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UNTERNEHMEN: Post will Porto nicht senken

Die Post will künftig neue Chancen durch die angestrebte Liberalisierung im europäischen Wettbewerb nutzen und Briefe auch in anderen Ländern Europas befördern.

Die Deutsche Post AG will in Zukunft auch in anderen europäischen Ländern Briefe befördern. Post-Vorstandsvorsitzender Klaus Zumwinkel kündigte am Donnerstag in Köln an, das Unternehmen wolle die Chancen nutzen, die die Entscheidungen der EU-Kommission für die weitere Liberalisierung im Briefsektor brächten. Aktionärsvertreter lobten überwiegend Zumwinkels Arbeit, bedauerten aber den schlechten Kurs der Post-Aktie.

Beispiel Großbritannien

Als Beispiel für die Expansionsziele der Post nannte Zumwinkel auf der Hauptversammlung des Konzerns vor rund 4.000 Aktionären Großbritannien. Töchter der Deutschen Post sind dort bereits die Nummer Eins im Paketdienst und im Expresssektor. »Wir werden dort das Know-how im Briefsektor hineintragen.« Weitere Einzelheiten zu der neuen Europastrategie wird er im Sommer bekannt machen.

»Asien fest im Blick«

Auch in den Bereichen Express und Logistik setzt die Post auf die weltweiten Märkte. Nach der Übernahme der Mehrheit am US-Unternehmen DHL hat man »Asien fest im Blick«, sagte Zumwinkel. Die Post AG beobachte die Märkte, besonders China, sehr genau und werde dort, wo es sich lohne, gezielt investieren.

Unzufrieden mit Kurs der Post-Aktie

Zumwinkel bekräftigte das Ziel, den Post-Konzern zur weltweiten Nummer Eins in der Logistik zu machen. Die Abhängigkeit vom Briefgeschäft soll in drei bis vier Jahren von heute fast 70 Prozent Ergebnisanteil auf 50 Prozent gesenkt sein. Unzufrieden äußerte er sich über die Entwicklung der Post-Aktie. Vom Ausgabekurs 21 Euro im November 2000 ist sie auf derzeit knapp über 15 Euro gesunken. Der Kurs wurde durch die Terroranschläge des 11. September 2001, die nachfolgenden Drohungen mit angeblich durch Milzbranderreger verseuchten Briefen sowie durch die Debatte um die Teilbefreiung der Post von der Umsatzsteuer belastet. Seit Januar entwickelte sich die Postaktie allerdings besser als der DAX. Zumwinkel lehnte erneut eine Senkung des Briefportos ab. Mit 56 Cent für den Standardbrief liegt die Deutsche Post im europäischen Mittelfeld, bietet aber für diesen Preis eine Brieflaufzeit, für die in anderen europäischen Ländern und in den USA teure Expressdienste bezahlt werden müssen.

Kurzfristig kein zweiter Börsengang

Kurzfristig ist kein zweiter Börsengang der Post zu erwarten, sagte Zumwinkel. Der Bund will aber »an der Praxis festhalten, Anteile aus seinem Besitz bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)« zu parken.

Ziele im Plan

Trotz des Gewinneinbruchs um 6,5 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres sieht der Post-Chef das Unternehmen im Plan. Das deutliche Umsatzplus um 13,1 Prozent und der »leichte Ergebnisrückgang« entsprechen den Erwartungen. Mit rund 380.000 Mitarbeitern weltweit will die Deutsche Post World Net das Geschäftsjahr 2002 mit einem Umsatz von über 40 Milliarden Euro abschließen, so Zumwinkel. 2001 hatte der Umsatz 33,4 Milliarden Euro betragen, das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBITA) rund 2,6 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern 1,6 Milliarden Euro.

Lob der Aktionäre

Aktionärsvertreter bescheinigten Zumwinkel solide Zahlen und ein »starkes Finanzwerk«. Insgesamt könnten die Anteilseigner zufrieden sein. Wunder Punkt ist der Aktienkurs. Leider handelt es sich um eine »politische Aktie« mit dem Bund als »nicht kalkulierbarem Großaktionär«, meinte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.