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Follow Me Am Beispiel Eurowings: Welche Auswirkungen die Reisewarnungen auf Airlines haben

Ansage im Airbus: Anfang März 2020 übernahm Jens Bischof den Vorsitz der Geschäftsführung von Eurowings mit Sitz in Köln
Ansage im Airbus: Anfang März 2020 übernahm Jens Bischof den Vorsitz der Geschäftsführung von Eurowings mit Sitz in Köln
© Marcel Kusch / DPA
Ein Ende der Krise ist noch lange nicht in Sicht: Immer neue Reisewarnungen und Quarantäne-Bestimmungen verunsichern nicht nur potenzielle Reisende, sondern auch die Fluggesellschaften.

Seit Mittwochabend gibt es eine Reisewarnung für alle Regionen Spaniens. "Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Spanien wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt", heißt es auf der Website des Auswärtigen Amtes. Damit ist das Lieblings-Auslandsreiseziel der Deutschen zum Risikogebiet erklärt worden. Urlauber können ihre geplanten Reisen bei den Veranstaltern kostenlos stornieren.

Auch die Änderungen der Quarantäneregeln für Rückkehrer haben gravierende Auswirkungen auf das Reiseverhalten. "Die Reisewarnungen für Mallorca und Spanien haben sofort auf die Buchungszahlen durchgeschlagen", sagt Jens Bischof, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Eurowings. Bei den Buchungen für Palma habe der Billigflieger einen Rückgang um 50 Prozent hinnehmen müssen, sagte Bischof am Mittwochabend auf einer Veranstaltung des Luftfahrt Presse Clubs in Hamburg.

Zehn statt 149 Flugzeuge in der Luft

Wie sehr die Luftfahrt von der Pandemie getroffen wurde, zeigen die Zahlen am Beispiel Eurowings: Ursprünglich war vor Corona für den Sommer 2020 der Einsatz von 149 Flugzeugen geplant. Doch im April stand die Flotte bis auf zehn Jets für den Rumpfflugplan fast vollständig am Boden.

Die Tochtergesellschaft der Lufthansa trennte sich von angemieteten Flugzeugen der Tuifly, Czech Airlines und der Luftfahrtgesellschaft Walter, zog die Schließung der Germanwings vor und war in der sommerlichen Hauptsaison nur mit 40 Jets unterwegs.

Doch eine Rückkehr zur Normalität zeichnet sich nicht ab. Im Gegenteil: Mit dem Ende der Sommerferien sei "die Nachfragekurve wieder abgeflacht", so Bischof. Die täglich wechselnden Rahmenbedingungen mit Reisewarnungen und Quarantäne-Anordnungen seien für eine Planung wenig hilfreich und "erfordern eine Kapazitätsanpassung", sprich eine Reduzierung der Flüge. Denn wer wird jetzt für die anstehenden Herbstferien einen Urlaub auf Gran Canaria oder Teneriffa buchen?

Einzig das Segment der Geschäftsreisenden sei stabil, deren Anteil entwickele sich "auf niedrigem Niveau leicht nach oben." Außerdem haben die im Frühjahr in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft durchgeführten Charterflüge zu Zielen in Ost- und Südosteuropa zu zusätzlichem Umsatz geführt. So konnten 20.000 Erntehelfer mit 150 Flügen kurzfristig nach Deutschland eingeflogen werden.

In den nächsten September-Wochen werden "höchstens 50" der nur noch aus ungefähr 100 Flugzeugen bestehenden Flotte benötigt. Die übrigen Jets bleiben weiterhin am Boden und sind an mehreren deutschen Flughäfen geparkt.

Droht jetzt ein Preiskampf?

Der Durchschnittspreis verkaufter Tickets sei im Vergleich zu vor Corona ungefähr stabil geblieben. Von Flugtickets zum Schnäppchenpreis von fünf Euro hält der Eurowings-Chef nichts. Ramschpreise helfen weder dem Markt noch der Umwelt.

"Vertrauen, Sicherheit und Mehrwert statt Preiskampf", lautet seine Devise. Laut Umfragen sei den Kunden ein verlässliches Hygienekonzept wichtiger. "Der Preis ist nicht mehr Anlass für eine Kaufentscheidung", sagte Bischoff. Wie bei allen Airlines der Lufthansa-Gruppe gibt es eine Maskenpflicht an Bord, die auch durchgesetzt wird; die Flugbeleiter seien entsprechend geschult.

Blockierter Mittelsitz nur gegen Aufpreis

Den von Flugreisenden immer wieder geforderten freier Mittelsitz gibt es allerdings nur gegen Aufpreis. Anders als in den Vereinigten Staaten, wo sich die Fluglinien den freigehaltenen Mittelplatz vom Staat bezahlen lassen, muss man bei Eurowings dafür das Callcenter anrufen. Erst ab Herbst wird die Option in die Online-Buchung integriert.

Der Preis für den blockierten Sitz beginnt bei 18 Euro und steigert sich je nach Strecke und Nachfrage bis zum dreistelligen Bereich. Doch da bestimmte Kosten für die Passagiere an den Flughäfen entfallen, bleibt der Preis für einen freien Mittelsitz unter dem eines verkauften Sitzplatzes.

Welche lange Wegstrecke nach einem halben Jahr Corona-Pandemie bis zur Erholung der Branche noch zurückgelegt werden muss, unterstreichen auch Zahlen, die die Flughäfen vorlegen. Am größten deutschen Airport in Frankfurt glaubte man Anfang August das Corona-Tief überwunden zu haben, die Passagierzahlen zogen langsam wieder an. Doch seit Mitte August werden wieder weniger Passagiere abgefertigt. Die wöchentlich veröffentlichte Statistik belegt für die letzten beiden Augustwochen einen Rückgang von 79 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Am Hamburg Airport sieht es kaum besser aus. Der momentane Passagierrückgang beträgt ungefähr 70 Prozent: Vor Corona verzeichnete Hamburg täglich 50.000 Passagiere - jetzt sind es maximal 15.000. Flughafenchef Michael Eggenschwiler rechnet für sein Unternehmen durch den drastischen Rückgang des Verkehrsvolumens mit einem Verlust von 100 Millionen Euro in diesem Jahr. Er nimmt sogar ein Wort in den Mund, das in Luftfahrtkreisen nur ungern ausgesprochen wird. "Geschäftsmäßig ist das ein Absturz". Mit einer Normalisierung in der Luftfahrt rechnet er nicht vor dem Jahr 2025. 

Aber wer weiß, ob jemals wieder ein Vor-Corona-Niveau erwartet werden kann. "Alle Zahlen sind weder richtig noch falsch", so Eggenschwiler. Der Blick in die Zukunft gleicht dem in die Glaskugel. Die Prognosen und Zahlen belegen eher die Ratlosigkeit der Branche.

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