HOME

US-Kreditmärkte: Notenbank legt eine Billion Dollar nach

Im Kampf gegen die Rezession greift die US-Notenbank Fed zu ihrer letzten Waffe: Sie wirft die Notenpresse an und kauft Staatsanleihen für bis zu 300 Milliarden Dollar. Darüber hinaus will die Fed den staatlichen Hypothekengiganten für faktisch nahezu wertlose Papiere 750 Milliarden Dollar zahlen. Analysten sprechen von einem "dramatischen" Beschluss.

Die US-Notenbank greift im Kampf gegen die schwerste Rezession seit Jahrzehnten zu drastischen Mitteln. Wie die Federal Reserve am Mittwochabend nach einer Sitzung in Washington mitteilte, will sie in den kommenden Monaten für bis zu 300 Milliarden Dollar langlebige Staatsanleihen kaufen. Zudem will die Zentralbank von den staatlichen Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac garantierte Papiere im Wert von 750 Milliarden Dollar aufkaufen - dabei handelt es sich zum größten Teil um praktisch wertlos gewordene Schrottpapiere. Finanziert werden die Ankäufe, durch die weitere Milliarden Dollar in die taumelnde US-Wirtschaft gepumpt werden sollen, durch die Notenpresse.

Fed-Chef Ben Bernanke erklärte im Begleitkommentar zu dem von einigen Analysten als "dramatisch" bezeichneten Beschluss, die wirtschaftliche Lage habe sich seit dem letzten Treffen der Notenbanker im Januar weiter verschlechtert. Die Fed werde in dieser Lage alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um Schlimmeres zu verhindern.

Den nach aggressiven Zinssenkungen im vergangenen Jahr praktisch bedeutungslos gewordenen Leitzins beließ der für die Geldpolitik der Federal Reserve zuständige Offenmarktausschuss wie erwartet beim bisherigen Zielband zwischen null und 0,25 Prozent. Dort werde er auch eine längere Zeit bleiben, erklärte Bernanke.

Am Anleihenmarkt sorgte die Ankündigung der Notenbank für Kursgewinne.Der Dow-Jones-Index für die 30 führenden Industriewerte verbesserte sich um 1,2 Prozent auf 7486 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um zwei Prozent auf 1491 Punkte. Dafür verlor der Dollar zum Euro an Wert: Der Kurs des Euro sprang im späten Handel auf ein Zweimonatshoch knapp unter 1,35 Dollar.

Vorbild Großbritannien

Bernanke hatte bereits im Dezember die Möglichkeit angedeutet, dass die Fed Staatsanleihen kaufen könnte. Er verfolgt damit das Ziel, den Banken, aber auch dem Staat neue Milliarden zur Verfügung zu stellen. Die Fed ist bereits seit Monaten dabei, Liquidität in die verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddy Mac zu schießen. Seit Dienstag läuft auch ein Programm mit dem die Fed direkt die Kreditbedingungen für kleine und mittlere Firmen, Studenten und Autofahrer verbessern will.

Vor der Fed hatte bereits die britische Notenbank mit dem Ankauf von Staatstiteln begonnen, um die heimische Wirtschaft mit Geld zu fluten. Die Bank von Japan kündigte am Mittwoch die Ausweitung ihres laufenden Ankaufprogramms für Bonds auf knapp 220 Milliarden Euro an. Auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wird mittlerweile über den Kauf von sogenannten Commercial Papers diskutiert. Im Gegensatz zu den anderen Notenbanken hat die EZB aber noch Spielraum beim Leitzins. Dieser steht seit Anfang März bei 1,5 Prozent.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters