Verdacht auf Preisabsprachen Kartellamt besucht Schokoladen-Firmen


Haben wir zu viel für die Schokolade bezahlt? Mehrere deutsche Süßwarenhersteller stehen im Verdacht, illegal die Preise abgesprochen zu haben. Fahnder haben die Geschäftsräume von sieben großen Unternehmen der Branche durchsucht, vor allem Hersteller von Schokoladenprodukten.
Von Birgit Dengel und Katja Wilke

Betroffen waren unter anderem Milka-Hersteller Kraft Foods, der Schokoriegelspezialist Mars, Kitkat-Produzent Nestlé sowie das Familienunternehmen Ritter. Entsprechende FTD-Informationen bestätigte ein Kartellamtssprecher. Betroffen waren unter anderem Milka-Hersteller Kraft Foods, der Schokoriegelspezialist Mars, Kitkat-Produzent Nestlé sowie das Familienunternehmen Ritter. Weitere Unternehmen erhielten am Freitag Schreiben vom Kartellamt, dass Ermittlungen gegen sie laufen.

Preise sollen parallel steigen

Hintergrund ist der starke Anstieg von Süßwarenpreisen in den vergangenen Wochen. Dabei hatten mehrere Unternehmen fast zeitgleich angekündigt, ihre Preise anheben zu wollen. Alfred Ritter beispielsweise, Inhaber der Firma Ritter, sagte im Dezember, ab 2008 würden seine Schokoladenprodukte um ein Fünftel teurer als bislang. Kurz darauf folgte eine Ankündigung von Kraft Foods. Nach Branchenschätzungen lagen die Erhöhungen im Schnitt bei zehn bis zwölf Prozent. Die Unternehmen begründeten die höheren Preise mit stark gestiegenen Rohstoffkosten. So zahlen Süßwarenhersteller heute etwa für Kakao oder Nüsse deutlich mehr als noch vor einem Jahr.

Die Preiserhöhungen erfolgten unter dem Eindruck der 2007 besonders scharf geführten so genannten Jahresgespräche. Darin einigen sich Händler und Hersteller nach oft wochenlangen, zehrenden Diskussionen über die Abgabepreise von Lebensmitteln.

Erbitterte Preisverhandlungen

Nach Aussagen der Produzenten verliefen die Gespräche unerbittlicher als in den vergangenen Jahren; viele Nahrungsmittelhersteller fürchteten, dass ihre Waren aus den Regalen ausgelistet würden, falls sie sich nicht auf die Forderungen der Händler einließen. Die von den jüngsten Durchsuchungen betroffenen Hersteller besonders bekannter Marken treten dagegen oft selbstbewusst auf, weil die Händler nur schwer auf sie verzichten können. "Dass alle zur gleichen Zeit die Preise angehoben haben, hat deswegen misstrauisch gemacht", sagte der Inhaber eines Süßwarenherstellers.

Bei Molkereiprodukten hatte das Kartellamt bereits im August eingegriffen. Die flächendeckenden und gleichmäßigen Preissprünge von Milch und Milchwaren hatten die Fahnder dazu veranlasst, Geschäftsunterlagen auf mögliche wettbewerbswidrige Absprachen in der Branche zu prüfen. Ins Visier der Wettbewerbshüter gerieten damals allerdings nur die Büros des Milchindustrie-Verbands (MIV) und der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle - nicht aber die der Unternehmen. MIV-Präsident Eberhard Hetzner wies den Verdacht koordinierter Preiserhöhungen damals zurück. Ein Nachweis durch die Wettbewerbshüter steht bis heute aus.

Absätze können erheblich sinken

Kommt es zu einem Kartellverfahren, drohen den betroffenen Firmen hohe Strafen. Das Bußgeld richtet sich nach Schwere und Dauer des Verstoßes, beträgt aber maximal zehn Prozent des Jahreskonzernumsatzes. Zusätzlich kann das Kartellamt noch den so genannten wirtschaftlichen Vorteil abschöpfen, den ein Unternehmen durch seine Kartellverstöße erlangt hat. Schlimmer noch als die Strafen beurteilen Branchenvertreter die drohenden Imageeinbußen. "Ist eine Marke in ein Kartellverfahren verwickelt, kann ihr das beim Absatz erheblich schaden", sagte ein betroffener Süßwarenhersteller der FTD.

Sprecher von Kraft Foods, Mars, Nestlé und Ritter bestätigten am Freitag auf FTD-Anfrage die Durchsuchungen der Fahnder. Alle vier Unternehmen gaben an, mit den Behörden zu kooperieren. Ein Sprecher des Familienunternehmens Storck, das Marken wie Merci und Knoppers herstellt, wollte keinen Kommentar abgeben. Der Schokoladenspezialist Ferrero war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Premiumproduzent Lindt & Sprüngli, der generell hohe Preise für seine Ware verlangt, war von den Durchsuchungen ebenso nicht betroffen wie der Sarotti-Produzent Stollwerck. Einzelne Gebäckhersteller wurden von den laufenden Untersuchungen per Brief informiert. Die Branche hatte nach den Preiserhöhungen der Schokoladenbranche zum Teil nachgezogen.

FTD

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