HOME

VERKEHR: Bahn will Regionalverkehr weiter beschneiden

Ab Mitte 2002 droht zehn Prozent des Regionalverkehrs die Stillegung. Betroffen sind nicht »bedarfsgerechte« Strecken mit weniger als 500 Fahrgästen pro Tag.

Die Deutsche Bahn will nach Informationen der »Süddeutschen Zeitung« etwa zehn Prozent des Regionalverkehrs von kommendem Jahr an einstellen. Vor allem der Osten Deutschlands soll betroffen sein, schreibt das Blatt in seiner Samstagsausgabe. Dies geht aus dem so genannten Grundangebot hervor, dass die Bahn im Auftrag der Länder erarbeitet und nun vorgelegt hat. Dieses Grundangebot, das mit dem nächsten Fahrplanwechsel Mitte 2002 greifen solle, umfasst etwa 90 Prozent des gegenwärtigen Nahverkehrs, hieß es.

Mehr Geld, sonst keine Verbindung

Von den 590 Millionen Zugkilometern pro Jahr hat die Bahn lediglich 533 Millionen als »bedarfsgerecht« eingestuft. Strecken mit weniger als 500 Fahrgästen pro Tag werden als unwirtschaftlich betrachtet. Darüber hinaus gibt es nach Ansicht der Bahn auf zahlreich Linien zu viele Züge. Die als unwirtschaftlich ermittelten Strecken und Züge will die Bahn lediglich als »Zusatzangebot« weiter betreiben, wenn die Länder für diese Verbindungen mehr bezahlen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den sächsischen Verkehrsminister Kajo Schommer.

Bahn denkt an Bus

Bahnchef Hartmut Mehdorn: »Der geäußerte Vorwurf, die Bahn wolle sich aus der Fläche zurückziehen ist abwegig. Die Länder können zu Bedingungen, die sich für die Bahn rechnen, jeden Verkehr bestellen, den sie wollen.« Nach seiner Aussage ist die Bahn gerade dabei, rund 40 Randnetze in einer Mittelstandsoffensive unternehmerisch und kostenmäßig so zu organisieren, dass sie aufrecht erhalten und wirtschaftlich betrieben werden können, um ein flächendeckendes Angebot sicher zu stellen. Darüber hinaus gibt es für die Bahn aber Einzelstrecken, die sich auch unter diesen Bedingungen bei den heutigen Bestellerentgelten nicht rechnen, weil das Fahrgastaufkommen zu gering ist. Und da wendet die Bahn ein, ob es wirklich ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist, sie weiter mit schweren, schlecht besetzten Zügen zu bedienen. Manchmal ist vielleicht auch der Bus das vernünftigere Verkehrsmittel. Bedenken sollte man auch, ob die Länder ihre Bestellerentgelte nicht lieber dafür nutzen sollten, Verkehrsangebote auf Strecken zu erhöhen, auf denen das Fahrgastaufkommen dafür da ist und sogar deutlich gesteigert werden könnte.

Themen in diesem Artikel