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Versorgungslücke: Beim Jobwechsel kann Betriebsrente schrumpfen

Betriebsrenten sind längst nicht in jedem Fall so bombensicher wie sie sein sollten. Sicherheitslücken tun sich häufig beim Jobwechsel auf: Wer also häufig Stelle oder Branche wechselt, sollte bei der Wahl des betrieblichen Rentenmodells aufpassen.

Betriebsrenten sind längst nicht in jedem Fall so bombensicher wie sie sein sollten. Sicherheitslücken tun sich häufig beim Jobwechsel auf: Das kann in frisch angesparte Vorsorgeverträge bei Pensionskassen unter Umständen Riesenlöcher reißen, wie Susanne Meunier von "Finanztest" warnt. Wer häufig Stelle oder Branche wechselt, sollte bei der Wahl des betrieblichen Rentenmodells aufpassen. Acht geben müssen vor allem jüngere Arbeitnehmer. Nur die wenigsten Altersvorsorgeverträge lassen sich bislang problem- und verlustlos zum neuen Arbeitgeber mitnehmen.

Hohe Verwaltungskosten nagen an der Rücklage

Rein theoretisch gilt zwar: Was ein Mitarbeiter mit eigenem Geld durch Gehaltsverzicht fürs Ruhepolster spart, kann ihm niemand mehr wegnehmen. Umgewandeltes Geld kann weder durch Arbeitslosigkeit, Firmenkonkurs noch Arbeitsplatzwechsel verloren gehen. In der Praxis sieht es aber speziell im Bereich einiger Pensionskassen etwas anders aus. Hohe Verwaltungskosten und Vermittlerprovisionen können anfangs sehr wohl einen Großteil des abgezwackten Lohns "auffressen", berichtet Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Von eingezahlten 1.600 Euro können dann nur noch kümmerliche 200 Euro übrig bleiben.

Wer schon nach ein, zwei Jahren zu einem anderen Arbeitgeber wechselt, geht häufig mit fast leeren Händen. Wurde ein Pensionskassen-Vertrag gleich von Anfang an mit den gesamten Abschlussprovisionen belastet, sind die ersten Beträge auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Lebensversicherung. Es nennt sich "Zillmerung". Wer länger bei einer Firma bleibt, merkt nicht viel davon. Nach sieben, acht Jahren Sparens sind die kräftigen Anfangsabzüge wieder einigermaßen ausgeglichen. Für schnelle Jobwechsler ist die Abrechnungsmethode dagegen verheerend.

Bei frühzeitigen Wechsel ist die Rente weg

"Bei zwei Drittel der neuen Pensionskassen, die für alle zugänglich sind, gibt es das Problem, dass beim frühzeitigen Jobwechsel die Rente weg ist", erklärt Meunier. Bei älteren offenen Kassen sowie klassischen Unternehmenskassen taucht es kaum auf. Dort werden meist ungezillmerte Tarife angeboten. Die Abschlusskosten werden dann "sanfter" über die Laufzeit verteilt. Meist bieten alte Kassen ihre Dienste zudem deutlich billiger an, erklärt Bieler.

Betroffene können nur folgendes tun: Entweder den Vertrag privat ohne Förderung weiter ansparen, die kümmerlichen Kapitalreste beitragsfrei stehen lassen oder - falls der neue Chef die gleiche Pensionskasse anbietet - sie mitnehmen und wenigstens gut weiterführen. Sehr viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht, wie Klaus Stiefermann von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) betont. Sein Rat: Auch bei der Betriebsrente immer vorrechnen lassen, wie viel Geld in den ersten Jahren tatsächlich auf dem eigenen Vorsorgekonto ankommt. Erst dann entscheiden und unterschreiben. Dringend auf ungezillmerte Tarife achten, empfiehlt auch Meunier.

Mitnahmemöglichkeiten noch nicht klar

Wer sein angespartes Kapital beim Jobwechsel mitnehmen will, kann dies bislang nur mit einer Direktversicherung nahtlos und ohne größere Verluste tun. Ein Übertragungsabkommen zwischen den Versicherern macht es möglich, dass beim Stellenhopping nicht immer neue Abschlusskosten anfallen - und das Geld nicht immer weniger wird. Für Pensionskassen soll es bald Ähnliches geben. "Abgesegnet" ist aber noch nichts, weiß Siegfried Singer, Vertriebsleiter beim Versicherer Swiss Life Deutschland.

Auch Unterstützungskassen und Pensionsfonds sollen künftig leichter übertragen werden können. Eine schnelle Problemlösung lässt aber genauso auf sich warten. "Die Mitnahme ist stets mit erheblichen steuerlichen Problemen und auch Kosten verbunden", erläutert Stiefermann. Und selbst wenn eine Übertragung mal klappt: Teilen sich Arbeitnehmer und -geber die Beiträge für die Betriebsrente, ist es oft schon schwierig zu berechnen, mit wie viel Geld der Beschäftigte gehen kann. Der arbeitgeberfinanzierte Teil unterliegt ganz speziellen Regelungen.

Arbeitgeberanteil erst nach fünf Jahren unantastbar

Vom Arbeitgeber spendierte Beiträge sind frühestens nach fünf Jahren unantastbar. Elternzeit zählt dabei mit. Wer früher die Firma verlässt, verliert das Geld vom Boss, sofern keine Abfindung zugesagt wurde. Eine Betriebsrente kann aber auch von Anfang an unverfallbar sein, wenn es so vertraglich vereinbart wurde.

"Wer früher gewechselt hat, ist nicht schlecht damit gefahren, seine Ansprüche einfach stehen zu lassen und im Alter dann mehrere Betriebsrenten einzusammeln", berichtet Stiefermann. Mit Aufkommen der Gehaltsumwandlung stehe das ganze System jedoch vor einem Umbruch - und vor einer Fülle noch ungelöster Probleme.

DPA