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Trittin-Forderung: Autobauer zweifeln am Fünf-Liter-Auto

Umweltminister Jürgen Trittin will die Fahrzeugbauer zwingen, bis 2012 nur noch Fünf-Liter-Autos herzustellen. Dieses Ziel sei laut Automobilindustrie aber nur schwer zu erreichen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) fordert von der Autoindustrie mehr Engagement für sparsame Motoren. Bis 2012 sollten die Autobauer dafür sorgen, dass Neuwagen nicht mehr als durchschnittlich fünf Liter pro hundert Kilometer verbrauchen, sagte Trittin der Chemnitzer "Freien Presse".

Der Minister schlug ein Strafgeld für unterlassenen Umweltschutz vor, sollte die Automobil-Branche dieses Ziel bis 2012 nicht erreichen. Mit dem auf diese Weise eingenommenen Geld könne man Klimaschutzprojekte finanzieren.

"Unsere Autos verbrauchen zwei Liter weniger als Anfang der 90er

Die Automobil-Branche habe sich freiwillig verpflichtet, bis 2008 Benzinmotoren mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern zu entwickeln, sagte Trittin. "Davon ist sie mit 6,8 Litern noch weit entfernt", kritisierte er.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, nahm die Branche in Schutz: "Unsere Neufahrzeuge verbrauchen durchschnittlich zwei Liter weniger als zu Beginn der 90er Jahre.“ Nach Angaben des Verbandes schluckt bereits jeder zweite Neuwagen deutscher Hersteller weniger als 6,5 Liter Kraftstoff auf hundert Kilometer, 48 von 250 Modellen Made in Germany kommen laut VDA sogar mit weniger als fünf Litern aus.

Beim Automobilkonzern BMW bezweifelt man, dass 2012 alle Autos mit fünf Litern pro hundert Kilometer auskommen werden. "Die Kunden wollen komfortabel und zügig reisen, sie wollen sichere und leise Fahrzeuge. Bei diesen Ansprüchen sind fünf Liter schwer umzusetzen", sagte BMW-Sprecher Wieland Brùch zu stern.de. Der Anspruch sei nur durch Einsatz neuer und entsprechend teurer Technik realisierbar.

"Nach unseren Erfahrungen sind die Kunden aber mehrheitlich nicht bereit, Geld in die Hand zu nehmen für Technik, die den Kraftstoffverbrauch reduziert", so Brùch weiter. "Am Stammtisch freuen sich alle über das Fünf-Liter-Auto, aber kaufen tut es dann keiner." Deshalb müsse die Politik Anreize für Autokäufer schaffen, die sich für ein sparsames Auto entscheiden: Als Vorschlag nannte der Konzernsprecher Steuererleichterungen wie bei der Einführung der Katalysatoren.

Daimler-Chrysler teilte mit, man arbeite an zahlreichen Projekten, um den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Zu Trittins Ultimatum bis 2012 wollte sich der Konzern jedoch nicht äußern.

Angelika Unger
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