US-Finanzkrise Notenbank warnt vor Wirtschaftsabsturz


Drastische Worte vom Chef der US-Notenbank: Falls der US-Kongress die 700 Milliarden Dollar zur Rettung des US-Finanzsektors nicht bewillige, sieht Ben Bernanke zahlreiche Jobs in Gefahr. Trotz seiner Warnungen formiert sich im Senat prominenter Widerstand.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat ein düsteres Bild von der Lage der amerikanischen Wirtschaft gezeichnet und den Kongress eindringlich aufgefordert, 700 Milliarden Dollar für das geplante Hilfspaket für die angeschlagene Finanzwirtschaft zu bewilligen. Bernanke warnte ungewohnt drastisch vor wirtschaftlichen Folgen, falls das Rettungspaket nicht rasch beschlossen würde.

Die Krise des Finanzsektors der vergangenen Wochen "könnte eine wesentliche Bremswirkung auf das Wachstum haben", sagte Bernanke vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des Kongresses am Mittwoch in Washington. Die Risiken für das Wirtschaftswachstum blieben ein Grund zu "großer Sorge". Wesentlich sei es nun, ob es gelinge, den Finanzsektor zu stabilisieren.

Die US-Wirtschaft ist nach Bernankes Worten mit "erheblichen Herausforderungen" konfrontiert: Arbeitsmarkt und Realeinkommen seien geschwächt, die Inflation steige und die Konsumausgaben seien gesunken. Insbesondere der Automarkt leide unter diesen Entwicklungen Positiv sei aber, dass der Ölpreis deutlich gefallen sei und der Dollar sich stabilisiert habe.

Vor dem Bankenausschuss des Senats hatte der Notenbankchef bereits am Dienstagabend gewarnt, sollte das Paket nicht schnell verabschiedet werden, drohe Arbeitsplatzabbau und eine abnehmende Wirtschaftsleistung. Die Finanzmärkte seien in schlechter Verfassung und Untätigkeit würde alles verschlimmern. "Wenn die Kreditmärkte nicht funktionieren, dann gehen Jobs verloren, unsere Schuldenquote wird steigen, mehr Häuser werden zwangsversteigert werden, das Bruttoinlandsprodukt wird schrumpfen", sagte Bernanke.

Trotz der deutlichen Warnungen stößt das Rettungspaket im US-Senat auf Skepsis. Der demokratische Vorsitzende im Bankenausschuss, Chris Dodd, kritisierte den Rettungsplan als nicht akzeptabel. Auch der republikanische Senator Jim Bunning verwarf ihn als "finanziellen Sozialismus und unamerikanisch". Der frühere US-Präsident Jimmy Carter kritisierte das geplante Rettungspaket ebenfalls als "äußerst fehlerhaft".

Die US-Regierung braucht für ihr Vorhaben, die Steuerzahler 700 Milliarden Dollar zur Stabilisierung der Banken aufbringen zu lassen, das Einverständnis des Kongresses, in dem die Demokraten die Mehrheit haben. Präsident George W. Bush erwartet trotz der Diskussionen im Kongress die Verabschiedung eines letztlich "robusten Plans", wie er bei einem Treffen am Rande der UN-Vollversammlung zum Thema Freihandel am Mittwoch in New York sagte.

FBI ermittelt wegen Betrugsverdacht

Das FBI hat inzwischen Ermittlungen wegen Betrugsverdachts gegen die von der Finanzmarktkrise schwer gebeutelten Unternehmen Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman Brothers und AIG aufgenommen. Zwei ranghohe Beamte sagten der Nachrichtenagentur AP, die Ermittlungen befänden sich im Anfangsstadium und würden sich auf die Unternehmen und deren Führungsebene beziehen. Damit ermittelt das FBI inzwischen gegen 26 US-Finanzunternehmen.

Einen Investor hat derweil Goldman Sachs gefunden: Mit dem 78-jährigen Warren Buffett steigt einer der gewieftesten Investoren der Welt bei der Bank ein. Der Multimilliardär will mindestens fünf Milliarden Dollar in das Institut investieren. Goldman Sachs, eines der ehemals fünf großen Investmenthäuser der Wall Street, kam bisher vergleichsweise gut mit der Finanzmarktkrise zurecht.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht im Zusammenhang mit der Kreditkrise mittlerweile von Belastungen in Höhe von 1,3 Billionen Dollar für das weltweite Finanzsystem aus. Diese Summe nannte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bei einer Konferenz, so eine Sprecherin. Die vorherige IWF-Schätzung lag bei höchstens 1,1 Billionen Dollar.

AP/Reuters AP Reuters

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