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Follow Me Sieben Stunden in der Luft: Flüge nach Nirgendwo finden reißenden Absatz

Der Airbus A380 verkehrt bei All Nippon Airways eigentlich zwischen Japan und Honolulu. Jetzt stehen beide Exemplare am Boden. Doch damit die Jets mit der aufgemalten hawaiianischen Meeresschildkröte (Honu) nicht "einrosten", unternehmen sie auch Testflüge mit zahlenden Passagieren, um fit für ihren Einsatz im Linienbetrieb zu bleiben.
Der Airbus A380 verkehrt bei All Nippon Airways eigentlich zwischen Japan und Honolulu. Jetzt stehen beide Exemplare am Boden. Doch damit die Jets mit der aufgemalten hawaiianischen Meeresschildkröte (Honu) nicht "einrosten", unternehmen sie auch Testflüge mit zahlenden Passagieren, um fit für ihren Einsatz im Linienbetrieb zu bleiben.
© Airbus
Langstreckenflüge mit Passagieren sind derzeit noch eine Seltenheit, besonders in Ländern wie Australien, die den internationalen Flugverkehr wegen Corona ganz eingestellt haben. Immer mehr Airlines setzen in der Krise auf Sightseeing-Flüge.

Den Anfang machte Taiwan: Am Vatertag Anfang August verkaufte die Fluggesellschaft Eva Air Tickets für einen Flug mit einem großen Airbus, der zum Ausgangsziel zurückführt. Die mehr als 300 Tickets für den Rundflug bis zu den östlich gelegenen Ryūkyū-Inseln waren rasch ausverkauft.

Umgerechnet 150 Euro nahm die Fluggesellschaft pro Passagier ein – eine Win-Win-Situation für Airline und Fluggäste. Denn so kompensiert das Unternehmen momentane Umsatzausfälle, bewegt die sonst am Boden geparkten Jets, und die Passagiere glauben, sie würden in den Urlaub fliegen.

Der Flug ist das Ziel

Durch die Corona-Pandemie ist ein neuer Markt entstanden: für Flüge, die eigentlich nirgendwohin führen. Mit diesen Trips ins Blaue werden nicht Menschen von A nach B transportiert, sondern die Flugreise selbst wird zum eigentlichen Ziel.

Anscheinend ist das Bedürfnis in Zeiten strikter Reisebeschränkungen nach dieser Art von Kompensationsreisen groß. Andere Fluglinien aus Taiwan, wie der Newcomer Starlux Airlines, setzt bei den Rundflügen mit einem exquisiten Catering auf ein einmaliges Flugerlebnis.

Da Städte in Australien wie Melbourne momentan durch einen verlängerten Lockdown heftig von der Pandemie betroffen sind, plant die Fluglinie Qantas in diesem Jahr keinerlei internationale Flüge mehr: Die gesamte Airbus A-380-Flotte wurde zur Einlagerung nach Victorville in die kalifornische Wüste geflogen.

Tickets in 10 Minuten verkauft

Australier können innerhalb ihres Kontinents nur begrenzt Linienflüge buchen, kaum zwischen einzelnen Bundesstaaten. Doch ein Bedarf nach längeren Trips scheint weiterhin zu bestehen. Denn wer diese Woche ein Ticket für einen im Oktober geplanten Rundflug über dem fünften Kontinent erwerben wollte, musste schnell sein. Nach zehn Minuten waren alle Plätze vergeben. "Das ist wahrscheinlich der am schnellsten ausverkaufte Flug in der Geschichte von Qantas", sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag.

Eine Boeing 787-9 von Qantas vor dem Hangar der Qantas Sydney Jet Base
Eine Boeing 787-9 von Qantas vor dem Hangar der Qantas Sydney Jet Base
© Peter Rae/AAP / DPA

Die Boeing 787-9 der Fluggesellschaft soll am 10. Oktober in Sydney starten und im Tiefflug bekannte Attraktionen wie das Great Barrier Reef vor Queensland oder den Felsen Uluru im Northern Territory im Lande ansteuern. Nach sieben Stunden wird der Dreamliner wieder in Sydney landen. Die Preise betragen umgerechnet 480 Euro in der Economy und 2300 Euro in der Business Class, inklusive einem grauen Qantas-Schlafanzug mit Känguru-Motiv zum Mitnehmen.

Über den reißen Absatz der Tickets für diesen Sightseeing-Flug war Qantas selbst überrascht. "Wenn es eine Nachfrage gibt, dann werden wir definitiv überlegen, weitere Rundflüge anzubieten, bis die Inlandsgrenzen wieder öffnen."

Weitere Angebote aus Japan, Taiwan und Singapur

Am 22. August startete All Nippon Airways sogar mit einem Airbus A380 zu einem 90-minütigem Rundflug in Japan. An Bord des Sonderfluges waren 334 Passagiere, die per Los ausgewählt wurden. Der größte Passagierjet der Welt kommt bei ANA eigentlich nur auf der Route zwischen Tokio und Hawaii zum Einsatz.

Das Singapore Tourism Board und Singapore Airlines, die übrigens einen Teil ihrer Flotte bei Alice Spings in der australischen Wüste geparkt haben, planen laut Medienangaben für den kommenden Monat ebenfalls Rundflüge für die Einwohner des Stadtstaates. Im Gespräch sind Trips von dreistündiger Dauer mit einem Airbus A350. Der Arbeitstitel lautet: "no-destination flights" – Flüge ohne Ziel.

Bedeutend umweltfreundlicher waren bereits mehrere Flüge vom Songshan Airport in Taipeh. China Airlines ermöglichte Reiselustigen schon im Juli mehrmals ein besonderes Erlebnis: Real sind für die Passagiere Check-in mit Gepäckaufgabe, Lounge-Aufenthalt, Airport-Shopping und das Betreten des Flugzeuges. Flugbegleiter geben ihre Sicherheitsanweisungen, nachdem die Passagiere Platz genommen haben und informieren über ihre Covid-19-Maßnahmen.

Doch der Airbus rollt nie zum Start. Nach einem Drink geht es zurück ins Terminal, durch die Pass- und Zollkontrolle und zu einem abschließenden Essen im Flughafenrestaurant. Mehr als drei Stunden nimmt die virtuelle Flugreise in Anspruch – ohne jeglichen Schadstoffausstoß aus Triebwerken.

Quellenhttps://simpleflying.comwww.straitstimes.comwww.qantas.com

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