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VERKEHR: Bahn will offenbar massiv in Nahverkehr einsteigen

Kauf von regionalen Busgesellschaften geplant. Berichten nach wird auch über den Verkauf eines Immobilien-Pakets für 3,5 Milliarden Mark verhandelt.

Die Deutsche Bahn will nach einem Bericht der »Berliner Zeitung« (Mittwochausgabe) massiv in den kommunalen Nahverkehr einsteigen. Dazu plant das Unternehmen die Übernahme zahlreicher regionaler Bus- und Stadtbahngesellschaften. »Wir wollen unseren Marktanteil in der Sparte in den nächsten fünf bis zehn Jahren von heute sieben Prozent auf 20 Prozent erhöhen«» wird der Bahnvorstand für Regional- und Stadtverkehr, Ulrich Homburg, zitiert. Nach einem Bericht der «Welt» will die Bahn ferner ein milliardenschweres Immobilienpaket verkaufen.

Beteiligungen an Stadtwerken

Der Einstieg in den Nahverkehr soll laut »Berliner Zeitung« über Ausschreibungen, aber auch über Beteiligungen an Stadtwerken erfolgen. Als Modellfall gilt Göttingen, wo die Bahn unlängst gemeinsam mit dem Energiekonzern E.ON die Stadtwerke übernommen hat und sich an deren Verkehrssparte beteiligte. Mittelfristig stehen weitere Stadtwerke mit Gas- und Energiesparten, aber auch Verkehrsgesellschaften zum Verkauf. Dort bieten sich ähnliche Konsortialpartnerschaften mit Energiekonzernen zur Übernahme an, so Homburg im Zeitungsbericht.

Starkes Interesse am Nahverkehr

Auch bei den zu erwartenden Ausschreibungen im regionalen Bahnverkehr hofft die Bahn künftig besser als in der Vergangenheit zum Zuge zu kommen. Dazu müsste allerdings der Nahverkehr von der Zentrale in Regionalleitungen verlagert werden. Das soll laut Homburg bis zum Jahresende durchgesetzt werden. »Wir sparen allein dadurch jährlich Kosten in dreistelliger Millionenhöhe ein«, wird der Bahnvorstand zitiert.

Immobiliensparte soll verkauft werden

Nach Informationen der Tageszeitung »Die Welt« führt die Bahn zurzeit Verhandlungen mit potenziellen Interessenten für ihre Immobilien, darunter die US-Investmenthäuser Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie der japanische Finanzkonzern Nomura. Man erhofft sich einen Verkaufserlös bis zu 3,5 Milliarden Mark. Bahn-Sprecherin Ariane Alzer hat die Verkaufspläne bestätigt, aber offenbar ohne Zahlen zu nennen. Mit der Abwicklung der Transaktion soll die Bahn die Beratungsunternehmen KPMG und Roland Berger beauftragt haben.

Bahn ist Immobilienriese

Von der Deutsche Bahn Immobiliengesellschaft mbH (DBImm) werden dem Bericht zufolge bundesweit etwa 50.000 Liegenschaften, mehr als 25.000 Gebäude und 180 Projektentwicklungen aus dem Immobilienportfolio der Bahn gemanagt. Zu diesen Arealen gehören auch große innerstädtische Entwicklungsflächen. Die DBImm ist mit rund 1.250 Mitarbeitern an 39 Standorten eines der größten Unternehmen der deutschen Immobilienwirtschaft.