Verstaatlichung der HRE Bund steht kurz vor dem Ziel


Die Chancen des Bundes sind deutlich gestiegen, die marode Hypo Real Estate ohne Enteignung zu verstaatlichen. Kurz vor Ablauf des Übernahmeangebots in der Nacht zum Dienstag schnellte der Aktienanteil des Bundes auf fast 41 Prozent hoch.

Der Bund hat seinen Anteil an dem verlustreichen Immobilienkonzern Hypo Real Estate deutlich erhöht. Wenige Stunden vor Ablauf des Übernahmeangebots in der Nacht zum Dienstag konnte der Bund seinen Aktienanteil bereits auf fast 41 Prozent steigern, teilte der Bankenrettungsfonds Soffin mit. Mit einer Mehrheit der Stimmen auf der Hauptversammlung am 2. Juni könnte der Bund die HRE auch ohne Enteignung komplett übernehmen.

Das Übernahmeangebot des Bundes an alle Aktionäre der Bank lief am Montag um Mitternacht ab. Das Ergebnis will der Bankenrettungsfonds Soffin jedoch erst am Donnerstagvormittag bekanntgeben, wie eine Sprecherin sagte. Bis Montagnachmittag nahmen 32,3 Prozent der Aktionäre das Angebot des Bundes an und verkauften ihm ihre Aktien für 1,39 Euro je Anteil. Mit den bereits zuvor erworbenen Aktien kommt der Bund damit auf insgesamt 40,93 Prozent. Der US-Investor J. C. Flowers hatte allerdings angekündigt, sein 14-Prozent-Paket nicht zu verkaufen und gegen eine Enteignung durch den Bund zu klagen.

Die Bundesregierung und ein Bankenkonsortium bewahren die HRE derzeit mit Bürgschaften über 102 Milliarden Euro vor der Pleite. Der Bund will die HRE vollständig verstaatlichen. Wenn er auf der Hauptversammlung am 2. Juni eine Mehrheit bekommt, will er mit einer Kapitalerhöhung mindestens 90 Prozent der Aktien übernehmen und der Bank eine dringend notwendige Kapitalspritze von bis zu 5,6 Milliarden Euro geben. Anschließend könnte der Bund Flowers und alle übrigen Aktionäre ohne Enteignung ausschließen.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) unterstützt die Regierungspläne. "Die Enteignung der HRE-Aktionäre kann nur Ultima Ratio sein, ist aber in diesem Fall ohne Alternative", sagte BdB-Präsident Andreas Schmitz. "Das Eingreifen des Staates in dieser außergewöhnlichen Situation war nötig, damit das Bankensystem insgesamt keinen Schaden nimmt." Ohne Staatshilfe wäre die Aktie kaum noch etwas wert.

Am Dienstagmorgen hatte die Bank ihre Quartalszahlen vorgelegt. Demnach schreibt das Institut weiter rote Zahlen und braucht dringend frisches Kapital. Im ersten Quartal fiel ein Verlust von 406 Millionen Euro vor Steuern an. Das liegt vor allem an einer höheren Risikovorsorge für Immobilienfinanzierungen in den USA, Abschreibungen bei Wertpapieren und Kosten für die Bürgschaften des Bundes. Außerdem war das Neugeschäft sehr gering. Vorstandschef Axel Wieandt sagte: "Allerdings machen wir gute Fortschritte bei der Neuausrichtung des Konzerns." Unter dem Strich machte die Bank im ersten Quartal 382 Millionen Euro Verlust. Das war weniger, als Branchenexperten erwartet hatten.

Die Kernkapitalquote der Hypo Real Estate liegt mit 3,5 Prozent klar unter der Mindestgröße von vier Prozent, wie ihn die Bankenaufsicht vorschreibt. Weil das Kreditvolumen der Bank sank, verbesserte sich die Quote bis Ende März minimal. Dank niedrigerer Zinskosten stieg der Zinsüberschuss des Immobilienfinanzierers im ersten Quartal deutlich auf 371 Millionen Euro. Auf der anderen Seite zogen die Kosten von 129 Millionen Euro für die Bundesgarantien bei sehr geringem Neugeschäft sowie Wertberichtigungen in dreistelliger Millionenhöhe die Bank ins Minus.

AP AP

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