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Umstellung der Lufthansa auf Germanwings: Reisebranche erwartet Mehrkosten bei Flügen

Die geplante Verlagerung vieler Europaflüge auf Germanwings bringt der Lufthansa Ärger mit der Reisebranche ein. Der Deutsche Reiseverband beklagt vor allem mögliche Mehrkosten für Kunden.

Die deutsche Reisewirtschaft befürchtet Nachteile für Lufthansa-Kunden durch die geplante Umstellung der meisten innerdeutschen und innereuropäischen Flüge auf die Tochtermarke Germanwings. Nach der Umstellung bekämen Reisebüros in ihren Buchungssystemen den Tarif für die günstigste Sitzklasse "Basic" nicht mehr angezeigt, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV) am Dienstag in Berlin. Germanwings habe angekündigt, diesen Tarif nur noch online über seine Internetseite anzubieten und nicht in die Computer-Reservierungssysteme für Reisebüros einzuspeisen.

Auch in Online-Reiseportalen dürfte nach DRV-Angaben die günstigste Tarifvariante dann nicht mehr angezeigt werden, sagte die DRV-Sprecherin. Wollten Reisebüros und Onlineportale die günstigste Sitzklasse ihren Kunden künftig aber doch noch anbieten, entstehe diesen "ein erheblicher Mehraufwand". Diesen würden sich Reisebüros und Portale "von den Kunden vergüten lassen". Kunden müssten mit Aufschlägen auf die Günstigangebote von Germanwings rechnen.

Sollten Firmen beispielsweise selbst Flüge über das Internet buchen, müssten sie auf die zusätzlichen Dienstleistungen ihrer Reisepartner verzichten, warnte Stefan Vorndran, Vorsitzender des DRV-Geschäftsreiseausschusses. Zu den Dienstleistungen gehörten die 24-Stunden-Betreuung sowie die Zusammenführung und Auswertung der Reisebuchungen über das Geschäftsjahr.

Daneben gehe für Verbraucher wie Reisebüros mit der Umstellung "ein Stück weit Transparenz verloren", da diese dann nicht mehr wie bisher auf den ersten Blick die günstigsten Preise angezeigt bekämen, welche die Lufthansa mit ihrer Tochter Germanwings anbiete, sagte die DRV-Sprecherin. Germanwings war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Lufthansa steht unter erheblichem Kostendruck

Die Lufthansa hatte Ende vergangenen Jahres eine Neuausrichtung für ihr Geschäft mit innerdeutschen und innereuropäischen Flugverbindungen außerhalb der Knotenpunkte Frankfurt am Main und München angekündigt. Demnach sollen sämtliche Direktflüge auf der Kurz- und Mittelstrecke außerhalb dieser Drehkreuze durch Germanwings abgewickelt werden - und nicht mehr unter der Marke Lufthansa. Die Lufthansa steht unter erheblichem Kostendruck. Billigflieger und Airlines aus arabischen sowie asiatischen Ländern machen dem Konzern massiv Konkurrenz.

Derzeit durchläuft die Lufthansa ein Sparprogramm. Der Konzern will unter anderem weltweit 3500 Stellen in der Verwaltung streichen und dadurch zusammen mit anderen Schritten sein Ergebnis im laufenden Geschäft um 1,5 Milliarden Euro verbessern.

Germanwings selbst wies die Vorwürfe zurück. Die globalen Systeme könnten den Basis-Tarif nicht abbilden, sagte Vertriebschef Christian Hein. Dieser beinhalte nur den Flugsitz und sei darauf ausgelegt, dass die Kunden kostenpflichtige Zusatzleistungen zubuchten, was mit den GDS technisch nicht möglich sei. Die höheren GDS-Entgelte für die beiden anderen Tarife deckten lediglich die zusätzlichen Kosten von 15 Euro pro Strecke. Germanwings spreche derzeit mit allen Partnern, wie sie die Flüge kostengünstig online buchen können, sagte Hein. Dabei werde Partnern auch der direkte Zugriff auf das System der Airline angeboten.

ds/DPA/AFP / DPA