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Unverpackt-Gründerin: "Verpackungsfreie Supermärkte in ganz Deutschland"

Ein Supermarkt ohne Plastiktüten, ohne Verpackungen, ohne Müll. Das ist die Vision von Sara Wolf und ihren Mitstreitern. Im Interview erklärt die Gründerin, wie die Idee ganz Deutschland erobern soll.

Von Daniel Bakir

Selbst Obst und Gemüse steckt im Supermarkt häufig in Plastikverpackungen, an der Kasse kommt noch eine Plastiktüte dazu, und am Ende landet die Hälfte im Müll, weil die Packung viel zu groß war. All das soll mit dem Konzept von Sara Wolf und Milena Glimbovski nicht passieren. Die beiden Gründerinnen aus Berlin wollen mit ihrem Supermarkt "Original unverpackt" das Einkaufen umweltfreundlich machen. Statt in Plastik abgepackt, stecken die Waren in großen Boxen, aus denen genau die gewünschte Menge in wiederverwendbare Behältnisse abgefüllt wird. Die kann man entweder selbst mitbringen oder im Laden erhalten.

Mit einer Crowdfunding-Aktion sammelt das Start-up gerade das Geld ein, das noch fehlt, um den ersten Laden zu eröffnen. Mehr als 2500 Unterstützer haben schon Geld gespendet, das Fundingziel von 45.000 Euro ist lange vor Ablauf der Frist deutlich übertroffen. Im Interview mit stern.de spricht Mitgründerin Sara Wolf über das Konzept von "Original unverpackt" und die weiteren Pläne.

Ein Supermarkt ohne Verpackungen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Sara Wolf: Meine Mitgründerin Milena Glimbovski hatte die Idee schon länger, und beim Anblick des Mülls, den wir mal wieder beim Kochen verursacht hatten, haben wir uns dann entschieden beim Businessplan-Wettbewerb mitzumachen. Unser Konzept kam gut an und irgendwann wurde dann aus den Gedankenspielen Ernst. Ich habe meinen Job gekündigt und Milena ihr Studium unterbrochen.

Das Fundingziel von 45.000 Euro habt ihr schon jetzt weit übertroffen. Seid ihr überrascht über so viel Zuspruch?
Wir wussten schon, dass die Idee gut ankommt. Aber dass so viele Leute nicht nur sagen, "find ich toll", sondern, dass sie auch etwas dafür tun, damit das Konzept umgesetzt wird, haben wir nicht erwartet. Wir freuen uns über jeden Euro der reinkommt.

Was passiert mit dem Geld?
Wir sind gerade an einer Immobilie in Berlin dran und wollen im August oder September den ersten Laden eröffnen. Dabei soll es aber nicht bleiben. Wir stellen uns ein Franchise-System mit vielen Partnern vor. Wir haben viele Anfragen bekommen von Leuten, die mit uns zusammenarbeiten wollen. An die wollen wir unser Know-how weitergeben, sodass sie ihren eigenen Laden aufmachen. So kann sich die Idee am schnellsten verbreiten. Wir wollen verpackungsfreie Supermärkte in ganz Deutschland.

Woher kommen denn die Produkte ohne Verpackung?
Viele kommen aus der Region, wo wir mit Bauern zusammenarbeiten. Die beliefern uns mit großen wiederbefüllbaren Behältnissen. Dazu kommen auch einige Bio-Großhändler.

Wird es die gleichen Produkte geben wie in einem herkömmlichen Supermarkt?
Wie werden alles anbieten, was auch ein normaler Supermarkt hat, allerdings nicht in so einer Breite, sondern eben immer nur ein Produkt. Wo es nicht ohne Verpackung geht, weichen wir auf Mehrweg oder umweltfreundliche Verpackungen wie Papier aus.

Ist das nicht alles zwangsläufig teurer als im Supermarkt?
Nein, wir streben normales Supermarktniveau an. Bei vielen Produkten macht die Verpackung 20 Prozent des Preises aus und das entfällt bei uns. Daher werden wir bei einigen Produkten sogar günstiger sein. Unverpackt soll keine elitäre Geschichte bleiben. Daher wollen wir neben Bio auch konventionelle Produkte anbieten, zum Beispiel Reis oder Pasta. Gerade die sind unverpackt besonders günstig.

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