. Mai eine Wende bringen, kann derzeit niemand sagen. Es zeichnet sich nämlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Regierungsparteien und der Opposition ab. Die eigentlich Betroffenen, die Urlauber, zahlten die Abgabe bisher ohne zu klagen. Allerdings blieben viele Touristen ganz weg. Auf Mallorca ging die Zahl der Urlauber 2002 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent zurück, die der Deutschen gar um 15 Prozent. Dies ist jedoch nicht allein auf die Ökotaxe zurückzuführen, sondern auch auf die schlechte Wirtschaftslage und die gestiegenen Preise.


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