VG-Wort Pixel

Kahlschlag beim Kranich Airline in der Krise: Lufthansa zieht die Notbremse

Bleiben für immer am Boden: Die 14 Airbus A380 der Lufthansa. Am Montag beschloss der Vorstand des Unternehmens die "Ausflottung" des doppelstöckigen Flugzeuges - den Langzeitparkmodus für das Flaggschiff.
Bleiben für immer am Boden: Die 14 Airbus A380 der Lufthansa. Am Montag beschloss der Vorstand des Unternehmens die "Ausflottung" des doppelstöckigen Flugzeuges - den Langzeitparkmodus für das Flaggschiff.
Keine Spur mehr von vorsichtigem Optimismus bei der Lufthansa. Die Buchungseinbrüche sind zum Herbst dermaßen dramatisch, dass die Airline auch alle Exemplare ihres Flaggschiffs, den Airbus A380, für immer aus dem Verkehr zieht.

"Wir verlieren im Augenblick immer noch alle 90 Minuten eine Million Euro an flüssigen Mitteln“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr vergangene Woche seinen Mitarbeitern und kündigte gleichzeitig schlechte Nachrichten für die kommende Woche an, wenn der Vorstand tagt: "Ich kann nur harte Zeiten versprechen."

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Trotz Staatshilfe schüttelt die Corona-Krise die Fluglinie nach wie vor heftig durch. "Die bisherige Annahme, im vierten Quartal des Jahres ein durchschnittliches Produktionsniveau von 50 Prozent des Vorjahreswertes zu erreichen, erscheint nicht mehr realistisch", heißt es in einer Presseerklärung von Montag. Jetzt geht der Vorstand davon aus, dass im Vergleich zum Vorjahr nur noch mit einer Nachfrage zwischen 20 und 30 Prozent zu rechnen ist.

Daher seien tiefere Einschnitte bei der Flottengröße und für das Personal erforderlich. Das ist insbesondere für die Lufthanseaten bitter, die sich noch in Kurzarbeit befinden und die Hoffnung auf bessere Zeiten noch nicht aufgegeben hatten. Um Kündigungen wird das Unternehmen nicht herumkommen.

Tausende von Jobs stehen auf der Kippe

In der Pressemitteilung wird dieses Horror-Szenario für die Mitarbeiter sprachlich noch in Watte gepackt. "Der bisher avisierte rechnerische Personalüberhang von 22.000 Vollzeitstellen erhöht sich in Folge der Entscheidungen für das dritte Paket des Restrukturierungsprogramms."

Die Lufthansa wird sich demnach von noch mehr Beschäftigten am Boden und in der Luft trennen müssen. Die Anzahl der "notwendigen betriebsbedingten Kündigungen" soll begrenzt werden, heißt es vorsichtig ausgedrückt.

Die Airline-Gruppe der Lufthansa, zu der auch die Fluglinien Swiss, Austrian, Eurowings und Brussels Airlines gehören, hält sich im Moment nur über Wasser - beziehungsweise in der Luft - mit geliehenem Geld: Auf insgesamt 9 Milliarden Euro summiert sich der Kredit, der auf Steuergeldern basiert und zurückgezahlt werden muss. Irgendwann in der Zukunft.

Doch der Termin rückt bei der momentanen Entwicklung und Buchungsunlust der Kunden durch eine neue Vielzahl von Reisewarnungen und Quarantäneauflagen in immer weitere Ferne. Deshalb werden zukünftig noch mehr Flugzeuge am Boden bleiben. Bisher waren nur sechs von 14 Airbus A380 mit dem Kranich am Leitwerk langfristig geparkt. Doch die sechs Exemplare, sollten eh an Airbus zurückgegeben werden.

Das Aus für alle Airbus A380

Doch heute wurde auch verkündet, dass die restlichen acht A380, die im Moment noch in München und Frankfurt geparkt sind, in den "sogenannten Langzeitparkmodus (long-term storage) überführt und aus der Planung genommen" werden.

Eine Entscheidung mit denkbar hoher Symbolkraft: Die Flaggschiffe der Lufthansa, die teilweise keine sechs Jahre alt und bei den Passagieren in alle Reiseklassen sehr beliebt sind, werden nie mehr im Flugplan der Airline auftauchen.

Ob sich die Lufthansa auch von allen Jumbojets vom Typ 747-400, wie im Vorfeld vermutet wurde, trennen wird, ließ der Vorstandbeschluss offen. Allerdings werden die verbleibenden sieben Airbus A340-600 endgültig außer Dienst gestellt.

Das Höchste in einer Fliegerkarriere bei der Lufthansa war der Job auf dem linken Platz im Cockpit eines Airbus A380: Flugkapitän auf dem größten Passagierjet der Welt. Doch jetzt stehen die Piloten und Pilotinnen samt Flugbegleiter dieses Flugzeugtyps vor dem Aus. 

Wie lange die Durststrecke noch dauern wird, darüber mag sich kaum ein Verantwortlicher in der Luftfahrtbranche äußern. Eine Erholung sei vielleicht bis Mitte der 2020er zu rechnen, mutmaßen Fachleute.

Der Lufthansa-Chef wird das "dritte Paket des Restrukturierungsprogramms" durchziehen, weil er kaum eine andere Wahl hat. "Es ist nicht absehbar, ob wir 2019 je wieder erreichen", sagte Spohr vergangene Woche. Das sind alles andere als optimistische Worte.

Lesen Sie auch:

 - Am Beispiel Eurowings: Welche Auswirkungen die Reisewarnungen auf Airlines haben

Flug in den Konkurs: Das sind die größten Airline-Pleiten der letzten Jahre

Peinliches Jubiläum am BER: 3000 Tage Nichteröffnung des neuen Hauptstadtflughafens


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker