Verstaatlichung Bolivien lässt Ölmarkt erzittern


Boliviens Präsident Evo Morales hat mit seiner Ankündigung, den nationalen Erdgasmarkt zu verstaatlichen, Besorgnis bei Ölkonzernen und Regierungen ausgelöst. Der Ölpreis stieg sogleich auf über 74 US-Dollar an.

Ölkonzerne, Regierungen und die EU- Kommission haben besorgt auf die angekündigte Verstaatlichung der Öl- und Erdgasvorkommen in Bolivien reagiert. Betroffene Unternehmen kündigten am Dienstag an, sie wollten die weitere Entwicklung abwarten und dann über ihre Vorgehensweise entscheiden. An den Weltmärkten zog der Ölpreis leicht an. Boliviens Präsident Evo Morales hatte die in dem südamerikanischen Land tätigen Energiekonzerne angewiesen, die gesamte Produktion von Erdöl und Erdgas unter die Kontrolle des staatlichen Energiekonzerns YPFB zu stellen.

Ölpreis steigt über 74 Dollar

Der US-Ölpreis stieg am Dienstag über 74 US-Dollar. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete am frühen Nachmittag 74,17 US-Dollar. Das waren 47 Cent mehr als zu Handelsschluss. Der am 21. April erreichte Rekordstand von 75,35 Dollar rückte damit wieder in Reichweite. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 33 Cent auf 74,22 Dollar.

Mit der geplanten Verstaatlichung befänden sich nicht nur wie bisher schon die Lagerstätten in staatlichem Eigentum, sondern auch das geförderte Erdöl und Erdgas. Die ausländischen Unternehmen sollen offenbar auf die Rolle von Förderunternehmen und Verteilern reduziert werden.

Für Spekulationen ist es noch zu früh

Der weltgrößte Ölkonzern ExxonMobil will sein weiteres Vorgehen in Bolivien prüfen. "Wir analysieren die Situation. Für eine Einschätzung ist es aber noch zu früh", hieß es in Houston. Der US-Konzern ist mit 34 Prozent am Erdgasfeld Itau beteiligt, das von der französischen Total entwickelt wird. Neben ExxonMobil und Total sind vor allem die brasilianische Erdölgesellschaft Petrobras, die spanisch-argentinische Repsol-YPF sowie die britische BP betroffen.

Ein Sprecher von Repsol-YPF sagte in Madrid, es sei noch zu früh, über die Auswirkungen der Entscheidung zu spekulieren. Der Ölkonzern ist eines der wichtigsten ausländischen Unternehmen in der bolivianischen Erdöl- und Erdgaswirtschaft. Repsol-YPF hat dort fast eine Milliarde Euro investiert. In Bolivien befindet sich etwa ein Fünftel der Erdölreserven des Konzerns. Bei der französischen Total sei ein Prozent der weltweiten Produktion betroffen, sagte eine Sprecherin in Paris.

Keine Auswirkungen auf deutschen Markt

Der deutsche Energiekonzern E.ON-Ruhrgas erwartet zunächst keine direkten Auswirkungen. Das Unternehmen sei in dem Land nicht aktiv, sagte ein Sprecher. Da das Erdgas aus Bolivien in Mittelamerika vertrieben werde, seien keine Auswirkungen auf den deutschen Markt zu befürchten. Auch die amerikanischen Ölkonzerne Chevron und ConocoPhillips sind von den Plänen nicht betroffen.

Ein Sprecher des "American Petroleum Institute", in dem die US- Ölmultis ihre Interessen bündeln, plädierte für einen Ausbau der Energieproduktion in den Vereinigten Staaten. Die Vorgänge in Bolivien unterstrichen die Unsicherheit, die auf den weltweiten Märkten bestehe.

Bolivien verfügt nach Venezuela über die zweitgrößten Erdgasvorkommen in Südamerika. Bei der Mineralöl-Förderung nimmt das Land nur eine nachrangige Rolle ein. Nach 1937 und 1969 ist es die dritte Verstaatlichung der bolivianischen Erdöl- und Erdgasvorkommen.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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