Übernahmepläne BASF im Jagdfieber


Es könnte der größte feindliche Übernahmekampf eines europäischen Konzerns in den USA werden: BASF möchte sich den Katalysatorhersteller Engelhardt einverleiben - notfalls auch gegen den Willen der US-Manager.

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF will den US-Konzern Engelhard schlucken. "Wir haben ein klares Interesse, an den Verhandlungstisch zu kommen und die Transaktion gemeinsam zu gestalten", sagte BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht der "Financial Times Deutschland". Der Chemiekonzern hatte am Montag ein Angebot über 4,9 Milliarden Dollar (rund 4,2 Milliarden Euro) für den US-Spezialchemiekonzern abgegeben. Der indes sieht einer Übrnahme nur widerwillig entgegen. Die Führung von Engelhard hatte einer einvernehmlichen Übernahme laut BASF vorerst nicht zugestimmt und die eigenen Aktionäre aufgefordert, auf die Offerte zunächst nicht zu reagieren.

In einem Interview mit der "Frankfurter Alllgemeinen Zeitung (FAZ)" ließ Hambrecht durchblicken, dass er den US-Konzern jedoch "unbedingt" haben wolle - offenbar auch gegen den Widerstand des dortigen Managements. Der deutsche Konzern will mit dem Kauf des Katalysator- und Pigmentspezialisten zu einem der weltweit führenden Anbieter auf dem wachsenden Katalysatormarkt werden.

BASF hatte den Amerikanern wegen ihrer Weigerung eine feindliche Übernahme angedroht. Den Aktionären wurde angeboten, die Aktien mit einer zusätzlichen Prämie zu übernehmen. Wenn das Geschäft zu Stande kommt, ist es die größte Übernahme in der Geschichte der BASF und die größte feindliche Übernahme eines europäischen Konzerns in den USA.

"Es ist übliche Praxis bei Unternehmen in den USA, sich gegen eine Übernahme zu wappnen", sagte der BASF-Sprecher. "Wir sind aber optimistisch, dass Engelhard das Interesse seiner Shareholder (Anteilseigener) sieht und davon keinen Gebrauch macht." Er bekräftigte, die BASF werde ihr Angebot in einigen Tagen offiziell vorlegen. Nach seinen Angaben ist es das erste Mal, dass sich BASF mit einem Übernahmeangebot direkt an die Aktionäre eines anderen Unternehmens gewendet hat.

"Unser Ziel ist es, uns weiter zu stärken"

"Wir wollen nach wie vor mit Engelhard zu einem einvernehmlichen Miteinander, zu einer gemeinsamen Gestaltung der Zukunft kommen und gemeinsam die richtigen Dinge richtig machen", sagte er der FAZ. Zu möglichen Stellenstreichungen bei Engelhard blieb Hambrecht der FAZ zufolge vage. "Diese Akquisition ist auf Wachstum ausgerichtet. Hier geht es nicht so sehr um Restrukturierungs-Synergien", sagte er.

Übernahmepläne spaltet Analysten

Die etwa 6500 Mitarbeiter zählende Engelhard Corporation aus Iselin in New Jersey ist einer der weltweit führenden Hersteller von Autokatalysatoren. Das Unternehmen produziert zudem Katalysatoren für chemische Prozesse und Pigmente. In den ersten neun Monaten 2005 kam Engelhard auf einen Umsatz von 3,3 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 181 Millionen Dollar.

Die Übernahmepläne spalteten die Analysten in drei Lager. Die Einschätzungen reichten von Verkaufsempfehlungen für die Aktien bis hin zur Begrüßung der Transaktion auf Grund strategischer Vorteile. Positive Stimmen kamen von Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die Analysten von Goldman sehen die Chance für BASF, Marktführer in der Branche zu werden. Sollte die Übernahme von Engelhard zu Stande kommen, dürften sich hohe Wachstumschancen ergeben, hieß es bei Morgan Stanley. Andere Analysten hielten es für möglich, dass die Übernahme teurer als geplant ausfällt, falls sie zu Stande kommt.

DPA/Reuters DPA Reuters

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