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Verhandlungen über Miethöhe: Zukunft von Karstadt steht auf Messers Schneide

Endspurt in den Verhandlungen um Karstadt: Am Montag treffen sich der neue Eigentümer Nicolas Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet, um sich im Streit um die Höhe der Mieten zu einigen. Doch während Berggruen sich optimistisch zeigt, hegt Highstreet Zweifel.

Der Kampf um die Zukunft von Karstadt geht in die entscheidende Phase. Der neue Eigentümer der insolventen Warenhauskette, Nicolas Berggruen, zeigte sich vor einem Treffen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet am Montag in London optimistisch. Eine Einigung im Streit über die Mieten sei in greibarer Nähe, sagte er in einem Interview. "Wir sind nicht mehr sehr weit auseinander." Im Highstreet-Lager, dem die meisten der 120 Warenhäuser gehören, gibt es dagegen weiter Zweifel am Konzept des deutsch-amerikanischen Investors.

Berggruen hat vor einer Woche den Zuschlag für Karstadt erhalten. Bisher konnte er sich mit dem Highstreet-Konsortium, das ebenfalls für Karstadt geboten hatte, aber noch nicht über die Miethöhe verständigen. Sollte es keine Einigung geben, droht der Kette doch noch das Aus. "Theoretisch wäre das möglich. Aber ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich", sagte Berggruen. Die Gewerkschaft rief beide Parteien am Sonntag dazu auf, sich zu einigen. "Wir gehen davon aus, dass beide Seiten professionell und verantwortungsbewusst genug sind, die Existenz des Unternehmen mit 25.000 Beschäftigten nicht aufs Spiel zu setzen", sagte eine Sprecherin.

Am Montag keine endgültige Entscheidung zu erwarten

Bei dem Treffen am Montagnachmittag in London sei noch keine endgültige Entscheidung zu erwarten, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. "Es wird ein substanzielles Treffen zum Austausch von Positionen", erklärte ein Insider. Im Umfeld des Konsortiums Highstreet um die US-Bank Goldman Sachs hieß es, Berggruen habe bisher keinen substanziellen Business-Plan vorgelegt.

Der Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen kündigte in der "Welt am Sonntag" an, am Montag ein nachvollziehbares Konzept zu präsentieren, bekräftigte aber auch seine Forderung nach Mietsenkungen. "Die Mieten sind einfach zu hoch, sie sind nicht marktüblich." Ein Einlenken sei auch im Interesse der Vermieter, betonte der Investor. "Bei Highstreet wissen sie doch genau, dass ihre Weigerung zur Zerschlagung von Karstadt führen würde. Und dann würden sie noch viel weniger Miete bekommen." Der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore" sagte er: "Wir haben bis zum 20. Juni Zeit, um uns über die Miethöhe zu einigen, sonst wird das Unternehmen gemäß deutschem Recht liquidiert."

Highstreet hatte ursprünglich Jahresmieten von knapp 270 Millionen Euro für die Warenhäuser veranschlagt. Mit dem Sanierungsplan für Karstadt in der Insolvenz sanken diese auf rund 250 Millionen Euro. Highstreet hatte nach einem Reuters vorliegenden Schreiben neue Mietsenkungen vorgeschlagen, die vorsehen, dass für 2010 Mindestzahlungen in einer Höhe von 210 Millionen Euro fällig werden, die dann auf 211 Millionen Euro in den Jahren 2011 und 2012 steigen sollen. 2018 sollen sie dann wieder das Niveau von 250 Millionen Euro erreichen.

Highstreet liebäugelt weiter mit Kauf von Karstadt

Der im Vermieter-Konsortium vertretene italienische Warenhausunternehmer Maurizio Borletti betonte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", nach wie vor Interesse an der Übernahme von Karstadt zu haben. Mittlerweile seien die für die Finanzierung des Highstreet-Konzepts erforderlichen mehr als 100 Millionen Euro gesichert, hieß es in dem Bericht weiter. Auch das Magazin "Spiegel" berichtet, Highstreet bereite sich im Hintergrund weiter auf eine eigene Übernahme von Karstadt vor.

Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg schloss diese Option am Sonntag jedoch kategorisch aus. "Der Insolvenzplan schließt nach seiner Mechanik die Ersetzung des Berggruen-Vertrags durch einen anderen aus", sagte er zu Reuters. Vielmehr müsse Berggruen nun mit Highstreet eine Lösung finden. "Alle haben im Gläubigerausschuss signalisiert, dass man sich einigen kann."

A. Kröner und M. Inverardi, Reuters / Reuters